Julien Brocard: Chablis «Les Vaudevey» 2013

Aufgrund einer persönlichen Empfehlung haben wir diesen Bio-Chablis von Julien Brocard ausprobiert. Eins gleich vorweg: es hat sich gelohnt – unser Verdikt «kann man, muss man aber nicht» ist einzig dem Preis geschuldet. Für 42 Franken bekommt man aber nicht nur einen biodynamisch angebauten Weisswein, sondern ein authentisches, typisch französisches, ehrliches Geschmackserlebnis. Die Familie Brocard ist die grösste Weinproduzentin im Chablis. Julien Brocard hat nach seinem Ingenieur-Studium den Betrieb komplett auf biologischen Anbau umgestellt (75 Hektar biologisch, 50 Hektar biodynamisch bewirtschaftet). Mehrere tausend Besucher pro Jahr haben die Familie dazu veranlasst, rund 3 Millionen Euro in die Umgestaltung ihrer Räumlichkeiten zu stecken, um in Zukunft auch grössere Gruppen für Weinevents unterbringen zu können. Ihre Chablis werden in über 50 Länder exportiert. Das spiralförmige Symbol, ein Ammonit, ist das Logo des Weinguts und stellt neben der Verbundenheit zur Natur das ständige Streben nach Verbesserung dar.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Auge: helles, reines Goldgelb

Nase: schöne Honignoten, die fast an Met erinnern; Kamille, Stroh bzw. Heu, unreife Quitten, gelbfruchtige Aromen, Äpfel und Birnen

Gaumen: Vom ersten Schluck an vollmundig und rund. Eine deutliche Säure trägt den aromenreichen Geschmack in eine schöne Länge. Mineralische Noten begleiten angenehm. Der Abgang ist buttrig, mit leichten Vanille- und Röstaromen.

Fazit: Ein direkter, ehrlicher Chablis, der im Geschmack voll überzeugt. Mehr davon, bitte!

Kredenzen zu…
…Spaghetti Vongole
…einer Meeresfrüchte-Platte
…einem Apéro mit guten Freunden
Trinkreife: jetzt bis 2021

PreisBaur au Lac Vins für 42.- CHF

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Unterganzner: St. Magdalener klassisch 2014

Josephus und Barbara Mayr vom Weingut Mayr-Unterganzner sind bekannt für ihren in der Gegend sogar als «legendär» gehandelten Lagrein Riserva. Das Weingut liegt im Osten von Bozen / Bolzano und erfreut sich dank diverser Flüsse eines konstant kühlen Windes. Seit 30 Jahren verzichtet man bei Mayr-Unterganzner im Anbau auf Kunstdünger und Herbizide. Wir haben bei einem kleinen Abstecher ins Südtirol ihren St. Magdalener probiert, einen leichten Rotwein mit Hauptanteil Vernatsch. Diese Traubensorte ist die häufigste Rotweinsorte im Südtirol. Die Reben wachsen auf Glazialschotter und Porphyr-Verwitterungsboden und sind im Durchschnitt 20 Jahre alt. Der St. Magdalener wird wenig überraschend vor allem in der Gegend um St. Magdelena angebaut. (Wer am 22. Juli zufällig in der Gegend ist: am St. Magdalener Kirchtag wird traditionellerweise und seit 1922 der neue Jahrgang öffentlich verkostet. Der Anlass scheint sich ganz ohne Marketingmassnahmen grosser Beliebtheit zu erfreuen.) Der Magdalener klassisch wird anfang bis Mitte Oktober gelesen und in kleinen und mittelgrossen Holzfässern ausgebaut.

