Lanson: Green Label

Biologischen Weinanbau einen Trend zu nennen, wäre weit untertrieben. Immer mehr Betriebe lassen sich zertifizieren und setzen auf biologische oder biodynamische Anbau- und Verarbeitungsmethoden. In punkto Champagner besteht aber definitiv noch Aufholbedarf (weniger als ein Prozent der gesamten Anbaufläche sind gemäss dieser Quelle bio-zertifiziert) – vor allem, was grössere Anbieter anbelangt. Diese Lücke schliesst nun das Haus Lanson mit der Lancierung des ersten Bio-Champagners, dem «Green Label». Äusserlich zeigen sich die Bio-Qualitäten daran, dass die Etikette aus Recycling-Papier hergestellt und bei der Produktion der Flasche dünnwandigeres Glas als üblich verwendet wurde. Auf den ersten Blick fällt auch das untypisch grüne Lanson-Logo auf – alles in allem aber keineswegs eine Flasche im Bio-Öko-Look, sondern wertig und mit viel Stil gemacht. Die inneren Qualitäten sind vom französischen Bio-Siegel «Agriculture Biologique» zertifiziert. Die Trauben stammen aus einem über 16 Hektar grossen biodynamischen Anbaugebiet im Marne-Tal. Dabei wird auf ausreichend Platz zwischen den Rebstöcken geachtet, damit andere Organismen zu einem gesunden Ökosystem beitragen können. Ausserdem wird möglichst wenig maschinell gearbeitet, als Kompost kommen nur organische Substanzen zum Einsatz. Wie auch bei allen anderen Produkten aus dem Hause Lanson verzichtet man auch beim Green Label bewusst auf die malolaktische Gärung, die zu einem Säureabbau und bei Schaumwein oft zu einer weicheren, buttrigen Note führt. Eine gute Entscheidung!

Traubensorten: 50% Pinot Noir, 20% Chardonnay, 30% Pinot Meunier

Auge: sehr helles Goldgelb

Nase: sehr frisch mit schöner Hefe, Aromen nach Lime-Zesten und Steinobst, feine Ananas- und grüne Farn-Noten, obenauf leichte Kreide-Noten

Gaumen: weicher und harmonischer Eindruck, erst frisch und knackig mit einer schönen Perlage, dann vollmundig und breit im Gaumen – Aromen nach orientalischen Hölzern umrahmen fein abgefächerte Zitrusnoten und gelbe Steinfrüchte. Der Abgang wird getragen von einer angenehmen Hefenote und einer frischen Säure.

Fazit: Wiederum sind wir begeistert von der Handwerkskunst im Hause Lanson. Wenn dies erst der Anfang ist von weiteren biodynamischen Produkten, dann ist der Start schon sehr gelungen! Was in der Aufmachung vielleicht an Exklusivität fehlt (uns nicht), macht der Green Label dort wett, wo es zählt – im Gaumen. Wir legen uns auf jeden Fall ein paar Flaschen in den Keller.
Übrigens haben wir wie beim Lanson Extra Age Brut Rosé auch den Green Label in einem Degustations-Glas von Edi the Nose getrunken – wir empfehlen jedes Weinglas, das grösser ist als ein typisches Flûte.

Kredenzen zu…
…Gesprächen über den Trend zu biologischen Anbaumethoden unter Champagner-Liebhabern
…einer gehaltvollen Lektüre vor dem Cheminée
…leichten Vorspeisen mit Fisch oder Meeresfrüchten

Trinkreife: sicher bis 2030
Preis: CHF 52.50.-, erhältlich im Diwisa Online Shop (www.drink-direct.ch), bei Gastro-Grossisten und im ausgewählten Fachhandel
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.
** Disclaimer: diese Probeflasche wurde uns freundlicherweise vom Hause Lanson zugestellt. Unsere Degustation erfolgte dabei nach den üblichen Kriterien. **

Château Petit Gravet Aîné 2014

In einer Degustationsrunde mit NZZ-Weinexperte und Buchautor Peter Keller hat dieser Bordeaux den ersten Platz gemacht – die Selektionskriterien waren
1. Bordeaux
2. Jahrgang 2014
3. Preis: zwischen CHF 30 und 50.
Überraschenderweise setzt der Sieger, das Weingut Château Petit Gravet Aîné aus dem Saint-Émilion, auf Bio-Anbau und verwendet weder Herbizide noch Insektizide, um seine Trauben zu schützen. Die Önologin Catherine Papon-Nouvel hat ihren Teil dieses Weinguts, genauso wie ihre anderen beiden (Clos St. Julien und Château Gaillard), für biologischen bzw. biodynamischen Anbau zertifizieren lassen. Das Château hält den Cabernet Franc Rekord – mit einem untypisch hohen Anteil von 80 Prozent. Überzeugt hat uns der Wein mit seinem klassischen Stil, seinem klar erkennbaren Potential und seinem hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnis. Strong buy! Peter Kellers Verdikt lässt sich hier nachlesen.

