Aleksic: Zuti Cvet 2015

«Gelbe Blüte» – so heisst diese Kreation des Weinguts Aleksic. Wer noch nie von der Traubensorte Tamjanika oder vom Weingut gehört hat, ist nicht allein. Auch wir haben erstmals einen autochthonen Weisswein aus Serbien probiert. Der Name der Traubensorte Tamjanika kommt gemäss Wikipedia vom Wort «Tamjan» – Weihrauch, was an den Geruch der reifen Trauben erinnern soll, den man schon in einiger Entfernung wahrnimmt. Der Zuti Cvet wird von Aleksic produziert, ein Weingut im Süden von Serbien, das von drei Schwestern der Familie Aleksic und einer Önologin geführt wird. Ihre Weine haben an internationalen Weinmessen schon mehrere Preise abgeräumt. Auch in den Weinführer von Johnson haben es die Schwestern geschafft. Der Tamjanika ist dank einem Tipp des Weinimporteurs Daniel Momcilovic bei uns ins Glas gelandet. Und dem unbeschwerten Weissen gelingt eines auf Knopfdruck: Feriengefühle auszulösen.

Traubensorte: 100% Tamjanika

Auge: Sehr helles Gelb, nah bei Weiss

Nase: Zitronennoten, Rosen- und Blumendüfte, Grapefruit und mineralische Noten – vielversprechend!

Gaumen: Wie die Nase schon verspricht, kommt er vollmundig, dann zitrusbetont und mit einer knackigen Säure daher. Herbe Noten folgen, die an Bittermandeln erinnern. Der Abgang ist frisch, kurz und die Aromen schön ausgeglichen.

Fazit: Eine spannende Sache, die an eine Mischung aus Sauvignon Blanc und Viognier erinnert. Für Weinkenner sicher ein Mitbringsel mit Überraschungseffekt – für Heimweh-Serben oder Ferienfans des Mittelmeers eine schöne Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen!

Kredenzen zu…
…asiatischen Gerichten
…einem unkomplizierten Apéro
…Fischgerichten
Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: CHF 13.90 bei mojeVINO

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 85 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

**Disclaimer: Dieser Wein wurde uns freundlicherweise von mojeVINO zur Verfügung gestellt.**

Polz: Therese 2015

In der Südsteiermark, unmittelbar an der Grenze zu Slowenien, liegt das Weingut von Erich und Walter Polz. Wer noch nicht dort war, sollte das unbedingt nachholen – vor allem Verkostungen im «Kellerstöckl» (die Polz’sche Variante des Tasting Rooms) machen Architektur- und Weinliebhabern gleichermassen Spass. Die Familie Polz produziert fast ausschliesslich Weissweine mit den ortstypischen Sorten Welschriesling, Sauvignon Blanc, gelber Muskateller, Weissburgunder und Morillon. Das südsteirische Label «Steirische Klassik» vertreten sie zusammen mit neun anderen Weingütern. Daneben werden Lagenweine produziert. Die bekanntesten Lagen sind die Theresienhöhe, der Grassnitzberg, Hochgrassnitzberg und Obegg. Wir kennen vor allem die älteren Jahrgänge und wollten die bekannte «Therese» in einer jüngeren Ausgabe wieder einmal probieren.

Traubensorte: 100% Sauvignon Blanc

Farbe: Helles, zitroniges Gelb mit grünen Reflexen

Nase: Cassis, Stachelbeeren, Zitrusfrüchte, Steinobst, dazu grasig-grüne und mineralische Noten

Gaumen: Kompakte Frucht mit einer spitzen Säure, verspricht in der Nase etwas mehr, als der Gaumen halten kann. Sehr typische Aromen nach Stachelbeeren und Cassis. Wirkt noch etwas «grün» – die Aromen erinnern an grüne Peperoni und Farn. Der Abgang ist knackig und kurz, mit frischen mineralischen Zitrusnoten.

