Muhr-van der Nieeport: Spitzerberg 2011

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Unsere Degustationsrunde mit NZZ-Weinexperte Peter Keller ist um eine Episode reicher: In einem Schlagabtausch voller Überraschungen standen sich diesmal sechs Gegner aus dem Lager «Blaufränkisch» gegenüber. Der Sieger überzeugte mit viel Finesse, Leichtigkeit und Eleganz. Auch auf den zweiten Blick weiss der Spitzerberg von Dorli Muhr und Dirk van der Nieeport zu punkten. Da ist zum einen die Lage – schon mal von Carnuntum gehört? In Absolventen der B-Matura oder des kleinen Latinums mögen Erinnerungen an römische Militärbauten aufsteigen. Gleichzeitig ist Carnuntum ein eher unbekanntes, kleines Weinbaugebiet ganz im Osten von Niederösterreich, direkt an der Grenze zu Bratislava. Dorli Muhr ist Inhaberin einer PR-Agentur für – passenderweise – Mandate aus den Bereichen Genuss & Reisen. Zusammen mit ihrem früheren Ehemann Dirk Niepoort (ja genau, DEM Niepoort) hat sie am Spitzerberg ein Weingut gegründet und bewirtschaftet unterdessen auf ihrem gesamten Weingut rund 12 Hektar. In der schwierigen Lage Spitzerberg teils in mühevoller Handarbeit. Das Terroir eignet sich besonders gut für die heimische Sorte Blaufränkisch. Wir sind begeistert vom Resultat der wohlüberlegten Ausbaumethode der älteren Rebstöcke – und würden den Spitzerberg sofort in den Keller legen. Oder uns noch eine Flasche zu Gemüte führen. Oder beides. Wenn nur die Produktionsmengen nicht so gering wären…

Wie Peter Kellers Verdikt ausfällt, lässt sich in seinem Post hier nachlesen: http://www.nzz.ch/gesellschaft/lebensart/der-wein-der-woche-spitzerberg-an-der-spitze-ld.127337?mktcid=nled&mktcval=104_2016-11-10 – Neues und Spannendes aus der Weinwelt stellt er auch auf dem Lifestyle-Portal Bellevue der NZZ vor: http://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/weinkeller-ld.110445

Auge: dunkles Kirschrot, ausgeprägter Wasserrand

Nase: erst Noten von Holz, Vanille und Lakritze (Tipp: einige Stunden vorher öffnen!), dazu Aromen von Süssholz und Johannisbeeren

Gaumen: leicht grün-grasige, mineralische Noten, rotbeerig-süsse Lakritze- und Peperoni-Aromen

Fazit: weich und geschmeidig, überzeugt der Spitzerberg mit einem guten Schuss an Säure, einem harmonischen, langen Abgang und einer filigranen Machart. Ausprobieren!

Kredenzen zu…
…Fischgerichten wie Forelle und Petersilienkartoffeln
…Fleischgerichten mit nicht allzu kräftigen Saucen
…asiatischen Kreationen

Trinkreife: sofort bis 2023

Preis: CHF 44.- bei www.gerstl.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

Secret Spot Wines: Lacrau White Douro DOC 2013

WeingeniesserCH_LacrauDas Douro-Tal in Portugal ist eigentlich kein ideales Weinbaugebiet: Die Erträge sind gering und die kleinen Parzellen sind oft nur in mühsamer Handarbeit zu bearbeiten. Der Önologe Rui Cunha und der Agronom Gonçalo Sousa Lopes glauben trotzdem an das Potential des Traubenguts. Seit über zehn Jahren kaufen sie lokalen Winzern ihre Erträge ab und keltern sie auf ihrem Weingut, der Quinta da Faisca. Das Erfolgsrezept? Sie zahlen faire Preise. Für ältere Rebparzellen mit kleinen Erträgen sogar mehr als für jüngere Parzellen mit mehr Ertrag. So haben sie über die Jahre 19 Winzer ins Boot geholt und so ihr «Secret Spot» Netzwerk (http://www.secretspotwines.com) aufgebaut. Die Quinta produziert jedes Jahr rund 90’000 Flaschen, davon 60 Prozent Rotwein – und vieles noch in Handarbeit. So wird die Maische noch mit den blossen Füssen bearbeitet. Wir haben den Weissen «Lacrau White Douro DOC» probiert, von dem 2013 nur 2624 Flaschen abgefüllt wurden.