Traubensorten: 80% Cabernet Franc,  20% Merlot

Auge: dunkles Violett mit schwarzem Kern

Nase: sehr dicht, dunkle Beeren – vor allem schwarze Kirschen und Pflaumen, Süssholz, etwas Schokolade

Gaumen: vollmundiges Aroma mit kräftiger, weicher Tanninstruktur. Sehr klassischer Bordeaux-Eindruck mit einem schönen Mix aus Beerenaromen, Schwarztee, Schokolade und einer würzigen Ledernote. Im Abgang sind leichte Holznoten auszumachen, die sich mit den Jahren sicher gut in die Gesamtkomposition einbinden werden, ansonsten aber ist er getragen von einer frischen Säure und bleibt filigran und lange am Gaumen.

Fazit: Ein Bordeaux, der zu diesem Preis nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft viel Freude machen wird.

Kredenzen zu:
…Gerichten mit dunklem Fleisch
…Grilladen
…einer Auswahl an Hartkäse
…einer kubanischen Zigarre

Trinkreife: 2020 bis 2034

Preis: CHF 37.50 bei Mövenpick Wein

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 94 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 18 / 20 Punkten (*strong buy, zwingend in den Keller legen*)

Kir-Yianni: Dyo Elies 2013

«Dyo Elies» bedeutet im Griechischen «zwei Oliven» oder auch Olivenbäume – und bezieht sich auf zwei Olivenbäume, die inmitten des Weinguts Kir-Yianni in Imathia, einer Provinz in Nordgriechenland, wachsen. Das Weingut wurde 1997 gegründet. Wer schon einmal am internationalen Flughafen von Athen war, kann sich vielleicht an eine der zwei Kir-Yianni Weinbars erinnern, die dort 2014 bzw. 2015 eröffnet wurden. Aufgrund seiner unterschiedlichen Böden und mikroklimatischen Verhältnisse werden die Reben in 33 verschiedene Bereiche unterteilt, die alle – teils mehrfach – separat geerntet und im Weingut je nach Eignung sortiert werden. Der Dyo Elies ist aus drei Weinsorten komponiert – Syrah soll für die Würze sorgen, Merlot für einen gehaltvollen Körper und die griechische Sorte Xinomavro (übersetzt mit «sauer» und «schwarz») liefert die spezielle Note für ein komplexes Bouquet. Der Wein reift 16 Monate in französischen und amerikanischen Eichenfässern, danach sechs Monate in der Flasche.

Traubensorten: Syrah (60%), Merlot (30%), Xinomavro (10%)

Auge: dunkles Kirschrot, fast Schwarz

Nase: animalische Noten, Eukalyptus, Stall-, Leder- und Bibliotheksnoten, umrahmt von dunkelbeerigen Aromen, vor allem auch nach Brombeeren – die volle Ladung Aromen bereits in der Nase, aber auch schon leicht alkoholisch (15% Alkoholgehalt)

Gaumen: hier liegt der Fokus mehr auf der Frucht als in der Nase – schwarze Johannisbeeren, Brombeeren und Himbeeren, ganz leichte Bibliotheksnoten, sehr weiche Tannine, mittlerer Abgang, der jedoch nicht ganz lupenrein ist

Fazit: Schöner Sommerwein, aber Alkohol und Frucht sind nicht ideal austariert. Gut für den unkomplizierten Genuss, aber weniger empfehlenswert als komplexer Essensbegleiter.

