Abtei Muri-Gries: Chardonnay 2016

Chardonnay Abtei Muri Gries 2016

Zum Jahresauftakt probieren wir den neuen Jahrgang vom Chardonnay eines unserer Lieblingsweingüter Abtei Muri-Gries (absolut top: ihr bislang ungeschlagener Lagrein). Die Südtiroler mit dem Önologen Christian Werth verfolgen einen geradlinigen, schnörkellosen Stil – und bleiben diesem auch bei diesem Chardonnay treu. Die Weissweine machen nur gerade 15 Prozent der gesamten Produktion des Weinguts (total ca. 650’000 Flaschen) aus. Angebaut werden Weissburgunder, Ruländer bzw. Grauburgunder, Chardonnay und Gewürztraminer. Der Chardonnay der einfacheren Linie Muri-Gries wird in der Lage Eppan, etwas westlich von Bozen und ausserhalb des Kerngebiets der Klosterkellerei gelegen, auf Kalk-Schotterböden an- und im Edelstahltank im modernen Weinkeller der Stiftskirche ausgebaut.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Farbe: helles Strohgelb mit grünen Reflexen

Nase: Zitrusnoten mit etwas Grapefruitzesten, Aromen nach weissem Pfirisich, danach folgen leicht grasige Noten, umrahmt von Feuerstein-Zältli

Gaumen: Weich und leichtfüssig im Fluss, verteilt er sich crèmig und getragen von einer feinen Säure im ganzen Gaumen. Grundsätzlich wirkt er sehr ausgewogen, aber die Frucht hält sich dezent im Hintergrund. Saftige Zitrusfrische und mineralische Noten dominieren. Ein sehr frischer, knackiger, nicht überladener Chardonnay mit einem mittellangen Abgang.

Fazit: Nichts Anstrengendes – aber der Chardonnay macht durchaus Lust auf mehr. Er ist kein Hauptdarsteller, aber macht als Nebendarsteller eine sehr gute Figur. Wir sind gespannt, wie sich der Wein in ein bis zwei Jahren entwickelt, wenn er die jugendlichen Noten ablegt.

Kredenzen zu…
…einem Apéro zu jeder Jahreszeit
…Sushi oder Sashimi
…Austern oder einem Gericht mit Muscheln
…Antipasti

Trinkreife: 2017 bis 2020
Preis: faire CHF 15.50 bei www.weinvogel.ch oder direkt ab Hof
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala

100er Skala: 87 / 100
Preis/Leistungsskala: 15.5 / 20 (*Kann man, muss man aber nicht*) ((knapp!))

Plô Roucarels: Plô Grand Bâtard 2015

Julia und Julien Gil träumen seit Kindheit von ihrem eigenen Weingut – 2006 machen sie den Traum wahr und erwerben 1.5 Hektar zwischen Carcassonne und Limoux. 2011 können sie sieben Hektar der Appellation Limoux dazukaufen. Die beiden diplomierten Weinfachleute legen viel Wert auf Handarbeit und versuchen, so biodynamisch wie möglich zu wirtschaften. Plô Roucarels heisst im Dialekt der Gegend von Südfrankreich, wo das Gut liegt, «kleines, steiniges Plateau» und bezeichnet die Lage des Orts, wo ihre ersten Reben wuchsen. Vom Plô Grand Bâtard Weiss produzieren sie rund 2’800 Flaschen. Den «Bâtard» bzw. Bastard sieht man auf dem Etikett – und ist eine Anspielung auf den nicht ganz sortenrein ausgebauten Chardonnay, einem hybriden Produkt, dem die beiden Winzer eine originelle Frische, Vollmundigkeit und burgundische Klasse attestieren – trotz seiner unkonventionellen Herkunft.

Traubensorte: Chardonnay (80%), Cheninc blanc (20%)

Auge: Goldgeldb

Nase: farnige, grüne Noten, Mandarinen, Duft nach Regen auf Steinen im Hochsommer, mineralische Noten

Gaumen: sehr fett und dicht, reife Noten von Ananas, Kumquat, Mango, Pfirsichen und Aprikosen, im Abgang Panettone und Rosinen, getragen von einer frischen Säure

Fazit: Ein Wein, der polarisiert. Hat das Potenzial von «everybodys darling», schafft es aufgrund seiner lieblich-umrahmenden Struktur nicht auf unsere Topliste. Redet etwas um den heissen Brei, als direkt klar zum Punkt zu kommen. Aber: mehrheitsfähig! Bio! Und mit einer spannenden Herkunftsgeschichte.

