Eva Fricke: Lorcher Krone 2015

Wir hatten vor nicht allzu langer Zeit die Ehre, Eva Fricke persönlich kennenzulernen. Ursprünglich wollte sie Bierbrauerin werden, hat sich dann aber für das Studium des Weinbaus in Geisenheim entschieden. Sie ist selbst die beste Botschafterin für den Stil ihrer Weine: klar, modern, ehrlich und geradlinig. Seit 12 Jahren als selbständige Winzerin in Eltville (im Rheingau) tätig, hat sie in ihrer kurzen Karriere bereits zahlreiche Preise eingeheimst. Begonnen hat sie mit einem 1’000 Quadratmeter Weinberg in Lorch, der rund 600 Flaschen hergab (die sich übrigens alle der Einkaufsschef im Hotel Adlon sicherte. Mehr zu dieser Geschichte in diesem kurzweiligen Artikel der FAZ). Unterdessen produziert sie rund 65’000 Flaschen, Fokus dabei liegt klar auf der Traubensorte Riesling und auf natürlichem Anbau und Produktion. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst naturbelassene Weine zu produzieren, und gilt als «Öko-Winzerin». Für diesen Riesling einer ihrer Top-Lagen, der Lorcher Krone, hat Eva Fricke 94 Parker-Punkte erhalten.

Traubensorte: Riesling

Auge: klares Mittelgelb

Nase: mineralische Schiefer-Noten, gelbe Steinfrüchte, leichte Säure, krautige Aromen

Gaumen: schön eingebundenes Säure-Frucht-Spiel, frisch, angenehm adstringierend, vollmundig fruchtig, angenehme Länge, sehr sortentypische Aromen von Apfel, Birnen und Quitten.

Fazit: Riesling, wie er sein sollte – klassisch, geradlinig, vollmundig und klar. Wir sind gespannt, wie sich die Lorcher Krone entwickelt. Lagerpotenzial ist auf jeden Fall vorhanden!

Kredenzen zu:
….Austern, Hummern oder einer Meeresfrüchte-Platte
….Fisch oder hellem Fleisch
….einem Apéro unter Freunden
….anregenden Diskussionen mit Weinliebhabern, z.B. über unfiltrierte Weine

Trinkreife: jetzt bis 2025

Preis: CHF 39.50 bei Coop Mondovino

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 92/100
Preis/Leistungsskala: 16/20 *Da kommt Freude auf*

 

Gagliole: Il Bianco 2017

Das Weingut Gagliole liegt in Castellina in Chianti, nördlich von Siena. Die Geschichte von Gagliole lässt sich bis zu 994 n. Chr. zurückverfolgen – als der Sohn des Langobarden Königs Berengario nämlich das Weingut seiner Frau als Hochzeitgeschenk zum Lehen vermacht hat. Seit 1990 gehört das Weingut den Schweizern Monika und Thomas Bär. Zehn Hektar ihrer Reben liegen in Castellina selbst, weitere zehn Hektar in Panzano. Die Lese geschieht von Hand. Je nach Jahrgang produziert das Gut 75’000 bis 90’000 Flaschen – zwei Weissweine, vier Rotweine, dazu Grappa und Olivenöl. Wir haben den «Il Bianco» probiert:

Traubensorten: 60% Procanico, 30% Chardonnay, 10% Malvasia

Auge: helles Goldgelb mit grünen Reflexen

Nase: leichte Vanillenoten mit etwas Honig, weisser Pfirsich und Birnen, Äpfel und weisser Pfeffer, leicht mineralisch mit floralen Anflügen

Gaumen: Trotz seiner Jugend ist der ‘Bianco’ schon sehr ausgewogen. Frisch und mineralisch präsentiert er sich am Gaumen, mit schön eingebundenen Röstaromen. Die Fruchtphase mit Apfel, Birne und Pfirsich findet man auch am Gaumen wieder. Im Abgang trägt der Chardonnay zu einem leicht crèmigen Finale bei, welches in einem mittellangen Abgang mit etwas weissem Pfeffer endet.

Fazit: Ein sehr ausgewogener Wein, der bereits jetzt grosse Trinkfreude bereitet und sich genauso zum Apéro eignet wie als Begleiter zu leichten Vorspeisen oder Fischgerichten.