Fazit: Als langjährige Polz-Trinker kennen wir Therese-Jahrgänge, die uns schlicht umgehauen haben. Bei dieser eher jüngeren Variante ist das noch nicht der Fall. Kann man zum Apéro trinken, muss man aber nicht. Wir würden ihn eher in den Keller legen und abwarten. Oder etwas Älteres von Polz trinken…

Kredenzen zu…
…asiatischen Gerichten
…einem unkomplizierten Apéro
…Fischgerichten
Trinkreife: jetzt bis 2020

PreisBaur au Lac Vins für 26.50 CHF

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 88 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Georges Descombes: Morgon Vieilles Vignes 2014

Weingeniesser.ch: Georges Descombes

Bei unserem traditionellen Wein-Tasting mit NZZ am Sonntag Autor Peter Keller (hier gehts zu seinem Beitrag auf NZZ Bellevue) spielte die Traubensorte Gamay die Hauptrolle. Beim Einkauf stellten wir fest, dass kaum Schweizer Gamay zu bekommen war – und wenn doch, ernteten wir erstaunte Blicke (wer kauft denn sowas?). In Frankreich, genauer im Beaujolais, liegt denn auch die Hauptanbaufläche für den Gamay. Zu den besten Lagen zählen jene zehn, die als «Grand Cru» klassifiziert sind (Brouilly, Côte de Brouilly, Saint-Amour, Juliénas, Chénas, Chiroubles, Fleurie, Moulin à Vent, Morgon, Régnié). Unser Sieger der Blinddegustation hat deutlich gewonnen: Der Morgon Vieilles Vignes 2014 von Georges Descombes überzeugte uns mit Eleganz, Länge und Frische. Descombes Weingut liegt in Villié-Morgon und bewirtschaftet ca. 16 Hektaren in unterschiedlichen Grand Cru Lagen. Der Winzer zählt zu den Pionieren im Bio-Weinbau. Seine Gamays baut er auf die klassische «Maceration carbonique» Methode aus, bei welcher die Trauben im Ganzen unter einer Kohlensäureschicht vergoren werden.

Traubensorte: 100% Gamay

Auge: dunkles Braunrot, ausgeprägter Wasserrand

Nase: reife Kirschen und generell rotbeerige Noten wien Himbeeren, begleitet von einer gewissen Würze und leicht muffige Noten wie in einer Bibliothek mit alten Büchern

Gaumen: angenehme, ausgeprägte Säure, umrahmt von mineralischen Noten, leicht holzige Noten, mittellanger, ausgeglichener Abgang

Fazit: Es lohnt sich, den Morgon Vieilles Vignes etwas atmen zu lassen und ihm die Chance zu geben, auch ein toller Essensbegleiter zu sein – so können die alten Reben beweisen, welches Potential in ihnen steckt! Kein Wein für jeden – aber wer den Abstecher ins Beaujolais wagt, der wird belohnt.

Kredenzen zu…
…frühlingshaften Spargel-Kreationen
…leichten Fischgrilladen und hellen Fleischgerichten
…Salaten mit Bärlauch

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 26.50 bei www.cultivino.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Veronica Ortega: La Roc Mencia 2014

La Roc 2014_weingeniesserCH

Für unsere traditionelle Degustationsrunde mit Weinkenner und NZZ Autor Peter Keller haben wir diesmal die Traubensorte Mencia zum Thema erklärt. Men-was? Genau, die Traubensorte und auch unser Siegerwein sind nicht besonders bekannt – ein echter Geheimtipp also. (Peter Keller hat Veronica Ortega schon im 2015 entdeckt – mehr zur spanischen Senkrechtstarterin in seinem Post vom 12.7.2015). Mencia ist eine autochthone Sorte aus Nordwestspanien, die besonders in der Region Villafranca del Bierzo verbreitet ist. Die Winzerin Ortega hat ihr Handwerk bei so renommierten Weingütern wie Romanée Conti und bei Alvaro Palacios gelernt. Und das merkt man.

Gespannt auf das Urteil von Peter Keller zum Mencia von Veronica Ortega? So bewertet er ihn in seinem Beitrag vom 2.2.2017 auf der Lifestyle Plattform “Bellevue” der NZZ.