Kredenzen zu:
…einfachen Pasta-Gerichten
…leichten Vorspeisen oder zum Apéro an sehr warmen Sommerabenden
…mild gewürzten Hauptgängen

Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: Jahrgang 2013 ist ausverkauft –  bei kantos.ch ist Jahrgang 2015 für CHF 25.- erhältlich

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 86 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Ampelaia: Kepos 2013

Elisabetta Foradori – unsere ersten Assoziationen bei diesem Namen: Amphoren, Bio, spannende Entwicklung. Im 2013 haben wir an dieser Stelle den Nosiola Fontanasanta vorgestellt, letztes Jahr war der Morei Teroldego dran. Beide sind aus autochthonen Traubensorten, die bei Blinddegustationen fast unmöglich zu erraten sind. Auch hier beim Kepos («Garten») ist die Zusammensetzung eher was für Fortgeschrittene – aber der Genuss überaus zugänglich. Das Weingut Ampelaia («ampelos» steht im Griechischen für Rebstock) ist ein Nebenprojekt der erfolgreichen Winzerin, welches sie zusammen mit Freunden 2002 gestartet hat. Es liegt in Roccatederighi, ein Dörfchen hoch auf einem Felsmassiv im Hinterland der Maremma. Die Produktion der 150’000 Flaschen bzw. alle auf 35 Hektar verteilten Anbauflächen werden schrittweise auf biodynamisch umgestellt, ein Grossteil ist es bereits. Die Reife des Kepos erfolgt für 11 Monate in Zementtanks und grossen Holzfässern, danach fünf Monate in der Flasche.

Traubensorten: Alicante Nero, Carignano, Alicante Bouschet

Auge: dunkles Violettschwarzrot

Nase: rotbeerig, dunkle Beeren, dominant sind schwarze Kirschen, krautige Noten

Gaumen: Aromen nach dunklen Beeren, vermischt mit herben Mittelmeernoten, im Gaumen weich und rund, mittellanger und sehr harmonischer Abgang, umrahmt von leicht rauchigen Noten

Fazit: «Un vino per tutti i giorni» (Bindella)? – ja, definitiv! Geht auch im Sommer bei heisseren Temperaturen. Und gegen das faire Preis- / Leistungsverhältnis haben wir auch absolut nichts einzuwenden. Ausserdem wird er den meisten Gästen schmecken – nicht nur den Bioliebhabern!

Kredenzen zu:
…Pasta-Kreationen
…Grillgerichten
…indischen Vegi-Gerichten

Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: Jahrgang 2014 bei Bindella.ch für CHF 21.-

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

Marchand-Tawse: Saint-Romain 2011

Pascal Marchand ist ursprünglich aus Québec, arbeitet aber bereits seit 30 Jahren im Burgund als Weinproduzent. Nachdem er über viele Jahre diverse Weingüter repräsentiert und beraten hat, gründete er 2006 in Nuits-Saint-Georges sein eigenes Projekt. 2010 entschlossen sich Morey Tawse, Inhaber der Tawse Winery im kanadischen Ontario, und Marchand zu einem gemeinsamen Unternehmen – und Marchand-Tawse war geboren mit 60 verschiedenen Burgund-typischen Weinen im Angebot. Marchand setzt auf biodynamischen und ökologischen Weinbau und legt grossen Wert darauf, jede Weinsorte gemäss ihrem Terroir auszubauen. Jancis Robinson beschreibt ihn als “einen der am meisten beneideten Männer im Burgund”, da er von 14 Grand Cru Lagen jedes Jahr verschiedene Top-Burgunder produzieren darf – unabhängig von den finanziellen Verpflichtungen, die eine solche Produktion normalerweise mit sich bringt. Neben französischen Weinen produziert er auch in West-Australien. Wir haben den Chardonnay Saint-Romain probiert. Die Reben dafür reifen langsam dank ihrer Lage auf Combe Bazin, einem Weinberg auf Kalkstein-Boden und in Westlage. Der Chardonnay kommt nach der Ernte für 18 Monate in französische, ein Jahr alte Eichenfässer. Bei den Lagerungs- und Reifeprozessen achtet Marchand-Tawse auch auf die Zyklen im Mondkalender.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Auge: helles Zitronengelb miti grünen Reflexen

Nase: Zitrusnoten, Pfirsich, Heu, sehr frisch und blumig, grüne Noten nach Farn

Gaumen: sehr feingliedrig und elegant beim ersten Eindruck, im Vordergrund Quitten und gelbe Steinfrüchte, im Abgang reife Ananas, frische tropische Noten, leicht mineralisch-farnige Noten, eine tragende Säure begleitet den recht langen Abgang

Fazit: Unaufgeregt, frisch und klassisch, aber trotzdem kraftvoll – der Saint-Romain macht sich auch im grossen Burgunderglas schön breit. Für den Aktionspreis von CHF 25.- würden wir ihm auch ein *da kommt Freude auf* Prädikat verleihen!