Kredenzen zu…
….klassischem Apéro und anregenden Gesprächen
….leichten Vorspeisen
….einem genussvollem Schaumbad

Trinkreife: 2018 bis 2022

Preis: 25.90 CHF bei Riegger Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Decero: The Owl & The Dust Devil 2015

Das Weingut Finca Decero liegt auf 1’050 Metern in Argentinien, am Fuss der Anden. Thomas Schmidheiny, in dessen Familienbesitz sich unter anderem die Weingüter Cuvaison in Napa oder Chapel Hill in Australien befinden, entdeckte das Stück Land bei einer Reise. Und beschloss, hier von Null auf (Decero) ganz neu anzufangen mit dem Weinbau – mit der Aspiration, damit zu den besten Weinproduzenten Argentiniens zu gehören. Gesagt, getan. Von Anfang an wurde viel Wert auf Nachhaltigkeit und eine schonende Verarbeitung der Trauben gelegt. Die Weine von Decero stammen von Trauben der Lage Remolinos. Der Weinberg wurde nach kleinen Wirbelwinden benannt, welche typisch sind für die Region und die Trauben im Sommer kühlen und im Winter gegen Frost schützen. Dieses Naturphänomen steckt auch hinter dem Namen «The Owl & The Dust Devil». Wie Eulen ins Spiel kommen, das erklärt die App zum Wein – mit ihr kann man die Etikette scannen, und die Eule setzt zum Flug an. (Wer die Geschichte ganz ohne Kaufzwang entdecken will, der besuche: http://www.theowlandthedustdevil.com) Die Cuvée ist erst seit 2016 in der Schweiz im Handel erhältlich, wir haben den zweiten Jahrgang 2015 probiert.

Traubensorte: Cabernet Sauvignon (39%), Malbec (32%), Petit Verdot (19%), Tannat (10%)

Auge: dunkelviolett bis fast schwarz, leichter Wasser-Purpurrand

Nase: Aromen nach grüner und roter Peperoni, dunkler Schokolade, ätherische Rosmarin- und Thymiannoten wie bei einer sommerlichen Bergwanderung, leicht alkoholisch mit einem Hauch von Lakritze

Gaumen: mehr Frucht als Kräuternoten, der Alkohol trägt die Aromen in eine crèmige, schöne Länge, wirkt noch nicht ganz ausgewogen

Fazit: Dieser Wein braucht einen Essensbegleiter! Bei uns hat er mit seiner spannenden und eigenen Aromatik definitiv Sympathiepunkte gesammelt. Und mit der App erhält die Flasche als Gastgeschenk eine ganz neue Unterhaltungsdimension. Positv fallen liebevolle Details wie die Gestaltung der Flaschenkappe auf.

Kredenzen zu…
…Wildgerichten
…Kurzbratstücken vom Rind
…klassischem Strogi, Spätzli oder Gulasch

Trinkreife: jetzt bis 2025

Preis: CHF 24.80 bei schmidheiny.com im online Shop oder gleich bei Höcklistein im Laden in Rapperswil-Jona

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16.5 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Secret Spot Wines: Crooked Vines White 2015

Ein Weingut, das gar keine Weinparzellen besitzt – das spannende Setup der Secret Spot Wines Produzenten haben wir schon kurz in einem Blogpost vorgestellt (hier). Kürzlich hatten wir die Gelegenheit, die Quinta da Faisca in Favaios persönlich zu besuchen. Chefönologe und Berater Rui Walter da Cunha gewährte uns Einblicke in Produktion und Philosophie. Dabei konnten wir auch diesen Weisswein probieren, der unter dem Label «Crooked Vines» verkauft wird. Der Name bezieht sich auf die «schrägen» oder «verwachsenen», über 50-jährigen Rebstöcke, aus deren Traubengut die Cuvée aus diversen autochthonen Sorten produziert wird und die sinnbildlich auf der Etikette zu sehen sind. Die Fermentation erfolgt in französischen Eichenfässern, danach reift der Wein 15 Monate in Holzfässern. Auch bei dieser Cuvée erfolgt die Traubenlese von Hand.

Traubensorten: Gouveio, Rabigato, Viosinho und viele mehr

Farbe: Kräftiges Goldgelb

Nase: Röstaromen mit Kamille, Honig und Ananasnoten, gelbe Steinfrüchte mit mediterranen Kräutern.

Gaumen: Crèmige burgundische Noten von Pfirsich, Röstaromen und Vanille, danach eine frische, anregende Säure. Ein vollmundiger Wein, der sich erst mit der Zeit öffnet und dann exotischere Noten zum Vorschein bringt. Im mittellangen Abgang begleiten herbe Kräuter-Noten Aromen von diversen Stein- und anderen Früchten.