Traubensorte: Vernatsch (90%; Grossvernatsch, Tschaggelevernatsch) & Lagrein (10%)

Auge: dunkles Kirschrot mit lila Rand

Nase: Brombeeren, Blaubeeren, leicht krautige Noten

Gaumen: Kirschjoghurt trifft überkochende Milch – leichte Laktosenoten, saure Kirschen und frische Erdbeeren, ein warmer Abgang

Fazit: Leicht und unbeschwert, sauber und geradlinig, mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis – die Traubensorte muss man mögen, sollte man aber einmal zumindest probiert haben. Wir sind seit dem Vernatsch von Muri-Gries ziemlich begeistert. (Blogpost dazu folgt, sobald wir wieder einmal eine Flasche ergattern können…)

Kredenzen zu…
…nichts Scharfem – eher milden Gerichten
…klassischem Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat
…einer leichten Jausn – einem Aufschnitt-Teller mit Südtiroler Speck oder Rohschinken; perfekt auch zu rauchigen Noten
Trinkreife: jetzt bis 2022

Preis: Jahrgang 2015 für CHF 18.90 bei Weinvogel.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala:  87 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala:  16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

Knipser: Kalkmergel Spätburgunder 2007

Unsere Weinreise führt uns diesmal 10 Jahre zurück – und nach Laumersheim, einer Ortschaft in Rheinland-Pfalz. Einwohner? 883. Webseite? www.laumersheim.de, das letzte Update könnte auch gut 10 Jahre her sein… Das Familienunternehmen und Weingut Knipser ist bereits seit 1876 in Laumersheim ansässig. Auf 75 Hektar werden vorwiegend die einheimischen Rebsorten Riesling und Spätburgunder angebaut. Der Kalkmergel ist eine Cuvée aus diversen Spätburgundern, die vor allem aus der Lage Grosskarlbacher Burgweg stammen (einem «sehr geschützten, relativ steilen Südhang über dem Eckbachtal mit extrem hohem Kalkanteil» – http://www.weingut-knipser.de). Der Ausbau dieser Cuvée erfolgt im Barrique, zu 30-50 Prozent in neuen Fässern. Das Weingut wird zu den Besten in Deutschland gezählt – wir finden: nicht ohne Grund! Was auch der 2007er Kalkmergel Spätburgunder lässig beweist.

Traubensorte: 100% Spätburgunder

Auge: kräftiges Rot mit braunem Rand

Nase: ausgeprägte Erdbeer- und Himbeernoten, erinnert an Glacé im Sommer; Kindheitserinnerungen nach Süssholzstengeln steigen auf; reife Aromen, sehr dicht, dunkle Kirschen

Gaumen: volle Fruchtladung im Vordergrund – ein fetter, reifer Kompottmix aus Erdbeeren, roten Früchten und Sauerkirschen, garniert mit süssen Laktose-Elementen, gleichzeitig umrahmt von einer ausgeglichenen Säure-Holz-Struktur, die dem Wein Länge und Charakter gibt, Abgang lang und harmonisch

Fazit: Ein idealer Essensbegleiter, der in der richtigen Kombination noch mehr Spass macht als alleine. Ideales Trinkalter – die leicht malzige Süsse beweist es. Mit 13.5 Volumenprozent ist er zudem filigran und nicht zu schwer. Wer Pinot mag, wird den Kalkmergel 2007 lieben!

Kredenzen zu…
…Züri mit hausgemachter Rösti
…Pastagerichten, z.B. Spaghetti mit Ragu oder Lasagne mit einem rezenten Käse
…einem spannenden Krimi bei Regenwetter, z.B. von Ian Rankin
Trinkreife: jetzt bis 2022

Preis: CHF 25.- für Jahrgang 2013, erhältlich bei Riesling & Co.

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala:  89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala:  16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

Aleksic: Zuti Cvet 2015

«Gelbe Blüte» – so heisst diese Kreation des Weinguts Aleksic. Wer noch nie von der Traubensorte Tamjanika oder vom Weingut gehört hat, ist nicht allein. Auch wir haben erstmals einen autochthonen Weisswein aus Serbien probiert. Der Name der Traubensorte Tamjanika kommt gemäss Wikipedia vom Wort «Tamjan» – Weihrauch, was an den Geruch der reifen Trauben erinnern soll, den man schon in einiger Entfernung wahrnimmt. Der Zuti Cvet wird von Aleksic produziert, ein Weingut im Süden von Serbien, das von drei Schwestern der Familie Aleksic und einer Önologin geführt wird. Ihre Weine haben an internationalen Weinmessen schon mehrere Preise abgeräumt. Auch in den Weinführer von Johnson haben es die Schwestern geschafft. Der Tamjanika ist dank einem Tipp des Weinimporteurs Daniel Momcilovic bei uns ins Glas gelandet. Und dem unbeschwerten Weissen gelingt eines auf Knopfdruck: Feriengefühle auszulösen.

