Domaine des enfants: Tabula rasa 2016

Das Weingut Domaine des enfants liegt in Südfrankreich, nahe der Pyrenäen und der spanischen Grenze, im Dorf St. Paul de Fenouillet. Der Schweizer Besitzer Marcel Bühler hat sich 2006 mit der Gründung einen Traum erfüllt und sich zum Ziel gesetzt, konsequent mit der Natur zu arbeiten. Die Domaine hat 23 Hektar Anbaugebiet, einige der Weinberge datieren auf die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zurück. Der naturnahe Ansatz in der Produktion und der Anspruch, keine Massenweine produzieren zu wollen, zeigen sich im Endprodukt deutlich. Wir haben die weisse Cuvée Tabula rasa probiert, die aus Trauben gekeltert wird, die sich verstreut zwischen Rotweinlagen befinden. Diese werden bei Fruchtreife selektiv gelesen – deshalb ist der Anteil der jeweiligen Sorten nicht genau auszumachen. Die Trauben werden mit einem Minimum an Schwefel nach einem Jahr in die Flaschen abgefüllt. Für die Philosophie- und Kulturgeschichte-Interessierten unter den Weingeniessern: Auf dem Etikett findet sich ein Auszug eines über 300-jährigen Essays von John Locke über den menschlichen Verstand.

Traubensorten: Grenache gris, Grenache blanc, Carignan blanc, Macabeo

Auge: dunkles Goldgelb mit orange-bräunlichem Schimmer

Nase: gelbfruchtig, Noten nach Farn, Kamille und Manuka-Honig, Met-Aromen, Lakritze und Schiefer

Gaumen: reife Birnen, Quitten, farnige Noten treffen auf zitonenzestige Frische mit mittellangem, crèmigem, “französischem” Abgang, Assoziation an Nektar

Fazit: Sehr interessantes Cuvée mit fairem Preis-/Leistungsverhältnis. Zum Apéro alleine eher anstrengend und etwas für Weinfreaks – erinnert beim ersten Schluck an einen orange Wine, jedoch ohne die oft mühsame Säure am Gaumen. Der Tabula rasa hingegen ist sehr kompakt, geht mehr in den Honig-Met-Stil und überzeugt mit seiner Kraft und Crèmigkeit. Wir sind gespannt, wie der Rest der Domaine des enfants Kreationen daherkommt (z.B. die unfiltrierten Rotweine)!

Kredenzen zu…
…Muscheln und Meeresfrüchten
…asiatischen Gerichten
…einer Blinddegustation bei Weinkennern

Trinkreife: bis 2026

Erhältlich bei: Global Wines, CHF 33.-, Jahrgang 2017 bereits ausverkauft

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 *da kommt Freude auf*

Neil Ellis: Bottelary Pinotage 2015

Unsere Degustationsrunde mit Weinakademiker und NZZ am Sonntag-Redaktor Peter Keller fand für einmal unter Social Distancing Auflagen und nicht in einem Restaurant statt. Die Tradition der Blinddegustation und der Preisrahmen von maximal CHF 50 blieb unverändert. Unter den sechs verschiedenen Vertretern der Traubensorte Pinotage lagen zwei Winzer ganz dicht zusammen. Gewinner wurde der Bottelary Pinotage von Neil Ellis. Die Rebsorte ist eine Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsault und wird vorwiegend, aber nicht nur in Südafrika angebaut. Neil Ellis feierte letztes Jahr sein 35-jähriges Bestehen und ist einer der bekannten Namen unter den Winzern in Südafrika. Das Weingut produziert rund 450’000 Flaschen Lagenwein aus zugekauftem Traubengut aus vier Regionen. Der Bottelary Pinotage passt perfekt zum sommerlichen Barbecue.

Peter Kellers Urteil lässt sich bei NZZ Bellevue nachlesen: https://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/der-wein-der-woche-ein-perfekter-pinotage-fuer-den-grillabend-ld.1556377

Traubensorte:  100% Pinotage

Auge: Kirschrot mit schwarzem Kern, schmaler Wasserrand

Nase: dunkle Beeren mit einer leichten Rauchnote, erinnert an Braten- oder Sojasauce, würzige Noten

Gaumen: vollmundiger Eindruck, schöne Struktur mit feinen Tanninen, tragende Säure und rauchige Noten im mittellangen Abgang

Fazit: Unser Tipp für ein «Braai» der Extraklasse – der perfekte Begleiter für den nächsten Grillabend! Als Alleinunterhalter passt er eher weniger.