Fazit: Definitiv kein Apérowein und nichts für Anfänger. Burgunderliebhaber werden sich mit dieser Cuvée anfreunden können, sollten aber keine direkte Vergleichsmöglichkeit nach Frankreich erwarten. Beeindruckt waren wir von der geradlinigen, trotzdem feingliedrigen Art dieses Weins, der seine Herkunft trotz burgundischer Anleihen deutlich zeigt. Als Essensbegleiter ist er sicherlich eine gute Wahl. Gespannt sind wir auf das Potenzial in Sachen Langlebigkeit. Dem Wein tut ein Burgunderglas gut, genauso empfehlenswert ist es, die Flasche ein paar Stunden vorher zu öffnen und sie nicht direkt aus dem Kühlschrank, sondern etwas wärmer zu trinken.

Kredenzen zu…
….Käse, speziell Ziegenkäse
….Fisch oder hellem Fleisch
….Pilzgerichten
….Risotto mit Safran oder Meeresfrüchten

Trinkreife:
2018 bis 2022

Preis:
Im Moment bei Gerstl Aktion: Jahrgang 2014 für CHF 29.50 statt 35.00
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala
100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 15.5 / 20 *Kann man, muss man aber nicht* (Basis regulärer Preis)

Weinrieder: Riesling Kugler 2014

Fritz “Weinrieder” Rieder ist bekannt für seine ausdrucksstarken, kraftvollen Weissweine – und für seine humorvolle Art, seine Weine bei Degustationen zu kommentieren. In weltbekannte Restaurants wie das “The Fat Duck” haben es schon seine zuhauf ausgezeichneten Süssweine geschafft. Wir hatten schon einige Male das Vergnügen, ihn persönlich zu treffen, und haben hier im Blog seinen Weissburgunder “Birthal” (http://www.weingeniesser.ch/weinrieder-weissburgunder-birthal-2009/) vorgestellt. In einer Blinddegustation mit dem Weinakademiker und NZZ am Sonntag-Journalisten Peter Keller hat sein Lagenwein “Riesling Kugler” (https://weinrieder.at/shop/reserven/riesling-kugler-2/) unter sechs Kandidaten in einem engen Rennen den ersten Platz gemacht. Unter den sechs Weinen, alle trocken ausgebaut, aus dem D/A/CH-Raum stammend und preislich bis CHF 50.- liegend, hat seine Kreation mit Jahrgang 2014 mit einer ausgeprägten Länge und einer schönen Reife überzeugt. Weinrieder produziert auf rund 20 Hektar Anbaufläche ausschliesslich weisse Rebsorten: Chardonnay, Grüner Veltliner, Riesling und Weissburgunder. Zu seinen Lagen gehören Birthal, Bockgärten, Hohenleiten, Schneiderberg und Kugler.

Wie Peter Keller den Riesling Kugler bewertet, ist in seinem “Wein der Woche”-Beitrag hier nachzulesen: https://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/der-wein-der-woche-ein-reifer-riesling-als-essensbegleiter-ld.1425281

Traubensorte: 100% Riesling

Auge: klares Grüngelb mit silbernen Reflexen

Nase: Apfel und Birne gepaart mit feinem Blütenhonig, unterlegt mit gelbem Steinobst und etwas Orangenzesten

Gaumen: saftig, mit einer lebendigen Säurestruktur, die dem Wein einen schönen Trinkfluss verleiht. Sehr volle Aromen von Apfel, Birnen und etwas Pfirsichfrucht im Abgang, eine leichte Fruchtsüsse im Abgang. Beim mittellangen Abgang bleibt eine schöne Zitrusnote und bereits leichte exotische Noten.

Fazit: Der Riesling Kugler ist nicht nur für fortgeschrittene Riesling-Liebhaber ein Genuss, sondern kann auch durchaus Riesling-Novizen überzeugen. Ein sauber und sortentypisch produzierter, überzeugender Essensbegleiter.