Traubensorte: 100% Tamjanika

Auge: Sehr helles Gelb, nah bei Weiss

Nase: Zitronennoten, Rosen- und Blumendüfte, Grapefruit und mineralische Noten – vielversprechend!

Gaumen: Wie die Nase schon verspricht, kommt er vollmundig, dann zitrusbetont und mit einer knackigen Säure daher. Herbe Noten folgen, die an Bittermandeln erinnern. Der Abgang ist frisch, kurz und die Aromen schön ausgeglichen.

Fazit: Eine spannende Sache, die an eine Mischung aus Sauvignon Blanc und Viognier erinnert. Für Weinkenner sicher ein Mitbringsel mit Überraschungseffekt – für Heimweh-Serben oder Ferienfans des Mittelmeers eine schöne Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen!

Kredenzen zu…
…asiatischen Gerichten
…einem unkomplizierten Apéro
…Fischgerichten
Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: CHF 13.90 bei mojeVINO

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 85 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

**Disclaimer: Dieser Wein wurde uns freundlicherweise von mojeVINO zur Verfügung gestellt.**

Polz: Therese 2015

In der Südsteiermark, unmittelbar an der Grenze zu Slowenien, liegt das Weingut von Erich und Walter Polz. Wer noch nicht dort war, sollte das unbedingt nachholen – vor allem Verkostungen im «Kellerstöckl» (die Polz’sche Variante des Tasting Rooms) machen Architektur- und Weinliebhabern gleichermassen Spass. Die Familie Polz produziert fast ausschliesslich Weissweine mit den ortstypischen Sorten Welschriesling, Sauvignon Blanc, gelber Muskateller, Weissburgunder und Morillon. Das südsteirische Label «Steirische Klassik» vertreten sie zusammen mit neun anderen Weingütern. Daneben werden Lagenweine produziert. Die bekanntesten Lagen sind die Theresienhöhe, der Grassnitzberg, Hochgrassnitzberg und Obegg. Wir kennen vor allem die älteren Jahrgänge und wollten die bekannte «Therese» in einer jüngeren Ausgabe wieder einmal probieren.

Traubensorte: 100% Sauvignon Blanc

Farbe: Helles, zitroniges Gelb mit grünen Reflexen

Nase: Cassis, Stachelbeeren, Zitrusfrüchte, Steinobst, dazu grasig-grüne und mineralische Noten

Gaumen: Kompakte Frucht mit einer spitzen Säure, verspricht in der Nase etwas mehr, als der Gaumen halten kann. Sehr typische Aromen nach Stachelbeeren und Cassis. Wirkt noch etwas «grün» – die Aromen erinnern an grüne Peperoni und Farn. Der Abgang ist knackig und kurz, mit frischen mineralischen Zitrusnoten.

Fazit: Als langjährige Polz-Trinker kennen wir Therese-Jahrgänge, die uns schlicht umgehauen haben. Bei dieser eher jüngeren Variante ist das noch nicht der Fall. Kann man zum Apéro trinken, muss man aber nicht. Wir würden ihn eher in den Keller legen und abwarten. Oder etwas Älteres von Polz trinken…

Kredenzen zu…
…asiatischen Gerichten
…einem unkomplizierten Apéro
…Fischgerichten
Trinkreife: jetzt bis 2020

PreisBaur au Lac Vins für 26.50 CHF

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 88 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Georges Descombes: Morgon Vieilles Vignes 2014