Kredenzen zu:
…einem winterlichen Apéro (die Aromen passen perfekt!)
…weihnachtlichen Vorspeisen-Platten
…einer Käseauswahl zur Vorspeise

Trinkreife: bis mindestens 2020

Preis: Jahrgang 2015 im Schnitt, wo überhaupt noch erhältlich, für EUR 22.50 bei Achetetonvin.com
Vollständige Liste mit Vertriebspartnern auf http://www.plograndbatard.com

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Château Lafaurie-Peyraguey: Grand vin sec 2014

Der Grand Vin Sec ist einer der Zweitweine von Lafaurie-Peyraguey. Bekannt ist das Weingut vor allem für seinen «Premier Grand Cru Classé» Sauternes. In direkter Nachbarschaft von Château d’Yquem gelegen, werden auf den 36 Hektaren von Lafaurie-Peyraguey vor allem Sémillon (93%), zu einem geringen Prozentsatz Sauvignon Blanc (6%) und Muscadelle (1%) produziert. Vom Sauternes verlassen jährlich 30-40’000 Flaschen das Gut, dazu kommen seit 2014 je circa 10’000 Flaschen der beiden Zweitweine – unseres hier vorgestellten Grand Vin blanc Sec  und vom «Le Lys de Lafaurie-Peyraguey». Besitzer ist seit 2013 der Schweizer Unternehmer Silvio Denz. Der Inhaber der Kristallmanufaktur Lalique hat die beiden Marken gekonnt miteinander verschmolzen: Seit 2014 ziert jede Flasche, die das Gut verlässt, die Gravur «Femme et raisins» von René Lalique (ein Werk aus dem Jahr 1928 – das entspricht auch ungefähr dem Alter der ältesten Rebstöcke des Guts).

Traubensorte: Sémillon (73%), Sauvignon blanc (27%)

Auge: Hellgelb mit leicht hellgrünen Reflexen

Nase: schöne Zitrusnoten und ein Anflug von Eukalyptus-Zältli, Stachelbeeraromen, farnige Noten, etwas Säure, umrahmt von leicht holzigen, warmen Noten und kühlem Schiefer

Gaumen: grüne unreife Oliven, mediterrane Mandarinen- und «grünen» Zestenaromen, sehr langer, sanfter, zitrusaromendominierter Abgang mit ausgeprägten, angenehmen Grapefruit- und Pomelo- Noten, präsentiert sich leichtfüssig-elegant mit einer breiten Aromatik und vielschichtiger Dimension

Fazit: Klar ein Wein der Luxusklasse. Er punktet mit einer vornehmen Zurückhaltung und stellt sich nicht protzig in den Vordergrund, sondern ist im Gegenteil angenehm unanstrengend. Dank seines Abgangs spielt er sich gekonnt ins Langzeitgedächtnis. Top.

Kredenzen zu:
…Moules et frites oder Pastagerichten mit Meeresfrüchten
…frischem Hummer oder Austern
…einem entspannten Wochenendglas auf der Terrasse oder vor dem Cheminée

Trinkreife: bis mindestens 2024

Preis: Jahrgang 2014 für CHF 45.- bei Denz Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 91 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16.5 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

 

Larmandier-Bernier: Terre de Vertus 2010

«Ce vin, né d’une Terre de Vertus, a été élevé dans un esprit de liberté. Son caractère est entier. Il se présente à vous, singulier, pur, nature.» Sehr viel mehr steht nicht auf dem Etikett des Premier Cru Champagners vom Gut Larmandier-Bernier. Und sagt damit schon alles: Die Trauben für diesen Champagner kommen von einer Parzelle und von einem Jahrgang, verwendet wird ausschliesslich eine Traubensorte, nämlich Chardonnay. Ausserdem ist der Terre de Vertus ein «non dosé» Champagner, er wurde also nicht zusätzlich aufgezuckert. Das schmeckt nicht jedem Schaumwein-Geniesser gleich gut: Ein durchschnittlicher Brut hat 12 Gramm Zucker pro Liter, davon ist ein Gramm natürlich. Auch bei ihren anderen Champagnern setzt die Familie Larmandier nicht mehr als 4 Gramm Zucker pro Liter dazu. Beim Terre de Vertus gar keinen. Diese Philosophie steht aber einmal mehr für das Motto dieses Produkts: den reinen Geschmack aus der Traube natürlich zu transportieren. Das Weingut Larmandier bewirtschaftet im Dorf Vertus, 50 Minuten südlich von Reims, rund 15 Hektaren Rebgut, davon 85% Chardonnay und 15% Pinot Noir.