Kredenzen zu:
….asiatischen Gerichten
….Fisch oder hellem Fleisch
….Austern oder Muschelgericht
….Antipasti

Trinkreife: 2018 bis 2024

Preis: Jahrgang 2014 für CHF 29.50 bei www.invinovita.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 91/100
Preis/Leistungsskala: 16.5/20 *Da kommt Freude auf*

Kleine Zalze: Family Reserve Sauvignon 2016

Das Weingut Kleine Zalze kann auf eine über 300-jährige Geschichte zurückblicken. Es liegt rund eine Stunde von Kapstadt und drei Kilometer vom südafrikanischen Weinbaugebiet Stellenbosch entfernt. Das Weingut umfasst ein Restaurant (das regelmässig unter die Top 10 Restaurants in Südafrika gewählt wird), eine Lodge und einen Golfplatz – Weintourismus in Reinkultur also. Die Köpfe hinter den Weinen sind Alastair Rimmer, Henning Retief und RJ Botha. Sie produzieren auf rund 100 Hektaren rund 950’000 Flaschen Wein.

Traubensorte: 100% Sauvignon Blanc

Auge: helles Gelb mit grünlichen Reflexen

Nase: die klassische Sauvignon Nase: Stachelbeeren, Cassis, knackige Frische, Agaven, Gurke

Gaumen: breit im Gaumen mit viel Frucht und Säure, deutliche Granny Smith-Apfelnoten,  adstringierend, Honigmelonen und Met-ähnliche Aromen, unreife Peperoni und bittere Grapefruit-Zesten im Abgang

Fazit: eine überraschend Frische! Der Sauvignon ist sauber gemacht, aber nichts für zarte Seelen oder  feinfühlige Weinliebhaber. Man muss Sauvignon in all seiner Typizität schon mögen, um hier Spass zu haben.

Kredenzen zu:
…Spargelgerichten in allen Variationen
…mediterranen Fisch- und Meeresfrüchtegerichten
…asiatischen, scharfen Gerichten
…einem Remember-Southafrica-Abend mit Freunden

Preis: CHF 24.- bei Kapweine für Jahrgang 2016

Trinkreife: jetzt bis 2022

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 15.5 / 20 (*Kann man, muss man aber nicht*)

Stellenrust: Spumante Chenin blanc

Etwas ausserhalb der Stadt Stellenbosch in Südafrika liegt das Weingut Stellenrust. Auch beliebt als Hochzeitslocation, erinnert die Architektur der Empfangs- und Degustationsräumlichkeiten an eine eklektische Mischung aus griechischem Tempel, Bauhaus und Szenen aus dem Film «out of Africa». Das Weingut wurde 1928 gegründet und gehört nach eigenen Angaben zu den grössten Gütern im Familienbesitz. Geführt wird es von den Brüdern Tertius Boshoff und Kobie van der Westhuizen. Sie legen nicht nur Wert auf Nachhaltigkeit, sondern auch auf faire Arbeitsbedingungen, was ihre Fair-Trade-Zertifizierung unterstreicht, und spenden regelmässig einen Teil ihrer Einnahmen an Wildlifeprojekte. Seit kurzem produzieren sie aus einer ihrer top Traubensorten, dem Chenin Blanc, einen Spumante. Das Besondere daran ist die Herstellungsart wie bei einem Prosecco, was in Südafrika sonst eher selten ist. Für die Dosage wird Muscat de Alexandrie von 34 Jahre alten Buschreben verwendet. Das Resultat: eine super Alternative zu leichten Apéro-Weinen und traditionellem Prosecco.

Traubensorte: Chenin blanc (100%) und Muscat de Alexandrie (Dosage)

Auge: sehr hell und klar mit goldenem Schimmer

Nase: Zitrusaromen, Passionsfrucht, Äpfel

Gaumen: feiner und leichter Eindruck, Noten von Granny Smith-Äpfeln im Vordergrund, danach exotische Früchte wie Lime, Passionsfrucht und leichte Litschi-Aromen, eine schöne Frische trägt einen kurzen Abgang

Fazit: Ein schöner, sauber gemachter, leichter Sommergenuss. Ist auch bei wirklich heissen Temperaturen eine perfekte Abwechslung zu gängigen Schaumweinen und leichten Weissen – mit 11.5 Alkoholvolumen unbeschwert und unangestrengt zu geniessen.