Kredenzen zu…
…Spare Ribs oder Ribeye vom Grill
…einfachen Cervelats oder Bratwürsten

Trinkreife: jetzt bis 2030

Preis: Jahrgang 2016 bei Kapweine.ch derzeit für CHF 29.-. Kapweine veranstaltet in normalen Zeiten regelmässig Degustationen mit Aktionspreisen in ihrem Lager in Wädenswil – ein Besuch lohnt sich.

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 *da kommt Freude auf*

Ikon: Tulipán 2012

Wer von Graz aus 2,5 Stunden Richtung Osten fährt, erreicht das ungarische Meer – den Balaton oder Plattensee, einer der grössten Binnenseen Europas. Der Weinbau an dessen Ufern hat eine lange Tradition, die bis ins 3. Jahrhundert zurückreicht. Am südlichen Ufer liegen die 35 Hektaren des Weinguts Ikon, früher im Besitz des bekannten Klosters Tihany. Der Önologe Janos Konyari und seine Familie bauen hauptsächlich rote Weinsorten an. Wir haben seinen mehrfach ausgezeichneten Tulipán probiert, der 16 Monate in Barrique-Fässern reift.

Traubensorte:  50% Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc

Auge: dunkles Kirschrot mit leicht violettem Rand

Nase: Süssholz, Stall, Minze, leichte Pneu-Anleihen, vermischt mit kräutriger Würze, Brombeeren, schwarzen Kirschen, wirkt voll und elegant

Gaumen: Kräuter, dunkle Beeren und Pflaumenaromatik, leicht alkoholisch (15%)

Fazit: Der Tulipán füllt den Gaumen mit ausdrucksstarken Aromen, ist im Abgang aber eher schlank. Die versprochene Fülle in der Nase kann er nicht ganz halten. Dafür empfiehlt er sich als interessanter Essensbegleiter und passt hervorragend zu Schmorgerichten.

Kredenzen zu…
…klassischen Schmorgerichten
…sommerlichen Kreationen mit Lamm und Spargeln
…einer leichteren Zigarre

Trinkreife: jetzt bis 2024

Preis: CHF 32.- bei Le Bouchon

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 15 / 20 *kann man, muss man aber nicht*

***Disclaimer: dieser Wein wurde uns freundlicherweise von der Vinothek Le Bouchon zur Verfügung gestellt.***

Erich Meier: Chardonnay 2017

Erich Meier ist einer unserer Schweizer Lieblingswinzer – und deshalb kaum zu glauben, dass wir ihn bei weingeniesser.ch noch nie vorgestellt haben. Sein Weingut liegt malerisch und etwas versteckt in Uetikon am See, 20 Minuten von Zürich City entfernt. Meiers Weine zeichnen sich durch Geradlinigkeit, Eleganz und Understatement aus. Er produziert neben roten Rebsorten wie Pinot Noir und Merlot eine breite Auswahl an weissen Traubensorten. Eine Degustation und frühes Bestellen lohnen sich – Meiers Weine sind schnell ausverkauft. Wir haben, zugegebenermassen viel zu früh, den Chardonnay 2017 probiert. Ein spezieller Jahrgang, der für viele Winzer mit unangenehmen Erinnerungen verbunden ist. Auch Erich Meiers Trauben traf der Kälteeinbruch im April hart, nämlich mitten in der Wachstumsphase. Die Ausfallrate von 80 bis 90 Prozent zwang den Winzer dazu, für diesen Chardonnay biologisch produzierte Trauben aus dem Südtirol zuzukaufen (nur einzelne Räuschling und Pinot Noir Lagen hatten den Frost unbeschadet überstanden). Ergebnis: absolut gelungen.

Traubensorte:  100% Chardonnay

Auge: helles Zitronengelb

Nase: Zitrone, Steinfrüchte, Litschi, Pfirsch, leichte, gut eingebundene Holz-/Röstaromatik

Gaumen: exotische Ananas-Noten treffen auf eine Mischung aus Granny Smith Äpfeln und Zitronengras, crèmig-frisch, harmonisch, mittellanger Abgang

Fazit: weich und burgundisch in der Stilistik, elegant und nicht zu fett, überzeugt der Chardonnay mit seiner knackigen Frische. Wir haben ihn im grossen (Burgunder)-Glas probiert und sind sicher, dass er mit der Zeit noch massiv zulegen wird. Wir freuen uns jetzt schon, die nächste Flasche in einem Jahr zu probieren!