Weingeniesser.ch: Georges Descombes

Bei unserem traditionellen Wein-Tasting mit NZZ am Sonntag Autor Peter Keller (hier gehts zu seinem Beitrag auf NZZ Bellevue) spielte die Traubensorte Gamay die Hauptrolle. Beim Einkauf stellten wir fest, dass kaum Schweizer Gamay zu bekommen war – und wenn doch, ernteten wir erstaunte Blicke (wer kauft denn sowas?). In Frankreich, genauer im Beaujolais, liegt denn auch die Hauptanbaufläche für den Gamay. Zu den besten Lagen zählen jene zehn, die als «Grand Cru» klassifiziert sind (Brouilly, Côte de Brouilly, Saint-Amour, Juliénas, Chénas, Chiroubles, Fleurie, Moulin à Vent, Morgon, Régnié). Unser Sieger der Blinddegustation hat deutlich gewonnen: Der Morgon Vieilles Vignes 2014 von Georges Descombes überzeugte uns mit Eleganz, Länge und Frische. Descombes Weingut liegt in Villié-Morgon und bewirtschaftet ca. 16 Hektaren in unterschiedlichen Grand Cru Lagen. Der Winzer zählt zu den Pionieren im Bio-Weinbau. Seine Gamays baut er auf die klassische «Maceration carbonique» Methode aus, bei welcher die Trauben im Ganzen unter einer Kohlensäureschicht vergoren werden.

Traubensorte: 100% Gamay

Auge: dunkles Braunrot, ausgeprägter Wasserrand

Nase: reife Kirschen und generell rotbeerige Noten wien Himbeeren, begleitet von einer gewissen Würze und leicht muffige Noten wie in einer Bibliothek mit alten Büchern

Gaumen: angenehme, ausgeprägte Säure, umrahmt von mineralischen Noten, leicht holzige Noten, mittellanger, ausgeglichener Abgang

Fazit: Es lohnt sich, den Morgon Vieilles Vignes etwas atmen zu lassen und ihm die Chance zu geben, auch ein toller Essensbegleiter zu sein – so können die alten Reben beweisen, welches Potential in ihnen steckt! Kein Wein für jeden – aber wer den Abstecher ins Beaujolais wagt, der wird belohnt.

Kredenzen zu…
…frühlingshaften Spargel-Kreationen
…leichten Fischgrilladen und hellen Fleischgerichten
…Salaten mit Bärlauch

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 26.50 bei www.cultivino.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Veronica Ortega: La Roc Mencia 2014

La Roc 2014_weingeniesserCH

Für unsere traditionelle Degustationsrunde mit Weinkenner und NZZ Autor Peter Keller haben wir diesmal die Traubensorte Mencia zum Thema erklärt. Men-was? Genau, die Traubensorte und auch unser Siegerwein sind nicht besonders bekannt – ein echter Geheimtipp also. (Peter Keller hat Veronica Ortega schon im 2015 entdeckt – mehr zur spanischen Senkrechtstarterin in seinem Post vom 12.7.2015). Mencia ist eine autochthone Sorte aus Nordwestspanien, die besonders in der Region Villafranca del Bierzo verbreitet ist. Die Winzerin Ortega hat ihr Handwerk bei so renommierten Weingütern wie Romanée Conti und bei Alvaro Palacios gelernt. Und das merkt man.

Gespannt auf das Urteil von Peter Keller zum Mencia von Veronica Ortega? So bewertet er ihn in seinem Beitrag vom 2.2.2017 auf der Lifestyle Plattform “Bellevue” der NZZ.

Übrigens: In unserer Blinddegustation hat sich wieder einmal bewahrheitet, dass Wein ein Naturprodukt und als solches von vielen Faktoren abhängig ist. Wir hatten zwei Flaschen des La Roc, identischer Jahrgang, identische Bezugsquelle – die wir zwar ähnlich bewertet, aber unterschiedlich empfunden haben. Beiden zu eigen war jedoch, dass sie sich mit der Zeit und mit einem passenden Essensbegleiter sehr schnell entwickelt haben. Am Schluss waren sie so stark, dass sie sämtliche anderen Bewerber – auch solche, die 10 Franken teurer waren – weit hinter sich gelassen haben.