Übrigens: In unserer Blinddegustation hat sich wieder einmal bewahrheitet, dass Wein ein Naturprodukt und als solches von vielen Faktoren abhängig ist. Wir hatten zwei Flaschen des La Roc, identischer Jahrgang, identische Bezugsquelle – die wir zwar ähnlich bewertet, aber unterschiedlich empfunden haben. Beiden zu eigen war jedoch, dass sie sich mit der Zeit und mit einem passenden Essensbegleiter sehr schnell entwickelt haben. Am Schluss waren sie so stark, dass sie sämtliche anderen Bewerber – auch solche, die 10 Franken teurer waren – weit hinter sich gelassen haben.

Auge: Kirschrot, deutlicher Wasserrand

Nase: rotbeerig und rauchig, man wähnt sich in einer Bibliothek mit alten Büchern und einem offenen Whiskeyfass, orientalisch-schwere Noten nach Moschus und Weihrauch, Würze

Gaumen: zuerst angenehm leicht und nicht allzu lang, mit Luft dann würzig und rund, mit einer ausgeglichenen Säure und einer eigenwilligen Frucht, feinen Tanninen und einer überzeugenden, eleganten Länge

Fazit: kein Alltagswein, wird der Mencia La Roc Weinkennern und Weinnovizen gleichermassen gefallen. Wir sind gespannt, wie er sich im Alter entwickelt – und freuen uns auf den Sommer, um ihn zu Grilladen zu geniessen.

Kredenzen zu…
…einem Fischgericht mit kräftiger Würze
…leichten Grill- und Fleischgerichten
…einer Aufschnitt- oder Käseplatte

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 39.- bei www.smithandsmith.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 92 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 17 / 20 Punkten (*buy, muss man getrunken haben*)

Tahbilk Estate: Tahbilk Museum Release 2010

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Der bekannte australische Weinkritiker James Halliday findet, dass jeder Australier, der in Sachen Wein etwas auf sich hält, die Weingüter von Tahbilk Estate besucht haben sollte. Wir finden: das könnte durchaus seine Berechtigung haben. 120 Kilometer – Australier würden sagen: in der unmittelbaren Nachbarschaft – von Melbourne gelegen, wurde das Weingut 1860 gegründet und heute noch als Familienbetrieb geführt. Aus dieser Zeit stammen auch die Marsanne Reben – gemäss Tahbilk gehören sie zu den ältesten der Welt und seien sogar nirgends so zahlreich vertreten wie hier. Wir sind vom Marsanne 2010 in der “Museum Release” Version begeistert – und auch vom Preis-/Leistungsverhältnis.

Auge: kräftiges Goldgelb mit grünen Reflexen

Nase: eine leichte Würze mit einer nussigen Note, die an Haselnuss erinnert, liegen oben auf. Danach folgen florale Aromen und Zitrusnoten

Gaumen: eine wunderbare Mischung aus Grapefruit, Ananas und floralen Noten, gepaart mit einer frischen knackigen Säure. Sehr vollmundig und trotzdem mild und geschmeidig. Der Abgang überzeugt mit Harmonie und einer mittleren Länge. Getragen wird er hauptsächlich von einer frischen Säure mit Zitrusnoten.

Fazit: ein Wein, der überzeugt!

Kredenzen zu…
…einem Feierabendglas vor dem Cheminée oder nach dem Schneeschaufeln
…einer mittelschweren Vorspeise
…Smalltalk auf der Sommerterrasse
…Kreationen mit Fisch oder hellem Fleisch

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 25.- bei www.realwines.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 92 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 17 / 20 Punkten (*buy, muss man getrunken haben*)

WeingeniesserCH_Tahbilk_back

 

Last minute Geschenktipp: das Edi the Nose Glas

WeingeniesserCH_EditheNoseGlasDie Qual der Wahl? Nicht nur über die Wahl der Weinsorte, Weinmarke oder Temperatur kann man sich streiten – sondern auch über die Wahl des richtigen Trinkbehältnisses. Eines unserer Lieblingsgläser ist eine Erfindung von «Edi the Nose» Graf. Seine Kreation zeichnet aus, dass jede Flüssigkeit in drei Dimensionen genossen werden kann. Sprich: ob Wasser oder Wein, je nach Position schmeckts anders. Auch Skeptiker sind rasch überzeugt, wenn man sie Wasser aus Edi the Nose Gläser trinken lässt. (Natürlich bevorzugen wir Wein…) Je nach dem, ob die Nase – der Knick im Stiel – nach vorne, zur Seite oder nach hinten zeigt, verändert sich der Geschmack. Ja, auch bei Wasser! Denn Fliessgeschwindigkeit, Winkel und Luftanteil sind für den Geschmack mitverantwortlich.