Kredenzen zu…
…bzw. als Alleinunterhalter zu gehaltvolleren Sommer-Apéros im Schatten
…leichten Vorspeisen oder Fischgerichten
…Diskussionen über die klimatische Zukunft des Schweizer Weinbaus

Trinkreife: jetzt bis 2025

Preis: direkt ab Gut, derzeit Jahrgang 2018, für CHF 28.- / dieser Jahrgang stammt von Baur au lac Vins, CHF 29.80

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 94.5 / 100
Preis/Leistungsskala: 18 / 20 *strong buy, zwingend in den Keller legen*

El Escocés Volante: Manda Huevos Blanco Doble Yema 2015 / 2016

El Escocés volante bzw. der Flying Scotsman Norrel Robertson ist in Schottland aufgewachsen und hat in Aberdeen Politikwissenschaften und internationale Beziehungen studiert. Danach hat er über 25 Jahre Wein verkauft, bevor er sich in den 1990ern dazu entschieden hat, selbst Wein zu produzieren. Bei Winzern in Italien, Portugal, Frankreich und Australien hat er die Kunst der Weinherstellung von der Pike auf gelernt und mit einem «Master of Wine» Abschluss gekrönt. Sein Herz schlägt für die Weinregion Spanien (und im Speziellen für einige Garnacha Parzellen in Calatayud, Aragón), wo er seit 2003 mit seiner Familie lebt und arbeitet. Neben vielen Beratungsprojekten produziert er auch seine eigenen Weine – unter anderem diesen Manda Huevos. Er wurde in 900-Liter-Betoneiern ausgebaut und vergoren. «Manda Huevos» ist übrigen ein Ausruf der Frustration, den einige auf das Lateinische «mandat opus» zurückführen (auf Englisch meist mit dem Ausdruck «needs must» übersetzt). Das Resultat dieser absoluten Notwendigkeit, diesen Wein ausserhalb seiner «Denominación de Origen» zu produzieren, finden wir bemerkenswert.

Traubensorte:  Macabeo, Garnacha blanca, Viognier

Auge: sehr helles Zitronengelb

Nase: zitronig, farnig, frisch, Aromen nach gelben Steinfrüchten, Steine

Gaumen: Quitten, Kaki, crèmige Noten, leicht bittere Aromen nach Bergamotte und Kamille im Abgang

Fazit: Der Manda Huevos punktet mit einem eleganten, crèmigen Eindruck, der von einer schönen Säurestruktur in einen langen Abgang getragen wird. Die mineralische Frische bleibt. Sehr gut!

Kredenzen zu…
…Gesprächen mit anspruchsvolleren Weingeniessern beim Apéro
…leichten Fischgerichten
…einem guten Buch

Trinkreife: jetzt bis 2033

Preis: derzeit Aktion: CHF 29.- statt CHF 36.- bei Gerstl Weinselektionen

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 92 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 *da kommt Freude auf*

Kreinbacher: Somlói Furmint Selection 2016

Auf Einladung der Le Bouchon Vinothek aus Biel haben wir diesen Furmint des Weinguts Kreinbacher probiert. Jozsef Kreinbacher hat die ersten Weinberge in Somlo in Ungarn, nordwestlich des Balaton-Sees, 2002 gekauft. Unterdessen bewirtschaftet er 40 Hektaren Wein und verarbeitet zusätzlich Traubengut von 20 Hektaren. Dabei setzt er auf autochthone Traubensorten wie Furmint, Juhfark, Welshriesling, Harslevelu sowie Syrah. Seit 2011 produziert Kreinbacher auch Schaumwein auf Basis von Furmint. Das Weingut fungiert auch als Hotel und beeindruckt mit seiner modernen Architektur (https://kreinbacher.accenthotels.com/en/galeria/estate-visit#). Furmint ist eine sehr alte, ungarische Traubensorte, die in Ungarn, aber auch im Burgenland, in der Steiermark, in Slowenien, Kroatien, auf der Halbinsel Krim und in Südafrika angebaut wird.

Traubensorte:  100% Furmint

Auge: Strohgelb

Nase: Frangipani / weisse Blüten, zitronige Aromen, Birnen, Farn

Gaumen: Äpfel, unreife Quitten, leichte Honignoten, Limetten, crèmig-frisch, leicht herb-bitterer, tendenziell kurzer Abgang

Fazit: Der Exkurs nach Ungarn hat sich gelohnt – ein spannender Apéro-Wein, der aus unserer Sicht nicht zu kalt genossen werden sollte. Es lohnt sich, ihm etwas Luft zu geben, damit er seine crèmige Dimension entfalten kann. 