Traubensorten: Codega do Larinho, Folgasao, Gouveio

Auge: helles Goldgelb mit grünen Reflexen

Nase: herb-mineralische Noten, die anfänglichen Röstaromen gleich nach dem Öffnen binden sich mit etwas Luft  angenehm ein, Yuzu

Gaumen: Quitten und Orangenschalen sowie gelbe Steinfrüchte paaren sich mit einer herben Yuzunote, krautige Aromen treffen auf leicht mineralische, herbe und grüne Grasnoten. Je mehr Luft der Wein bekommt, desto harmonischer wachsen die Aromen zusammen. Er wirkt schlank, im Gaumen macht er sich trotzdem ziemlich breit. Er ist wuchtig, hat aber trotzdem eine feingliedrige Säure. Der Abgang bleibt mittellang.

Fazit: Ein sehr schönes Produkt! Als Fans von autochthonen Traubensorten geben wir dem Lacrau einen Extrapunkt. Zu toppen wäre das Erlebnis nur noch mit dem passenden Setting – idealerweise geniesst man diese Flasche in einem Restaurant am Meer mit einem Teller voller Meeresfrüchte… da kommt mehr als nur Freude auf!

Kredenzen zu…
…Meeresfrüchten und Fischgerichten
…hellem Fleisch oder Geflügel
…gerösteten Mandeln zum Apéro
…einer Hartkäse-Platte

Trinkreife: sofort bis 2024

Preis: CHF 27.- bei www.gerstl.ch – zur Zeit Aktion (CHF 24.50)

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16.5 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

K+K Kirnbauer: Phantom 2013

Phantom_WeingeniesserCHDas Phantom gehörte vor rund 10 Jahren zu den Geheimtipps unter den Österreicher Rotweinen. Unterdessen kann man ihn gut und gerne zu den typischen Hype Weinen zählen (vgl. unseren Post zum Chocolate Block). Der Familienbetrieb Kirnbauer liegt im Mittelburgenland und produziert rund 200’000 Flaschen Rot-, Weiss- und Süsswein pro Jahr. Die Rotweine lagern mindestens 18 Monate – Musikberieselung (vor allem lokale Klassik) inklusive – in Barriques. Gemäss dem Winzer Markus Kirnbauer ist das Phantom “everybodys darling” – durch die Cuvée aus vier Traubensorten sei für jeden Geschmack etwas dabei. Das spiegle sich auch in der steigenden, auch internationalen Nachfrage. Soweit, so gut.

Traubensorten: Blaufränkisch, Merlot, Cabernet, Syrah

Auge: klares, dunkles Rot mit hellem, leicht violettem Rand

Nase: Stallaromen und erdige Noten dominieren gleich nach dem Öffnen – mit mehr Luft kommen Aromen von dunklen Beeren dazu

Gaumen: eher leicht, sehr trinkfreudig. Basiert hauptsächlich auf den Stallaromen vom Merlot und den Röstnoten vom Fassausbau. Daneben kommen Konfitüre-artige Brombeeren und eine leichte Würze mit. Im eher kurzen bis mittleren Abgang bleiben klebrige Kompottnoten und Vanille zurück.

Fazit: Das Phantom schafft es leider nicht, uns emotional zu bewegen. Der Wein wirkt modern und trinkfreudig, aber leider auch sehr “gemacht”. Er gefällt vermutlich vielen und ist auf die breite Masse zugeschnitten. Hatten die früheren 00’er Jahrgänge noch Charakter, ist dieser jetzt leider zugunsten dem Mainstream gewichen. Da es in diesem Preissegment einige Weine mit mehr Druck und Eigenständigkeit gibt, können wir hier keine Kaufempfehlung abgeben.

Kredenzen zu…
…einer leichten Lektüre vor dem Cheminée
…hellem Fleisch oder Fisch
…einer Trockenfleisch-Platte
….Antipasti oder Käse

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 29.90 bei www.flaschenpost.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 85 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