Wir haben mit diesen Gläsern schon viele Überraschungen erlebt. Champagner, der im Deguglas massiv harmonischer daherkommt als im Marken-Flûte. Top Super Tuscans, für die wir herkömmliche Gläser aus dem Keller holen mussten, da die Edi the Nose Gläser sie total demontiert haben. Aber auch so viele schöne Erlebnisse – mehr Zeit mit dem Wein, mehr Achtung und Konzentration auf den wunderbaren Akt des Weingenusses. Unsere Empfehlung für Weinliebhaber und alle, die es werden wollen.

Bezug: www.edi-the-nose.com

Preise: ab CHF 27.50, je nach Grösse

Lieferfrist: bei Bestellung am Donnerstag 22. Dezember kommen die Gläser noch rechtzeitig zu Weihnachten…

Muhr-van der Nieeport: Spitzerberg 2011

weingeniesserch_spitzerberg

Unsere Degustationsrunde mit NZZ-Weinexperte Peter Keller ist um eine Episode reicher: In einem Schlagabtausch voller Überraschungen standen sich diesmal sechs Gegner aus dem Lager «Blaufränkisch» gegenüber. Der Sieger überzeugte mit viel Finesse, Leichtigkeit und Eleganz. Auch auf den zweiten Blick weiss der Spitzerberg von Dorli Muhr und Dirk van der Nieeport zu punkten. Da ist zum einen die Lage – schon mal von Carnuntum gehört? In Absolventen der B-Matura oder des kleinen Latinums mögen Erinnerungen an römische Militärbauten aufsteigen. Gleichzeitig ist Carnuntum ein eher unbekanntes, kleines Weinbaugebiet ganz im Osten von Niederösterreich, direkt an der Grenze zu Bratislava. Dorli Muhr ist Inhaberin einer PR-Agentur für – passenderweise – Mandate aus den Bereichen Genuss & Reisen. Zusammen mit ihrem früheren Ehemann Dirk Niepoort (ja genau, DEM Niepoort) hat sie am Spitzerberg ein Weingut gegründet und bewirtschaftet unterdessen auf ihrem gesamten Weingut rund 12 Hektar. In der schwierigen Lage Spitzerberg teils in mühevoller Handarbeit. Das Terroir eignet sich besonders gut für die heimische Sorte Blaufränkisch. Wir sind begeistert vom Resultat der wohlüberlegten Ausbaumethode der älteren Rebstöcke – und würden den Spitzerberg sofort in den Keller legen. Oder uns noch eine Flasche zu Gemüte führen. Oder beides. Wenn nur die Produktionsmengen nicht so gering wären…

Wie Peter Kellers Verdikt ausfällt, lässt sich in seinem Post hier nachlesen: http://www.nzz.ch/gesellschaft/lebensart/der-wein-der-woche-spitzerberg-an-der-spitze-ld.127337?mktcid=nled&mktcval=104_2016-11-10 – Neues und Spannendes aus der Weinwelt stellt er auch auf dem Lifestyle-Portal Bellevue der NZZ vor: http://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/weinkeller-ld.110445

Auge: dunkles Kirschrot, ausgeprägter Wasserrand

Nase: erst Noten von Holz, Vanille und Lakritze (Tipp: einige Stunden vorher öffnen!), dazu Aromen von Süssholz und Johannisbeeren

Gaumen: leicht grün-grasige, mineralische Noten, rotbeerig-süsse Lakritze- und Peperoni-Aromen

Fazit: weich und geschmeidig, überzeugt der Spitzerberg mit einem guten Schuss an Säure, einem harmonischen, langen Abgang und einer filigranen Machart. Ausprobieren!