Traubensorten: 100% Chardonnay

Auge: kräftiges Goldgelb

Nase: leicht nussige, buttrige Aromen vermischen sich mit Zitrus- und Pfirsichnoten. Wuchtig voller Eindruck in der Nase, leichte Panettone-Noten im Abschluss.

Gaumen: weiche Perlage, fast schon crèmig – trotzdem aber leicht, beschwinglich und elegant. Frische Zitrusaromen werden von nussigen Noten begleitet. Im Abgang eine leicht herbe Note und eine schöne Würze. Langanhaltender Abgang, der harmonisch alle Aromen verbindet und Lust auf einen nächsten Schluck macht.

Fazit: Obwohl dieser Jahrgangschampagner eine beeindruckende Länge mitbringt, ist er nicht anstrengend und macht deshalb sehr viel Spass. Als langjährige Champagnertrinker sind wir sehr positiv überrascht von dieser Kreation und werden uns sicherlich einige Flaschen in den Keller legen. Insbesondere sind wir gespannt, wie er sich mit der Zeit machen wird.

Kredenzen zu…
…einem (vorweihnachtlichen) Apéro mit wirklich guten Freunden
…Seafood oder Balik-Lachs
…Austern oder einem Muschelgericht
…einem entspannenden Vollbad im Winter

Trinkreife: 2017 bis 2027
Preis: CHF 60.-, erhältlich online bei www.the-champagne.ch
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.

Lanson: Green Label

Biologischen Weinanbau einen Trend zu nennen, wäre weit untertrieben. Immer mehr Betriebe lassen sich zertifizieren und setzen auf biologische oder biodynamische Anbau- und Verarbeitungsmethoden. In punkto Champagner besteht aber definitiv noch Aufholbedarf (weniger als ein Prozent der gesamten Anbaufläche sind gemäss dieser Quelle bio-zertifiziert) – vor allem, was grössere Anbieter anbelangt. Diese Lücke schliesst nun das Haus Lanson mit der Lancierung des ersten Bio-Champagners, dem «Green Label». Äusserlich zeigen sich die Bio-Qualitäten daran, dass die Etikette aus Recycling-Papier hergestellt und bei der Produktion der Flasche dünnwandigeres Glas als üblich verwendet wurde. Auf den ersten Blick fällt auch das untypisch grüne Lanson-Logo auf – alles in allem aber keineswegs eine Flasche im Bio-Öko-Look, sondern wertig und mit viel Stil gemacht. Die inneren Qualitäten sind vom französischen Bio-Siegel «Agriculture Biologique» zertifiziert. Die Trauben stammen aus einem über 16 Hektar grossen biodynamischen Anbaugebiet im Marne-Tal. Dabei wird auf ausreichend Platz zwischen den Rebstöcken geachtet, damit andere Organismen zu einem gesunden Ökosystem beitragen können. Ausserdem wird möglichst wenig maschinell gearbeitet, als Kompost kommen nur organische Substanzen zum Einsatz. Wie auch bei allen anderen Produkten aus dem Hause Lanson verzichtet man auch beim Green Label bewusst auf die malolaktische Gärung, die zu einem Säureabbau und bei Schaumwein oft zu einer weicheren, buttrigen Note führt. Eine gute Entscheidung!

Traubensorten: 50% Pinot Noir, 20% Chardonnay, 30% Pinot Meunier

Auge: sehr helles Goldgelb

Nase: sehr frisch mit schöner Hefe, Aromen nach Lime-Zesten und Steinobst, feine Ananas- und grüne Farn-Noten, obenauf leichte Kreide-Noten

Gaumen: weicher und harmonischer Eindruck, erst frisch und knackig mit einer schönen Perlage, dann vollmundig und breit im Gaumen – Aromen nach orientalischen Hölzern umrahmen fein abgefächerte Zitrusnoten und gelbe Steinfrüchte. Der Abgang wird getragen von einer angenehmen Hefenote und einer frischen Säure.