Auge: Kirschrot, deutlicher Wasserrand

Nase: rotbeerig und rauchig, man wähnt sich in einer Bibliothek mit alten Büchern und einem offenen Whiskeyfass, orientalisch-schwere Noten nach Moschus und Weihrauch, Würze

Gaumen: zuerst angenehm leicht und nicht allzu lang, mit Luft dann würzig und rund, mit einer ausgeglichenen Säure und einer eigenwilligen Frucht, feinen Tanninen und einer überzeugenden, eleganten Länge

Fazit: kein Alltagswein, wird der Mencia La Roc Weinkennern und Weinnovizen gleichermassen gefallen. Wir sind gespannt, wie er sich im Alter entwickelt – und freuen uns auf den Sommer, um ihn zu Grilladen zu geniessen.

Kredenzen zu…
…einem Fischgericht mit kräftiger Würze
…leichten Grill- und Fleischgerichten
…einer Aufschnitt- oder Käseplatte

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 39.- bei www.smithandsmith.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 92 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 17 / 20 Punkten (*buy, muss man getrunken haben*)

Tahbilk Estate: Tahbilk Museum Release 2010

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Der bekannte australische Weinkritiker James Halliday findet, dass jeder Australier, der in Sachen Wein etwas auf sich hält, die Weingüter von Tahbilk Estate besucht haben sollte. Wir finden: das könnte durchaus seine Berechtigung haben. 120 Kilometer – Australier würden sagen: in der unmittelbaren Nachbarschaft – von Melbourne gelegen, wurde das Weingut 1860 gegründet und heute noch als Familienbetrieb geführt. Aus dieser Zeit stammen auch die Marsanne Reben – gemäss Tahbilk gehören sie zu den ältesten der Welt und seien sogar nirgends so zahlreich vertreten wie hier. Wir sind vom Marsanne 2010 in der “Museum Release” Version begeistert – und auch vom Preis-/Leistungsverhältnis.

Auge: kräftiges Goldgelb mit grünen Reflexen

Nase: eine leichte Würze mit einer nussigen Note, die an Haselnuss erinnert, liegen oben auf. Danach folgen florale Aromen und Zitrusnoten

Gaumen: eine wunderbare Mischung aus Grapefruit, Ananas und floralen Noten, gepaart mit einer frischen knackigen Säure. Sehr vollmundig und trotzdem mild und geschmeidig. Der Abgang überzeugt mit Harmonie und einer mittleren Länge. Getragen wird er hauptsächlich von einer frischen Säure mit Zitrusnoten.

Fazit: ein Wein, der überzeugt!

Kredenzen zu…
…einem Feierabendglas vor dem Cheminée oder nach dem Schneeschaufeln
…einer mittelschweren Vorspeise
…Smalltalk auf der Sommerterrasse
…Kreationen mit Fisch oder hellem Fleisch

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 25.- bei www.realwines.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 92 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 17 / 20 Punkten (*buy, muss man getrunken haben*)

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Last minute Geschenktipp: das Edi the Nose Glas

WeingeniesserCH_EditheNoseGlasDie Qual der Wahl? Nicht nur über die Wahl der Weinsorte, Weinmarke oder Temperatur kann man sich streiten – sondern auch über die Wahl des richtigen Trinkbehältnisses. Eines unserer Lieblingsgläser ist eine Erfindung von «Edi the Nose» Graf. Seine Kreation zeichnet aus, dass jede Flüssigkeit in drei Dimensionen genossen werden kann. Sprich: ob Wasser oder Wein, je nach Position schmeckts anders. Auch Skeptiker sind rasch überzeugt, wenn man sie Wasser aus Edi the Nose Gläser trinken lässt. (Natürlich bevorzugen wir Wein…) Je nach dem, ob die Nase – der Knick im Stiel – nach vorne, zur Seite oder nach hinten zeigt, verändert sich der Geschmack. Ja, auch bei Wasser! Denn Fliessgeschwindigkeit, Winkel und Luftanteil sind für den Geschmack mitverantwortlich.