Kredenzen zu…
…einem Apéro mit Freunden
…Apérogebäck oder rohem Gemüse
…unbeschwerten Gesprächen

Trinkreife: jetzt bis 2022

Preis: CHF 20.- bei Le Bouchon

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 *da kommt Freude auf*

***Disclaimer: dieser Wein wurde uns freundlicherweise von der Vinothek Le Bouchon zur Verfügung gestellt.***

Alfredo Arribas: Gotes Blanques del Priorat 2016

Etikettenkäufer? Nicht schlimm. Wir auch. Beim Gotes Blanques von Alfredo Arribas wird die spontane ästhetische Anziehung belohnt: Der Grenache Blanc ist erfrischend eigenwillig, nicht mehrheitsfähig und schon alleine deshalb einen Kauf wert. Der Winzer ist eigentlich Architekt mit Büro in Barcelona – 2001 hat er Clos de Portal, ein 40 Hektar-Weingut im Priorat, gekauft. Die alten Reben hat er aufgepäppelt und mit gezielten Zukäufen sein Traubengut erweitert. Er hat eine Affinität zu alten Weinreben und «natural wines». Sein Gotes Blanques reift sechs Monate im Stahltank und in Betontanks, bewusst nicht im Holz. Alle seiner Weine sind biodynamisch angebaut.

Traubensorte:  100% Grenache Blanc / Grenache Gris

Auge: helles Gelb

Nase: pilzige Kellernoten, Quitten und Bergamotte, Kamille. Anfänglich recht verhalten, öffnet sich erst richtig nach einiger Zeit und braucht auf jeden Fall viel Luft

Gaumen: schlank und doch crèmig, frische, prägnante Säure, die sich mit der Zeit schön einbindet, am Gaumen überwiegen Pilz-, Agrumen- und Farnnoten. Mittellanger Abgang

Fazit: Der Gotes Blanques hat eine knackige Säure und gleichzeitig eine crèmige Struktur. Er passt locker in ein grösseres (Bordeaux-)glas. Trinkfreudig, speziell, kein Alltagswein. We like.

Kredenzen zu…
…einem unkomplizierten Apéro auf der Terrasse
…einem Salat mit panierten Milken
…Vernissagen
…Spaghetti all’astice
oder als Geschenk für Architektur- und Kunst-Liebhaber.

Trinkreife: jetzt bis 2021

Preis: derzeit Aktion: 18.50 statt 24.50, Vinothek Brancaia

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 *da kommt Freude auf*

Marie-Thérèse Chappaz: Grain Noble Petite Arvine, 2014

Weingeniesser: Grain Noble Chappaz

Denn das nächste Festtagsmenü kommt bestimmt: Süssweine standen im Mittelpunkt unserer Jahresauftakt-Blinddegustation mit Weinakademiker und NZZ am Sonntag-Redaktor Peter Keller. Bei unseren sechs Kandidaten zeigte sich der Grain Noble Petite Arvine von Marie-Thérèse Chappaz als ausgewogenste Komposition. Wir haben die bekannte Winzerin aus Fully und ihren Marsanne Blanche an dieser Stelle schon einmal vorgestellt. Peter Kellers Verdikt aus der NZZ am Sonntag unter dem Titel «ein hervorragender Dessertwein aus der Schweiz» lässt sich hier nachlesen.

Traubensorte:  100% Petite Arvine

Auge: Goldgelb

Nase: Rosinen, Nüsse, typische Nagellack-Aromen, exotische Früchte

Gaumen: ausgewogenes Süsse-Säure-Verhältnis, leicht und fluffig, langer Abgang, crèmig und frisch, viel exotische Noten

Fazit: typisch Marie-Thérèse Chappaz – sie schafft es auch, einem Süsswein ihre eigene, unangepasste und natürlich-frische Note zu verleihen. Auch für Süsswein-Abstinenzler ein guter Wiedereinstieg.

Kredenzen zu…
…einer leichten Frucht-Tarte (Empfehlung des Hauses Chappaz)
…einer Käse-Selektion
oder anstelle eines Desserts.

Trinkreife: bis 2034

Preis: 55.- für 37.5cl, direkt ab Hof (Jahrgang 2017 derzeit noch erhältlich)

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

Preis: ***Winelovers deluxe*** – ausserhalb der Bewertungskala aufgrund seines Preises.