Fazit: Wiederum sind wir begeistert von der Handwerkskunst im Hause Lanson. Wenn dies erst der Anfang ist von weiteren biodynamischen Produkten, dann ist der Start schon sehr gelungen! Was in der Aufmachung vielleicht an Exklusivität fehlt (uns nicht), macht der Green Label dort wett, wo es zählt – im Gaumen. Wir legen uns auf jeden Fall ein paar Flaschen in den Keller.
Übrigens haben wir wie beim Lanson Extra Age Brut Rosé auch den Green Label in einem Degustations-Glas von Edi the Nose getrunken – wir empfehlen jedes Weinglas, das grösser ist als ein typisches Flûte.

Kredenzen zu…
…Gesprächen über den Trend zu biologischen Anbaumethoden unter Champagner-Liebhabern
…einer gehaltvollen Lektüre vor dem Cheminée
…leichten Vorspeisen mit Fisch oder Meeresfrüchten

Trinkreife: sicher bis 2030
Preis: CHF 52.50.-, erhältlich im Diwisa Online Shop (www.drink-direct.ch), bei Gastro-Grossisten und im ausgewählten Fachhandel
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.
** Disclaimer: diese Probeflasche wurde uns freundlicherweise vom Hause Lanson zugestellt. Unsere Degustation erfolgte dabei nach den üblichen Kriterien. **

Château Petit Gravet Aîné 2014

In einer Degustationsrunde mit NZZ-Weinexperte und Buchautor Peter Keller hat dieser Bordeaux den ersten Platz gemacht – die Selektionskriterien waren
1. Bordeaux
2. Jahrgang 2014
3. Preis: zwischen CHF 30 und 50.
Überraschenderweise setzt der Sieger, das Weingut Château Petit Gravet Aîné aus dem Saint-Émilion, auf Bio-Anbau und verwendet weder Herbizide noch Insektizide, um seine Trauben zu schützen. Die Önologin Catherine Papon-Nouvel hat ihren Teil dieses Weinguts, genauso wie ihre anderen beiden (Clos St. Julien und Château Gaillard), für biologischen bzw. biodynamischen Anbau zertifizieren lassen. Das Château hält den Cabernet Franc Rekord – mit einem untypisch hohen Anteil von 80 Prozent. Überzeugt hat uns der Wein mit seinem klassischen Stil, seinem klar erkennbaren Potential und seinem hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnis. Strong buy! Peter Kellers Verdikt lässt sich hier nachlesen.

Traubensorten: 80% Cabernet Franc,  20% Merlot

Auge: dunkles Violett mit schwarzem Kern

Nase: sehr dicht, dunkle Beeren – vor allem schwarze Kirschen und Pflaumen, Süssholz, etwas Schokolade

Gaumen: vollmundiges Aroma mit kräftiger, weicher Tanninstruktur. Sehr klassischer Bordeaux-Eindruck mit einem schönen Mix aus Beerenaromen, Schwarztee, Schokolade und einer würzigen Ledernote. Im Abgang sind leichte Holznoten auszumachen, die sich mit den Jahren sicher gut in die Gesamtkomposition einbinden werden, ansonsten aber ist er getragen von einer frischen Säure und bleibt filigran und lange am Gaumen.

Fazit: Ein Bordeaux, der zu diesem Preis nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft viel Freude machen wird.

Kredenzen zu:
…Gerichten mit dunklem Fleisch
…Grilladen
…einer Auswahl an Hartkäse
…einer kubanischen Zigarre

Trinkreife: 2020 bis 2034

Preis: CHF 37.50 bei Mövenpick Wein

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 94 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 18 / 20 Punkten (*strong buy, zwingend in den Keller legen*)

Kir-Yianni: Dyo Elies 2013

«Dyo Elies» bedeutet im Griechischen «zwei Oliven» oder auch Olivenbäume – und bezieht sich auf zwei Olivenbäume, die inmitten des Weinguts Kir-Yianni in Imathia, einer Provinz in Nordgriechenland, wachsen. Das Weingut wurde 1997 gegründet. Wer schon einmal am internationalen Flughafen von Athen war, kann sich vielleicht an eine der zwei Kir-Yianni Weinbars erinnern, die dort 2014 bzw. 2015 eröffnet wurden. Aufgrund seiner unterschiedlichen Böden und mikroklimatischen Verhältnisse werden die Reben in 33 verschiedene Bereiche unterteilt, die alle – teils mehrfach – separat geerntet und im Weingut je nach Eignung sortiert werden. Der Dyo Elies ist aus drei Weinsorten komponiert – Syrah soll für die Würze sorgen, Merlot für einen gehaltvollen Körper und die griechische Sorte Xinomavro (übersetzt mit «sauer» und «schwarz») liefert die spezielle Note für ein komplexes Bouquet. Der Wein reift 16 Monate in französischen und amerikanischen Eichenfässern, danach sechs Monate in der Flasche.