Kredenzen zu…
…Fischgerichten wie Forelle und Petersilienkartoffeln
…Fleischgerichten mit nicht allzu kräftigen Saucen
…asiatischen Kreationen

Trinkreife: sofort bis 2023

Preis: CHF 44.- bei www.gerstl.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

Secret Spot Wines: Lacrau White Douro DOC 2013

WeingeniesserCH_LacrauDas Douro-Tal in Portugal ist eigentlich kein ideales Weinbaugebiet: Die Erträge sind gering und die kleinen Parzellen sind oft nur in mühsamer Handarbeit zu bearbeiten. Der Önologe Rui Cunha und der Agronom Gonçalo Sousa Lopes glauben trotzdem an das Potential des Traubenguts. Seit über zehn Jahren kaufen sie lokalen Winzern ihre Erträge ab und keltern sie auf ihrem Weingut, der Quinta da Faisca. Das Erfolgsrezept? Sie zahlen faire Preise. Für ältere Rebparzellen mit kleinen Erträgen sogar mehr als für jüngere Parzellen mit mehr Ertrag. So haben sie über die Jahre 19 Winzer ins Boot geholt und so ihr «Secret Spot» Netzwerk (http://www.secretspotwines.com) aufgebaut. Die Quinta produziert jedes Jahr rund 90’000 Flaschen, davon 60 Prozent Rotwein – und vieles noch in Handarbeit. So wird die Maische noch mit den blossen Füssen bearbeitet. Wir haben den Weissen «Lacrau White Douro DOC» probiert, von dem 2013 nur 2624 Flaschen abgefüllt wurden.

Traubensorten: Codega do Larinho, Folgasao, Gouveio

Auge: helles Goldgelb mit grünen Reflexen

Nase: herb-mineralische Noten, die anfänglichen Röstaromen gleich nach dem Öffnen binden sich mit etwas Luft  angenehm ein, Yuzu

Gaumen: Quitten und Orangenschalen sowie gelbe Steinfrüchte paaren sich mit einer herben Yuzunote, krautige Aromen treffen auf leicht mineralische, herbe und grüne Grasnoten. Je mehr Luft der Wein bekommt, desto harmonischer wachsen die Aromen zusammen. Er wirkt schlank, im Gaumen macht er sich trotzdem ziemlich breit. Er ist wuchtig, hat aber trotzdem eine feingliedrige Säure. Der Abgang bleibt mittellang.

Fazit: Ein sehr schönes Produkt! Als Fans von autochthonen Traubensorten geben wir dem Lacrau einen Extrapunkt. Zu toppen wäre das Erlebnis nur noch mit dem passenden Setting – idealerweise geniesst man diese Flasche in einem Restaurant am Meer mit einem Teller voller Meeresfrüchte… da kommt mehr als nur Freude auf!

Kredenzen zu…
…Meeresfrüchten und Fischgerichten
…hellem Fleisch oder Geflügel
…gerösteten Mandeln zum Apéro
…einer Hartkäse-Platte

Trinkreife: sofort bis 2024

Preis: CHF 27.- bei www.gerstl.ch – zur Zeit Aktion (CHF 24.50)

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16.5 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

K+K Kirnbauer: Phantom 2013

Phantom_WeingeniesserCHDas Phantom gehörte vor rund 10 Jahren zu den Geheimtipps unter den Österreicher Rotweinen. Unterdessen kann man ihn gut und gerne zu den typischen Hype Weinen zählen (vgl. unseren Post zum Chocolate Block). Der Familienbetrieb Kirnbauer liegt im Mittelburgenland und produziert rund 200’000 Flaschen Rot-, Weiss- und Süsswein pro Jahr. Die Rotweine lagern mindestens 18 Monate – Musikberieselung (vor allem lokale Klassik) inklusive – in Barriques. Gemäss dem Winzer Markus Kirnbauer ist das Phantom “everybodys darling” – durch die Cuvée aus vier Traubensorten sei für jeden Geschmack etwas dabei. Das spiegle sich auch in der steigenden, auch internationalen Nachfrage. Soweit, so gut.