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Ridge: Lytton Springs 2011

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Einen unserer Lieblingsweissweine, den Chardonnay Monte Bello von Ridge Vineyards, haben wir an anderer Stelle schon einmal kurz vorgestellt. Die Trauben für diese rote Cuvée von Ridge stammen von Lytton Springs, einer Parzelle zwischen Healdsburg und Geyserville gelegen. Einst gehörte sie zum Land von Captain William Litton, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Quellen in der Gegend förderte und ein Hotel für den ersten Spa-Tourismus aus San Francisco gründete. Ridge produziert mit den über 100-jährigen Weinstöcken schon seit 1972 Wein, hat die Parzelle aber erst 1991  gekauft. Spannend ist die Art der Weinverarbeitung, der sich Ridge verschrieben hat: dem vor-industriellen Stil, wie sie ihn nennen. Dabei verwenden die Önologen Techniken aus dem 19. Jahrhundert und kombinieren sie mit minimal invasivem, modernem Equipment. Paul Draper, ehemals CEO und jetzt Verwaltungsratspräsident, ist stolz darauf, dass Ridge eines der hochentwickeltsten Analyse-Labors der Gegend aufweisen kann. Mehr dazu hier: https://www.ridgewine.com/about/winemaking/

Traubensorte: 82% Zinfandel, 16% Petite Sirah, 2% Carignane

Auge: Dunkelrot mit violettem Rand

Nase: Dicht und kräftig, mit Aromen von blauen Beeren und schwarzen Kirschen, einer leichten würzigen Note und Röstaromen

Gaumen: Wuchtig und kraftvoll kommt er daher, wirkt aber nicht erdrückend. Im Gaumen dominiert die Fruchtnoten von Kirsche und Beeren, untermalt von Süssholz, Kakao und wenig Röstaromen im Abgang. Die Tannine sind sehr fein und unterstreichen die Eleganz des Lytton Springs. Der Abgang ist lang und von fruchtigen Noten getragen.

Fazit: Generell stehen wir Zinfandel als Traubensorte eher kritisch gegenüber. Der Lytton Springs aber begeistert uns. Man schmeckt die typische Klima-Aromatik des Sonoma County heraus – nebelverhangen frühmorgens, klar und heiss am Nachmittag, die Abende geprägt von einer angenehm kühlen Meeresbrise. Momentan eignet er sich ideal als Essensbegleiter, gerade auch zu Grilliertem. Er ist jedoch noch weit entfernt von seinem Höhepunkt – und wir sind gespannt, wie er sich in Zukunft entwickelt. Trinkgenuss bietet er auf jeden Fall jetzt schon zur Genüge.

Kredenzen zu…
…einer dominikanischen Zigarre
…dunklem Fleisch oder gut gewürztem Fisch vom Grill
…Bündnerfleisch oder Pata Negra
…Antipasti oder Käse

Trinkreife: sofort bis 2022

Preis: Jahrgang 2012 für CHF 38.- bei Martel Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

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Domaine Vrignaud: Chablis 1er Cru Fourchaume 2014

WeingeniesserCH_Vrignaud_frontGuillaume Vrignaud führt in fünfter Generation ein Weingut in Chablis-près-Fontenay, die Domaine Vrignaud. Auf rund 24 Hektaren vinifiziert er – keine Überraschung – Chablis aus verschiedenen Lagen, insgesamt acht Varietäten. In einer Degustation zum Thema «Chardonnay aus der alten Welt» war sein Chablis 1er Cru Fourchaume der Sieger. Gemeinsam mit dem NZZ Weinprofi und Buchautor Peter Keller haben wir uns auf die Traubensorte Chardonnay, im Barrique ausgebaut, im Preisbereich zwischen 20 und 50 Franken beschränkt. Seine Bewertung findet sich hier: http://www.nzz.ch/gesellschaft/lebensart/der-wein-der-woche-gradliniger-weisswein-aus-dem-chablis-ld.104155. Es war eine sehr heterogene Runde von sechs Weinen, und wir waren uns nicht immer einig in der Bewertung. Als Sieger rangierte schliesslich dieser Chablis, übrigens ein Bio-Wein.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Auge: helles, zitroniges Gelb

Nase: Zitrusaromen, Stachelbeeren, leichte Mineralität

Gaumen: frisch und leicht – der Chablis hat eine knackige Säure, mineralische Noten und wirkt noch sehr jugendlich. Fruchtige Noten tragen in den mittellangen Abgang. Was wie wenig gezielt eingesetztes Barrique wirkt, ist eine Täuschung – der Chablis wurde im Stahltank ausgebaut. Man schmeckt hier die Trauben von 1955 der Lage Côte de Fontenay, die das typische Chablis Aroma sehr konzentriert bieten.

Fazit: Ein Chardonnay, der nicht zu überladen ist, sondern fruchtig-frisch mit einer modernen Note. Durchaus mehrheitsfähig, aber auch kein Wein, dem die Herzen von Weinliebhabern sofort zufliegen. Tipp: eignet sich nicht für next-day Genuss – sofort trinken. Er soll aber lagerfähig sein – wir könnten ihm also in fünf Jahren nochmals eine Chance geben.