Ewald Zweytick: November Rain 2017

Heavens door, don’t cry, November rain – wer sich hier eher auf einem in memoriam Guns n’ Roses Konzert wähnt, hat nicht unrecht. Weinmacher Ewald Zweytick hat ein Faible für melodramatische Namensgebung. Auch die Preise, die er für einen Teil seiner Weine aufruft, bleiben dem geneigten Weingeniesser in Erinnerung. Gemäss eigenen Aussagen ist der Quereinsteiger-Weinmacher kompromisslos unterwegs. In früheren beruflichen Stationen war er Fenstermonteur, Automechaniker und UNO-Soldat. Neben einer (günstigeren) Klassik-Linie produziert er in der Steiermark ausschliesslich weisse Lagenweine. Wir haben seinen Morillon bzw. Chardonnay «November Rain» probiert.

Traubensorte:  100% Chardonnay

Auge: Goldgelb

Nase: Pfirsich, gelbe Steinfrüchte, Holunder, Röstaromen mit Vanille-Caramel, exotische Früchte, zestige Noten wie Grapefruit

Gaumen: gaumenfüllend, sehr crèmig, tragende Säure im Abgang, exotische Noten, sehr voll und trotzdem elegant,
sehr ausgewogen, überraschend «französisch» für einen Österreicher Chardonnay

Fazit: Natürlich ist der Preis eine Ansage. Der November Rain kann sich aber durchaus mit Franzosen aus dem gleichen Preissegment messen. Er braucht etwas Luft und Zeit, um sich voll zu entfalten – überzeugt dann aber während ganzer Konzertlänge.

Kredenzen zu…
…einem regnerischen Abend vor dem Cheminée
…angeregten Gesprächen mit Weinliebhabern
…einer asiatisch angehauchten Vorspeise
…Gerichte mit Salzwasser-Fischen

Trinkreife: bis 2025

Preis: 65.- bei Gerstl

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

Preis: ***Winelovers deluxe*** – ausserhalb der Bewertungskala aufgrund seines Preises. Wenn er das nicht wäre, dann ein klarer Fall für: «da kommt Freude auf!»

Domaine Guiberteau: Saumur rouge Les Chapaudaises 2017

Thema unserer traditionellen «Weingeniesser meets Peter Keller» Blinddegustation war diesmal die Traubensorte Cabernet Franc. Aus fünf reinsortigen (bzw. mit einem Cabernet Franc-Anteil von mindestens 80 Prozent) Kandidaten ging ein klarer Gewinner hervor: der Saumur rouge Les Chapaudaises vom Winzer Romain Guiberteau. Mit seiner eleganten, fast Pinot-artigen Machart differenzierte er sich klar vom Rest des Teilnehmerfelds. Was Weinakademiker, Buchautor und NZZ am Sonntag-Redakteur Peter Keller von diesem Cabernet Franc hält, lässt sich hier nachlesen.

Die Domaine Guiberteau liegt in der Region Saumur in Westfrankreich, im klassischen Loire-Anbaugebiet. Der Familienbetrieb setzt ausschliesslich auf Cabernet Franc und Chenin Blanc, welche auf 17 Hektaren und in fünf Gemeinden angebaut werden (Bizay, Brézé, Chacé, Montreuil Bellay, Saint-Just-sur-Dive). Seit 1996 führt Romain Guiberteau den Betrieb, seit 2003 ist er biozertifiziert: die Trauben werden von Hand geerntet, die Weine spontanvergoren, und der minimale Anteil an Schwefel ist der einzige stabilisierende Zusatzstoff.

Traubensorte:  100% Cabernet Franc

Auge: Magenta-Violett mit Wasserrand

Nase: würzige Noten, ausgeprägte Peperoni, Pilze, Kräuter, dunkle Kirschen, Himbeeren, rotbeerige Aromen, Süssholz

Gaumen: elegant schmiegt er sich an den Gaumen, wirkt sehr schlank, mit feingliedriger Tanninstruktur, am Gaumen tendiert er stärker in Richtung rote Beeren und Kirschen, untermalt von Kräuternoten. Eine feine Säure trägt den mittellangen, kühlen Abgang.

Fazit: Wer auf Eleganz und Leichtigkeit Wert legt, ist hier an der richtigen Adresse. Der Wein wirkt noch jung, präsentiert sich ausgeglichen und feingliedrig. Wer Anleihen an Pinot noir mag, sollte diesen Cabernet Franc unbedingt probieren.

Kredenzen zu…
…einer Zigarre auf der Terrasse
…Gerichten mit Pilzen, Poulet oder Kalbfleisch
…einem Hartkäse-Deguplättli

Trinkreife: bis 2032

Preis: 49.- bei der Carl Studer Vinothek

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 15 / 20 *Kann man, muss man aber nicht *