Kredenzen zu…
…einem Apéro auf der Terrasse
…leicht gewürzten Meeresfrüchte-Gerichten
…einem entspannenden Schaumbad
…zur Inspiration für die nächste Ferienplanung

Trinkreife: jetzt trinken…

Preis: zur Zeit Aktion bei Kapweine: CHF 12.50 statt 13.90

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala
100er Skala: 88 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Tardieu-Laurent: Hermitage blanc 2013

Hermitage Tardieu 2013 Weingeniesser.ch

Das Weingut Tardieu-Laurent wurde gemäss eigenen Angaben 1996 von Michel Tardieu und Dominique Laurent gegründet. Seinen Sitz hat das Gut in Lourmarin – einer 1142 Seelen Gemeinde in Südfrankreich, in der Provinz Provence-Alpes-Côte d’Azur. In einem der «schönsten Dörfer Frankreichs» (gemäss offizieller Auszeichnung) möchte der jetzt alleinige Besitzer Michel Tardieu mit den ältesten und besten Reben der Gegend Qualitätsweine herstellen. Dafür sammelt er bei lokalen Winzern mit Weinbergen und aus Kleinst-Erträgen sein Traubengut zusammen und keltert daraus seine weissen und roten Weine, die unter die Rhône-Appellation fallen. Seine Weine reifen 18 bis 24 Monate in neuen und alten Eichenfässern. Tardieu verfolgt die Philosophie, möglichst wenig in den Reifeprozess einzugreifen, und verzichtet wenn möglich auf Filtration und weitere mechanische Eingriffe vor dem Abfüllen in Flaschen.

Traubensorte: Marsanne (85%), Rousanne (15%)

Auge: kräftiges Goldgelb

Nase: füllt das Glas dominant mit Kamillennoten, Röstaromen, Vanille, Passionsfrucht, Blumen und Honig – eine grosse Bandbreite an olfaktorischen Eindrücken

Gaumen: crèmig-sanfter erster Eindruck mit viel Röstaromen. Das Holz wirkt erst recht dominant, die Struktur beeindruckend dicht. Die angedeuteten exotischen Früchte (Bananen und Passionsfrucht) halten sich dezent im Hintergrund. Eine feine Zitrusnote trägt leichte Säure in einen langen Abgang. Ein sehr voluminöser Wein, der an einen Chardonnay aus der neuen Welt erinnert und in einer Blinddegustation schwer einzuordnen wäre.

Fazit: Dieser Wein ist auf jeden Fall ein Hauptdarsteller und macht in dieser Rolle auch eine sehr gute Figur. Er muss allerdings noch etwas an sich arbeiten – denn das Holz trägt er etwas arg in den Vordergrund. Wenn er seine versteckten Qualitäten noch entdeckt und seine sensible Seite entwickelt, hat der Hermitage das Potenzial zum Star. Wir werden ihn gerne in drei Jahren nochmals auf der Bühne bewundern und hoffen, dass er seine hervorragenden Basisqualifikationen bis dahin ergänzt hat.

Kredenzen zu…
….Antipasti
….hellem Fleisch, Geflügelgerichten
….einem Lachsgericht (exotisch angehaucht)
….einer dominikanischen Zigarre

Trinkreife: 2020 bis 2030

Preis: CHF 68 bei Mövenpick Weine (Jahrgang 2014)

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.

Etko: Commandaria St. Nicholas 2013

Gemäss diversen Quellen hat der zypriotische Süsswein Commandaria eine bis ins biblische Zeitalter zurückreichende Historie und soll einer der ältesten Markenweine der Welt sein. Die Cuvée aus den autochthonen Traubensorten Xynisteri und Mavro darf unter diesem Namen nur in der Gegend von Limassol produziert werden. Dem Süsswein wurden im Mittelalter auch heilende Eigenschaften zugesprochen. Gemäss dem Weinlexikon Ernesto Pauli durfte der Commandaria in Venedig sogar steuerfrei eingeführt werden, da er als Tonikum klassifiziert wurde. Die Trauben werden erst geernet, sobald sie einen gewissen Zuckergehalt erreicht haben, und trocknen danach auf Strohmatten, um den Zuckergehalt zu verstärken. Nach der Gärung in Holzfässern bzw. Barriques wird die Mischung auf maximal 15 Prozent mit Weingeist aufgespritet und für mindestens acht Jahre gelagert.

Traubensorte: Mavro (40%) und Xynisteri (60%)

Auge: Bernsteingold mit rötlichen Reflexen

Nase: Rosinen, Honig, Süssholz, Panettone, Gebäckaromen, Rumtopfnoten

Gaumen: Überraschend anders! Ein spürbarer Alkoholgehalt trägt die crèmig anmutende Flüssigkeit über die Zunge den Gaumen entlang. Hier spiegeln sich die süssen Aromen aus der Nase. Im Abgang kommt eine prägnant tragende Säure dazu, die den Commandaria auszeichnet.