Trinkreife: jetzt bis 2022

Kredenzen zu…
…einer sommerlichen Apérorunde (gut gekühlt)
…einer leichten Vorspeise ohne allzu grosse Säure (Salatsaucen mit Essig etc.), z.B. gegrilltem Schafskäse mit Honig
…einem unbeschwerten Feierabendglas auf der Terrasse

Preis: CHF 32.- bei Mövenpick Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.8 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Suertes del Marques: 7 Fuentes 2013

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Der 7 Fuentes aus Teneriffa wird aus Weinen von 35 verschiedenen Weinparzellen zusammengestellt – darunter auch aus eigenen Parzellen des Weinguts und Produzenten des 7 Fuentes, von Suertes del Marques. Die Trauben sind zwischen 10 und 180 Jahre alt. Die spezielle Mischung reift auf den sehr eigenen Vulkanböden der Insel und wird von Hand gepflegt und geerntet. 60% des Weins reift für acht Monate im Stahltank, 40% in französischen Eichenfässern. Unsere erste Begegnung mit dem 7 Fuentes war in der Weinbar Lido Vinoteca in Puerto de la Cruz in Teneriffa. Wir haben uns eine Flasche mit nach Hause genommen – und waren total überrascht, als wir ihn kürzlich bei Smith&Smith wiederentdeckt haben. Eine echte Trouvaille, die auch ausserhalb der Ferienzeit Spass macht.

Traubensorte: 90% Listán Negro, 10% Tintilla

Auge: Dunkelrot mit schwarzem Kern

Nase: dicht und kräftig, blaue Beeren und schwarze Kirschen, mit einer schönen, sonnigen Würze und leichten Skatol- wie auch Röstaromen

Gaumen: spielerisch und wild, dicht und doch tänzerisch kommt er daher – der erste Eindruck fesselt. Die spannende Grundlage bilden dunkle Beeren, animalische Aromen und wenig umrahmende Röstaromen. Am Gaumen wirkt der Wein spielerisch, und das Terroir beziehungsweise den spezifischen Boden der Vulkaninsel schmeckt man deutlich heraus. Ein Wein, der sicherlich eher polarisiert, aber bei uns definitiv positiv polarisiert. Im Abgang bleibt der 7 Fuentes lange auf der Frucht, getragen von einer sehr feinen Säure und weichen Tanninen.

Fazit: Ausnahmsweise ein Wein, der nicht nur in den Ferien schmeckt, sondern auch zuhause. Wir sind begeistert – der 7 Fuentes scheut sich nicht, sich mit Ecken und Kanten zu präsentieren. Er eignet sich optimal als Essensbegleiter, gerade auch im Sommer.

Kredenzen zu…
…einem Feierabendglas vor dem Cheminée
…dunklem Fleisch oder Grillgut
…mediterranen Pastagerichten
…Antipasti oder Käse

Trinkreife: ab sofort bis 2019

Preis: bei der Weinhandlung Smith & Smith für CHF 18.50 erhältlich

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.8 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Enate: Rosado 2014

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Dieser Rosé stammt von «unterhalb des Bergs» – aus Somontano, einer DO-Weinregion in Spanien, in der östlichen Provinz Huesco, Bezirk Aragon. Unterhalb des Bergs ist dabei absolut korrekt, da dieses Weinbaugebiet unterhalb der Bergkette der Pyrenäen und entlang des Ebro verläuft. Das Weingut Enate ist eines von rund 500 Weingütern in der Region mit 4000 Hektaren Anbaufläche. Sie bewirtschaften rund 400 Hektaren, wovon sie rund 85% Rotwein, 10% Weisswein und 5% Rosé produzieren. Die Reben profitieren von den kühlen Talwinden in der Region, die das Klima in der Nacht auf rund 17 Grad von der Tagestemperatur von 35 Grad im Sommer herunterkühlen. Enate behauptet, Weine zu machen, die nicht nur zum Trinken da sind, sondern auch zum Nachdenken anregen («no sólo para beber, sino también para pensar»). Das ist gar nicht so falsch – der Rosé ist zumindest ein eher untypischer Vertreter seiner Art.