Wir haben mit diesen Gläsern schon viele Überraschungen erlebt. Champagner, der im Deguglas massiv harmonischer daherkommt als im Marken-Flûte. Top Super Tuscans, für die wir herkömmliche Gläser aus dem Keller holen mussten, da die Edi the Nose Gläser sie total demontiert haben. Aber auch so viele schöne Erlebnisse – mehr Zeit mit dem Wein, mehr Achtung und Konzentration auf den wunderbaren Akt des Weingenusses. Unsere Empfehlung für Weinliebhaber und alle, die es werden wollen.

Bezug: www.edi-the-nose.com

Preise: ab CHF 27.50, je nach Grösse

Lieferfrist: bei Bestellung am Donnerstag 22. Dezember kommen die Gläser noch rechtzeitig zu Weihnachten…

Muhr-van der Nieeport: Spitzerberg 2011

weingeniesserch_spitzerberg

Unsere Degustationsrunde mit NZZ-Weinexperte Peter Keller ist um eine Episode reicher: In einem Schlagabtausch voller Überraschungen standen sich diesmal sechs Gegner aus dem Lager «Blaufränkisch» gegenüber. Der Sieger überzeugte mit viel Finesse, Leichtigkeit und Eleganz. Auch auf den zweiten Blick weiss der Spitzerberg von Dorli Muhr und Dirk van der Nieeport zu punkten. Da ist zum einen die Lage – schon mal von Carnuntum gehört? In Absolventen der B-Matura oder des kleinen Latinums mögen Erinnerungen an römische Militärbauten aufsteigen. Gleichzeitig ist Carnuntum ein eher unbekanntes, kleines Weinbaugebiet ganz im Osten von Niederösterreich, direkt an der Grenze zu Bratislava. Dorli Muhr ist Inhaberin einer PR-Agentur für – passenderweise – Mandate aus den Bereichen Genuss & Reisen. Zusammen mit ihrem früheren Ehemann Dirk Niepoort (ja genau, DEM Niepoort) hat sie am Spitzerberg ein Weingut gegründet und bewirtschaftet unterdessen auf ihrem gesamten Weingut rund 12 Hektar. In der schwierigen Lage Spitzerberg teils in mühevoller Handarbeit. Das Terroir eignet sich besonders gut für die heimische Sorte Blaufränkisch. Wir sind begeistert vom Resultat der wohlüberlegten Ausbaumethode der älteren Rebstöcke – und würden den Spitzerberg sofort in den Keller legen. Oder uns noch eine Flasche zu Gemüte führen. Oder beides. Wenn nur die Produktionsmengen nicht so gering wären…

Wie Peter Kellers Verdikt ausfällt, lässt sich in seinem Post hier nachlesen: http://www.nzz.ch/gesellschaft/lebensart/der-wein-der-woche-spitzerberg-an-der-spitze-ld.127337?mktcid=nled&mktcval=104_2016-11-10 – Neues und Spannendes aus der Weinwelt stellt er auch auf dem Lifestyle-Portal Bellevue der NZZ vor: http://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/weinkeller-ld.110445

Auge: dunkles Kirschrot, ausgeprägter Wasserrand

Nase: erst Noten von Holz, Vanille und Lakritze (Tipp: einige Stunden vorher öffnen!), dazu Aromen von Süssholz und Johannisbeeren

Gaumen: leicht grün-grasige, mineralische Noten, rotbeerig-süsse Lakritze- und Peperoni-Aromen

Fazit: weich und geschmeidig, überzeugt der Spitzerberg mit einem guten Schuss an Säure, einem harmonischen, langen Abgang und einer filigranen Machart. Ausprobieren!

Kredenzen zu…
…Fischgerichten wie Forelle und Petersilienkartoffeln
…Fleischgerichten mit nicht allzu kräftigen Saucen
…asiatischen Kreationen

Trinkreife: sofort bis 2023

Preis: CHF 44.- bei www.gerstl.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)