Traubensorten: Syrah (60%), Merlot (30%), Xinomavro (10%)

Auge: dunkles Kirschrot, fast Schwarz

Nase: animalische Noten, Eukalyptus, Stall-, Leder- und Bibliotheksnoten, umrahmt von dunkelbeerigen Aromen, vor allem auch nach Brombeeren – die volle Ladung Aromen bereits in der Nase, aber auch schon leicht alkoholisch (15% Alkoholgehalt)

Gaumen: hier liegt der Fokus mehr auf der Frucht als in der Nase – schwarze Johannisbeeren, Brombeeren und Himbeeren, ganz leichte Bibliotheksnoten, sehr weiche Tannine, mittlerer Abgang, der jedoch nicht ganz lupenrein ist

Fazit: Schöner Sommerwein, aber Alkohol und Frucht sind nicht ideal austariert. Gut für den unkomplizierten Genuss, aber weniger empfehlenswert als komplexer Essensbegleiter.

Kredenzen zu:
…einfachen Pasta-Gerichten
…leichten Vorspeisen oder zum Apéro an sehr warmen Sommerabenden
…mild gewürzten Hauptgängen

Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: Jahrgang 2013 ist ausverkauft –  bei kantos.ch ist Jahrgang 2015 für CHF 25.- erhältlich

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 86 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Ampelaia: Kepos 2013

Elisabetta Foradori – unsere ersten Assoziationen bei diesem Namen: Amphoren, Bio, spannende Entwicklung. Im 2013 haben wir an dieser Stelle den Nosiola Fontanasanta vorgestellt, letztes Jahr war der Morei Teroldego dran. Beide sind aus autochthonen Traubensorten, die bei Blinddegustationen fast unmöglich zu erraten sind. Auch hier beim Kepos («Garten») ist die Zusammensetzung eher was für Fortgeschrittene – aber der Genuss überaus zugänglich. Das Weingut Ampelaia («ampelos» steht im Griechischen für Rebstock) ist ein Nebenprojekt der erfolgreichen Winzerin, welches sie zusammen mit Freunden 2002 gestartet hat. Es liegt in Roccatederighi, ein Dörfchen hoch auf einem Felsmassiv im Hinterland der Maremma. Die Produktion der 150’000 Flaschen bzw. alle auf 35 Hektar verteilten Anbauflächen werden schrittweise auf biodynamisch umgestellt, ein Grossteil ist es bereits. Die Reife des Kepos erfolgt für 11 Monate in Zementtanks und grossen Holzfässern, danach fünf Monate in der Flasche.

Traubensorten: Alicante Nero, Carignano, Alicante Bouschet

Auge: dunkles Violettschwarzrot

Nase: rotbeerig, dunkle Beeren, dominant sind schwarze Kirschen, krautige Noten

Gaumen: Aromen nach dunklen Beeren, vermischt mit herben Mittelmeernoten, im Gaumen weich und rund, mittellanger und sehr harmonischer Abgang, umrahmt von leicht rauchigen Noten

Fazit: «Un vino per tutti i giorni» (Bindella)? – ja, definitiv! Geht auch im Sommer bei heisseren Temperaturen. Und gegen das faire Preis- / Leistungsverhältnis haben wir auch absolut nichts einzuwenden. Ausserdem wird er den meisten Gästen schmecken – nicht nur den Bioliebhabern!

Kredenzen zu:
…Pasta-Kreationen
…Grillgerichten
…indischen Vegi-Gerichten

Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: Jahrgang 2014 bei Bindella.ch für CHF 21.-