Traubensorte: 100% Cabernet Sauvignon

Auge: helles, kräftiges Rot (für einen Rosé)

Nase: Aromen nach jungen Erdbeeren, roten Johannisbeeren, herbe Noten

Gaumen: eher untypisch für einen Rosé – eine leichte, herb-bittere Würze, gepaart mit Peperoni-Noten und fruchtig-frischen Johannisbeeren, vollmundig und relativ lang im Abgang, ausgewogenes Verhältnis von Süsse und Säure mit der Tendenz zur Säure

Fazit: Wer einen typisch süssen Rosé erwartet, wird hier eher enttäuscht. Wer allerdings einen fruchtig-frischen Sommerwein sucht, der mehr ist als eine reine Prosecco-Alternative, ist hier gut bedient. Vorurteile über Bord werfen und los – dieser Rosé lohnt sich!

Kredenzen zu:
…einem unkomplizierten Sommerapéro auf der Terrasse
…leichten Pouletgerichten und Salaten
…arabischen Mezzeh
…spanischen Reisgerichten

Trinkreife: jetzt bis 2018

Preis: momentan Aktion für Jahrgang 2015, 10.40 (normal 11.50) bei Martel Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)WeingeniesserCH_Enate_Rosado_back

Ca’ di Rajo: Nina Incrocio Manzoni 2013

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Diese Traubensorte zählt definitiv nicht zu den üblichen Verdächtigen: Incrocio Manzoni ist eine Kreuzung aus Riesling und Weissburgunder und hat seinen Namen von jenem Professor (Luigi Manzoni), der sie als Erster ausprobiert hat. Heimisch ist sie in der Gegend San Polo di Piave, im Osten des norditalienischen Venetos. Simone Cecchetto hat dort 2005 das Weingut Ca’ di Rajo gegründet. Neben 25 Hektaren Eigenanbau werden auch Weine aus zugekauftem Traubengut hier verarbeitet, was die beeindruckende Zahl von rund einer Million produzierten Flaschen erklärt. Die Böden im Gebiet sind gut durchlüftet, lehmig-sandig und mit Schwemmgestein durchzogen. Der Nina wird im Stahltank ausgebaut. Das Besondere an diesem Wein ist, dass die Trauben relativ spät – im Oktober – gelesen und danach rund neun Monate auf den Schalen liegengelassen werden.

Traubensorte: 100% Incrocio Manzoni 6.0.13

Farbe: Helles, klares Goldgelb

Nase: Wirkt elegant, mit Noten von Blüten, Ananas und Steinobst, Quitten und einer grünen Säurenote

Gaumen: Schöne, ausgewogene Komposition mit einer spannenden Balance zwischen Säure und Süsse vom Riesling bzw. Weissburgunder. Birnen und Äpfel, Physalis und Ananas spielen mit Blütenaromen und gelben Steinfrüchten. Der Wein gewinnt entscheidend mit Luft und Wärme –  nach etwa 4 Stunden präsentiert er sich richtig offen und vollmundig. Er sollte nicht allzu kalt serviert werden, eine Temperatur von 10 Grad Celsius ist ideal. Im Abgang präsentiert er sich mittellang mit einer intensiven Note nach exotischen Früchten.

Fazit: Ein Wein, der sicherlich nicht für die breite Masse gemacht ist, sondern eher als Nischenprodukt fungiert. Bei uns hat er ein freudiges Stirnrunzeln und Nachdenken, gefolgt von einem milden Lächeln ausgelöst – oder anders gesagt: der Nina macht Spass, ohne jedoch gleich Begeisterungsstürme auszulösen. Ein interessanter Wein, handwerklich sehr gut gemacht und ein ideales, wenn auch ungewöhnliches Mitbringsel, das unter Weinfreunden für Gesprächsstoff sorgt.

Kredenzen zu…
…als Apéro
…Fischgerichten
…leichteren asiatischen Pouletgerichten
…Antipasti oder Käse
Trinkreife: jetzt bis 2019

Preis: http://www.felsenkeller-sh.ch für 22.00 CHF

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 88 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Boekenhoutskloof: Chocolate Block 2014

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Der «Chocolate Block» gehört zu den typischen Hype-Weinen – erst als Geheimtipp gehandelt, hat er es schnell in jedes In-Restaurant und in jedes Hipster-Glas geschafft. Eigentlich ein Grund, ihn nicht zu mögen. Vor ein paar Jahren haben wir ihn trotzdem probiert – und waren enttäuscht. Zu viel Holz, zu verschlossen, zu teuer. Aber jeder verdient eine zweite Chance. Im zweiten Anlauf waren wir positiv überrascht. Die Cuvée reift 16 Monate in französischen Eichenfässern, bevor sie geklärt und filtriert wird. Die Produktion des 2014er Jahrgangs umfasst 1742 Barriques – rund 56’000 Flaschen. Mit 14.65% Alkoholgehalt liegt der Chocolate Block im Durchschnitt, passt aber unserer Meinung nach hervorragend zu heisseren Temperaturen bzw. als Essensbegleiter zu Grill, Fleisch, Wurst und Co.