Fazit: Für Freunde von schweren Süssweinen geeignet, die sich für einmal ausserhalb der dafür bekannten Regionen bewegen möchten. Aber auch für Nicht-Freunde von Dessertweinen geeignet, die eine originelle Begleitung zu Käse oder Desserts suchen, die nicht nur bzw. unausstehlich «süss» sind. Sauber, solide und gut gemacht und in der richtigen Essens-Begleitung ein Genuss! Soll auch als Verfeinerung zu Saucen oder als Bestandteil von Fleisch-Marinaden eine interessante Option sein.
Kredenzen zu…
….Süssspeisen mit Caramel
….einer schönen Käseauswahl
….einer würzigen Zigarre
Trinkreife: 2018 bis 2030
Preis: Jahrgang 2013 für CHF 30.- bei www.paphosweine.ch
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 15 / 20 (*Kann man, muss man aber nicht*)
** Disclaimer: diese Probeflasche wurde uns freundlicherweise von der Weinhandlung Paphos Weine zugestellt. Unsere Degustation erfolgte dabei nach den üblichen Kriterien. **

Jacques Deladoey: Yvorne l’Ovaille Grand Cru 2015

Domaine de l'Ovaille Yvorne

Bei unserer diesjährigen Frühlingsdegustation mit Weinexperte Peter Keller stand die Traubensorte Chasselas im Zentrum. Dabei bewerteten wir sechs Schweizer Weissweine nach verschiedenen Kriterien. Keine einfache Aufgabe, ist doch Chasselas eine zwar sehr bekannte Traubensorte, die aber ganz unterschiedlich interpretiert werden kann. Unser Gewinnerwein ist ein Klassiker: Der Yvorne L’Ovaille Grand Cru von Jacques Deladoey. Dieser Premier Cru hat es sogar auf einige renommierte, internationale Weinkarten geschafft. Viel Informationen zum Weingut findet man nicht (auch nicht auf der Webseite) – denn die Winzerfamilie bewirtschaftet gerade einmal fünf Hektar, davon sind drei Hektar in der Toplage «L’Ovaille». Die Etikette gibt einen Hinweis auf die Entstehung des Namens: Am 4. März 1584 wurde das Dorf Yvorne (Bezirk Aigle, Kanton Waadt) von einem Erdbeben erschüttert. Ein gewaltiger Gesteinsrutsch begrub das Dorf unter sich. An diesem Ort entstand der Rebberg «L’Ovaille», abgeleitet vom altfranzösischen Wort «orvaille», was Unglück, Katastrophe oder Verwüstung bedeutet. Die Beschaffenheit des Bodens trägt einen entscheidenden Teil zur Stilistik des Weins bei. Chasselas ist eine alte Traubensorte, die nur in Frankreich und der Schweiz so genannt wird – in den übrigen Ländern kennt man sie unter dem Namen Gutedel. Über ihre Ursprünge wird gerätselt. Man vermutet, dass sie aus Ägypten kommen könnte, wo sie seit 5000 Jahren in der Oase Fayyum bei Luxor angebaut wird. In der Schweiz kennt man die Traubensorte auch unter dem Namen Fendant. Diese geschützte Bezeichnung darf jedoch ausschliesslich für Weine aus dem Wallis verwendet werden.

Auge: Helles Goldgelb, leicht grünliche Reflexe

Nase: Zitrusaromen wie Grapefruit und Limette, gemischt mit leicht exotischen Noten nach Ananas und untermalt von mineralischen Akzenten

Gaumen: weich, elegant und frisch-spritzig, baut auf einer herben Zitrusnote auf, Abgang ist mittellang. Schöne Balance zwischen Frucht und Säure, leichte Honignoten.

Fazit: Das spannende Urteil von Peter Keller zu unserem Degustationssieger lässt sich hier nachlesen.

Trinkreife: jetzt bis 2020

Kredenzen zu…
…einem Themenabend mit Schweizer Weinen
…einem Dinner mit Gästen aus dem Ausland
…einem Käse- oder Aufschnittplättli mit Sicht auf Schweizer Berge

Preis: Jahrgang 2016 für CHF 28.50 bei Baur au Lac Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 88 / 100
Preis/Leistungsskala: 14.5 / 20 (*kann man, muss man aber nicht*)