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

Marchand-Tawse: Saint-Romain 2011

Pascal Marchand ist ursprünglich aus Québec, arbeitet aber bereits seit 30 Jahren im Burgund als Weinproduzent. Nachdem er über viele Jahre diverse Weingüter repräsentiert und beraten hat, gründete er 2006 in Nuits-Saint-Georges sein eigenes Projekt. 2010 entschlossen sich Morey Tawse, Inhaber der Tawse Winery im kanadischen Ontario, und Marchand zu einem gemeinsamen Unternehmen – und Marchand-Tawse war geboren mit 60 verschiedenen Burgund-typischen Weinen im Angebot. Marchand setzt auf biodynamischen und ökologischen Weinbau und legt grossen Wert darauf, jede Weinsorte gemäss ihrem Terroir auszubauen. Jancis Robinson beschreibt ihn als “einen der am meisten beneideten Männer im Burgund”, da er von 14 Grand Cru Lagen jedes Jahr verschiedene Top-Burgunder produzieren darf – unabhängig von den finanziellen Verpflichtungen, die eine solche Produktion normalerweise mit sich bringt. Neben französischen Weinen produziert er auch in West-Australien. Wir haben den Chardonnay Saint-Romain probiert. Die Reben dafür reifen langsam dank ihrer Lage auf Combe Bazin, einem Weinberg auf Kalkstein-Boden und in Westlage. Der Chardonnay kommt nach der Ernte für 18 Monate in französische, ein Jahr alte Eichenfässer. Bei den Lagerungs- und Reifeprozessen achtet Marchand-Tawse auch auf die Zyklen im Mondkalender.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Auge: helles Zitronengelb miti grünen Reflexen

Nase: Zitrusnoten, Pfirsich, Heu, sehr frisch und blumig, grüne Noten nach Farn

Gaumen: sehr feingliedrig und elegant beim ersten Eindruck, im Vordergrund Quitten und gelbe Steinfrüchte, im Abgang reife Ananas, frische tropische Noten, leicht mineralisch-farnige Noten, eine tragende Säure begleitet den recht langen Abgang

Fazit: Unaufgeregt, frisch und klassisch, aber trotzdem kraftvoll – der Saint-Romain macht sich auch im grossen Burgunderglas schön breit. Für den Aktionspreis von CHF 25.- würden wir ihm auch ein *da kommt Freude auf* Prädikat verleihen!

Kredenzen zu:
…milden Asia-Gerichten
…leichten Fischgerichten
…Low Carb Salaten
…einem unkomplizierten Apéro auf der Terrasse, der auch Weingeniessern Freude macht

Trinkreife: jetzt bis 2016

Preis: momentan Aktion für Jahrgang 2011, CHF 35.- / im Moment Aktion für CHF 25.- bei www.realwines.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Domaines Ott: Château de Selle 2016

Chateau de Selle Domaine Ott

Bei einer sommerlichen Degustationsrunde im Seerestaurant Quai 61 in Zürich-Enge löste unser Thema nicht nur Begeisterungsstürme aus: Rosé – von Weinkennern genauso geliebt wie die Pâtisserie von Köchen. Wir haben uns dem Sommer zuliebe auf das Experiment eingelassen und gemeinsam mit Weinprofi und Buchautor Peter Keller sechs verschiedene Rosé-Weine bewertet. Fazit: lange nicht jeder lässt einen von «la vie en rose» träumen. Klar obenaus schwang der Château de Selle von Domaines Ott aus Frankreich – vielleicht einer der untypischsten Rosés der Runde. Das Weingut Domaines Ott wurde von Marcel Ott 1896 gegründet und 2004 an Louis Roederer verkauft. Was abgesehen von seiner Farbe bei diesem Rosé sofort ins Auge fällt, ist die Flaschenform. Sie ist ein Markenzeichen der Domaines Ott und soll an die klassische Amphore erinnern, in welcher früher der Wein gekühlt wurde. Neben Château Selle gehören noch Clos Mireille und Château Romassan zu den Weingütern der Domaine Ott. Peter Kellers Urteil zum noblen Rosé lässt sich hier nachlesen: https://www.nzz.ch/gesellschaft/der-wein-der-woche-la-vie-en-rose-ld.1306774

Traubensorte: 63% Grenache, 22% Cinsault, 10% Syrah, 5% Cabernet Sauvignon

Auge: sehr helles Rosa mit goldenen Reflexen

Nase: Mirabellen, Pfirsiche und Aprikosen, mineralische Noten

Gaumen: Steinobst und Zitrusfrüchte im Vordergrund, umrahmt von mineralisch-feinen Noten, getragen von einer knackigen Säure

Fazit: Ein frischer, klassisch-unaufgeregter Begleiter von sommerlichen Abenden auf der Terrasse oder irgendwo am See. Neben der Flaschenform fällt der doch gehobene Preis für einen Rosé ins Auge.

Kredenzen zu:
…einem unkomplizierten Apéro
…leichten Fischgerichten und Vorspeisen
…Antipasti und Mezzeh

Trinkreife: jetzt bis 2016

Preis: momentan Aktion für Jahrgang 2016, 34.50 (statt 39.50) bei Schubi Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 87 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)