Traubensorte: 73% Syrah, 12% Grenache, 10% Cabernet Sauvignon, 4% Cinsault, 1% Viognier

Auge: dunkelrot mit schwarzem Kern

Nase: vordergründig leicht alkoholisch, Aromen von Eukalyptus, schwarzen Kirschen und Kakao, gepaart mit einer schönen würzigen Note

Gaumen: kraftvoll und viel Volumen, volle Aromen nach Brombeeren und schwarze Kirschen, schöne Reife. Gaumenfüllend. Schokoladenoten, kombiniert mit einer kräftigen Würze und einer feinen Säure. Auch die Tannine sind fein, der Abgang kräftig und lang. Ein Wein mit Entwicklungspotential.

Fazit: Wir sind positiv überrascht – ein wunderbar kräftiger und ausgewogener Wein! Bezüglich Alkoholnote hat er allerdings noch Potential. In zwei bis drei Jahren sollte er sich optimal präsentieren – wir bleiben dran.

Kredenzen zu…
…dunklem Fleisch
…diversem Grillgut im Sommer
…einer kubanischen Zigarre
….Antipasti oder Käse

Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: 35.- bei Kapweine in Wädenswil

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 90 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.8 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Newton: Chardonnay Red Label 2014

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In einer Neuauflage unserer Blind-Degustationsrunde mit dem Weinexperten Peter Keller von der NZZ war er der Sieger: der Chardonnay Red Label von Newton. Die Vorgaben für die Weinkandidaten: 100% Chardonnay, Herkunft: neue Welt, Ausbau: im Barrique. Im Wettbewerb mit dabei waren sechs Weine aus den USA, aus Chile, Australien und Südafrika. Was auffiel, war der generell eher hohe Preis – alle Kandidaten bewegten sich im Bereich von 29 bis 44 Franken. Die Trauben für diesen Chardonnay aus Kalifornien stammen zu 66% aus dem Sonoma Valley, zu 34% aus dem benachbarten, weitaus berühmteren Napa Valley. Er reift 12 Monate im französischen Barrique. Der einzelne Baum auf der Etikette ist übrigens eine Kiefer mit dem Namen «Pino Solo». Sie ist über 33 Meter hoch und thront auf dem höchten Punkt des Spring Mountain, einer der steilen Hanglagen von Newton im Napa. Der Newton Red Label ist der «Wein der Woche» bei der NZZ online, hier sind weitere Infos und die Einschätzung von Peter Keller nachzulesen: http://www.nzz.ch/lebensart/genuss/chardonnay-red-label_newton-1.18735508

Traubensorte: 100% Chardonnay

Auge: kräftiges Goldgelb

Nase: schöne gelbe Früchte, gepaart mit Röstaromen und leicht exotischen Noten. Sehr dicht und kräftig, macht Lust auf einen ersten Schluck.

Gaumen: anfangs etwas viel Röstaromen bzw. deutliche Vanillenoten, welche sich aber nach einiger Zeit und mit mehr Sauerstoff verflüchtigen. Die einzelnen Aromen wirken harmonisch, Süsse und Säure sind gut eingebunden und die Frucht steht klar im Vordergrund. Pfirisch und gelbe Früchte, Honigmelone und Karambole paaren sich mit Grapefruitnoten und einer angenehmen tragenden Säure. Generell: ein schöner, fetter Chardonnay, der aber nicht überladen wirkt. Im Gegenteil findet er eine schöne Balance zwischen «neuer» und «alter» Welt. Der Abgang bleibt in der Frucht und wirkt feingliedrig, begleitet von einer frischen Säure.

Fazit: Wer gerne üppige Chardonnays aus der neuen Welt mag, die trotz allem nicht überladen wirken, ist hier gut bedient. Der Newton ist klar kein burgundisches Meisterwerk, aber Spass macht er trotz allem.

Kredenzen zu…
…einer Zigarre
…einem kräftigen Fischgericht
…einer Bouillabaisse
….Pouletgerichten mit Röstaromen

Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: 34.- bei Mövenpick Weine, z.B. in Zollikon

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 88 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)