Traubensorten: Blaufränkisch, Merlot, Cabernet, Syrah

Auge: klares, dunkles Rot mit hellem, leicht violettem Rand

Nase: Stallaromen und erdige Noten dominieren gleich nach dem Öffnen – mit mehr Luft kommen Aromen von dunklen Beeren dazu

Gaumen: eher leicht, sehr trinkfreudig. Basiert hauptsächlich auf den Stallaromen vom Merlot und den Röstnoten vom Fassausbau. Daneben kommen Konfitüre-artige Brombeeren und eine leichte Würze mit. Im eher kurzen bis mittleren Abgang bleiben klebrige Kompottnoten und Vanille zurück.

Fazit: Das Phantom schafft es leider nicht, uns emotional zu bewegen. Der Wein wirkt modern und trinkfreudig, aber leider auch sehr “gemacht”. Er gefällt vermutlich vielen und ist auf die breite Masse zugeschnitten. Hatten die früheren 00’er Jahrgänge noch Charakter, ist dieser jetzt leider zugunsten dem Mainstream gewichen. Da es in diesem Preissegment einige Weine mit mehr Druck und Eigenständigkeit gibt, können wir hier keine Kaufempfehlung abgeben.

Kredenzen zu…
…einer leichten Lektüre vor dem Cheminée
…hellem Fleisch oder Fisch
…einer Trockenfleisch-Platte
….Antipasti oder Käse

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 29.90 bei www.flaschenpost.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 85 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Phantom_WeingeniesserCH_back

Ridge: Lytton Springs 2011

WeingeniesserCH_LyttonSprings

Einen unserer Lieblingsweissweine, den Chardonnay Monte Bello von Ridge Vineyards, haben wir an anderer Stelle schon einmal kurz vorgestellt. Die Trauben für diese rote Cuvée von Ridge stammen von Lytton Springs, einer Parzelle zwischen Healdsburg und Geyserville gelegen. Einst gehörte sie zum Land von Captain William Litton, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Quellen in der Gegend förderte und ein Hotel für den ersten Spa-Tourismus aus San Francisco gründete. Ridge produziert mit den über 100-jährigen Weinstöcken schon seit 1972 Wein, hat die Parzelle aber erst 1991  gekauft. Spannend ist die Art der Weinverarbeitung, der sich Ridge verschrieben hat: dem vor-industriellen Stil, wie sie ihn nennen. Dabei verwenden die Önologen Techniken aus dem 19. Jahrhundert und kombinieren sie mit minimal invasivem, modernem Equipment. Paul Draper, ehemals CEO und jetzt Verwaltungsratspräsident, ist stolz darauf, dass Ridge eines der hochentwickeltsten Analyse-Labors der Gegend aufweisen kann. Mehr dazu hier: https://www.ridgewine.com/about/winemaking/

Traubensorte: 82% Zinfandel, 16% Petite Sirah, 2% Carignane

Auge: Dunkelrot mit violettem Rand

Nase: Dicht und kräftig, mit Aromen von blauen Beeren und schwarzen Kirschen, einer leichten würzigen Note und Röstaromen

Gaumen: Wuchtig und kraftvoll kommt er daher, wirkt aber nicht erdrückend. Im Gaumen dominiert die Fruchtnoten von Kirsche und Beeren, untermalt von Süssholz, Kakao und wenig Röstaromen im Abgang. Die Tannine sind sehr fein und unterstreichen die Eleganz des Lytton Springs. Der Abgang ist lang und von fruchtigen Noten getragen.

Fazit: Generell stehen wir Zinfandel als Traubensorte eher kritisch gegenüber. Der Lytton Springs aber begeistert uns. Man schmeckt die typische Klima-Aromatik des Sonoma County heraus – nebelverhangen frühmorgens, klar und heiss am Nachmittag, die Abende geprägt von einer angenehm kühlen Meeresbrise. Momentan eignet er sich ideal als Essensbegleiter, gerade auch zu Grilliertem. Er ist jedoch noch weit entfernt von seinem Höhepunkt – und wir sind gespannt, wie er sich in Zukunft entwickelt. Trinkgenuss bietet er auf jeden Fall jetzt schon zur Genüge.

Kredenzen zu…
…einer dominikanischen Zigarre
…dunklem Fleisch oder gut gewürztem Fisch vom Grill
…Bündnerfleisch oder Pata Negra
…Antipasti oder Käse

Trinkreife: sofort bis 2022

Preis: Jahrgang 2012 für CHF 38.- bei Martel Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

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