Kredenzen zu:
…milden Asia-Gerichten
…leichten Fischgerichten
…Low Carb Salaten
…einem unkomplizierten Apéro auf der Terrasse, der auch Weingeniessern Freude macht

Trinkreife: jetzt bis 2016

Preis: momentan Aktion für Jahrgang 2011, CHF 35.- / im Moment Aktion für CHF 25.- bei www.realwines.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Domaines Ott: Château de Selle 2016

Chateau de Selle Domaine Ott

Bei einer sommerlichen Degustationsrunde im Seerestaurant Quai 61 in Zürich-Enge löste unser Thema nicht nur Begeisterungsstürme aus: Rosé – von Weinkennern genauso geliebt wie die Pâtisserie von Köchen. Wir haben uns dem Sommer zuliebe auf das Experiment eingelassen und gemeinsam mit Weinprofi und Buchautor Peter Keller sechs verschiedene Rosé-Weine bewertet. Fazit: lange nicht jeder lässt einen von «la vie en rose» träumen. Klar obenaus schwang der Château de Selle von Domaines Ott aus Frankreich – vielleicht einer der untypischsten Rosés der Runde. Das Weingut Domaines Ott wurde von Marcel Ott 1896 gegründet und 2004 an Louis Roederer verkauft. Was abgesehen von seiner Farbe bei diesem Rosé sofort ins Auge fällt, ist die Flaschenform. Sie ist ein Markenzeichen der Domaines Ott und soll an die klassische Amphore erinnern, in welcher früher der Wein gekühlt wurde. Neben Château Selle gehören noch Clos Mireille und Château Romassan zu den Weingütern der Domaine Ott. Peter Kellers Urteil zum noblen Rosé lässt sich hier nachlesen: https://www.nzz.ch/gesellschaft/der-wein-der-woche-la-vie-en-rose-ld.1306774

Traubensorte: 63% Grenache, 22% Cinsault, 10% Syrah, 5% Cabernet Sauvignon

Auge: sehr helles Rosa mit goldenen Reflexen

Nase: Mirabellen, Pfirsiche und Aprikosen, mineralische Noten

Gaumen: Steinobst und Zitrusfrüchte im Vordergrund, umrahmt von mineralisch-feinen Noten, getragen von einer knackigen Säure

Fazit: Ein frischer, klassisch-unaufgeregter Begleiter von sommerlichen Abenden auf der Terrasse oder irgendwo am See. Neben der Flaschenform fällt der doch gehobene Preis für einen Rosé ins Auge.

Kredenzen zu:
…einem unkomplizierten Apéro
…leichten Fischgerichten und Vorspeisen
…Antipasti und Mezzeh

Trinkreife: jetzt bis 2016

Preis: momentan Aktion für Jahrgang 2016, 34.50 (statt 39.50) bei Schubi Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 87 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Laimburg: Col de Réy 2010

Ein Wein mit Historie – «Col de Réy» ist ein ladinischer Name, der aus der Sagenwelt der Dolomiten stammt. Seine Bedeutung: «Hügellagen mit aussergewöhnlichen Rebsorten und Trauben von hoher Güte». Im Landesweingut Laimbach unterscheidet man zwischen zwei Qualitätsstufen, der Burgselektion und den Gutsweinen. Der Col de Réy gehört zur Burgselektion. Das Weingut vereint 50 Hektar Rebfläche in allen Weinbauzonen Südtirols. Als Landesweingut werden in der Laimburg nicht nur bestehende Traubensorten verfeinert und ausgebaut, sondern man experimentiert auch mit dem Anbau neuer Sorten – wie zum Beispiel Tannat. Im Gebiet wurden die ältesten bisher bekannten Traubenkerne des deutschen Sprachraums gefunden – sie sind über 2400 Jahre alt. Deshalb geht man davon aus, dass die Laimburg das älteste Weinbaugebiet im deutschen Sprachraum ist.

Traubensorten: Lagrein (50%), Petit Verdot (30%), Tannat (20%)

Auge: dunkles, fast schwarzes Kirschrot

Nase: Sauerkirschen, Süssholz, grüne Tannennadeln, sauberes Nappaleder, Pneu

Gaumen: schwarze Schokolade mit hohem Kakao-Anteil trifft auf fruchtig-trockenen Beerenmix, Lakritze-Aromen vereinen sich mit ätherischen (Grill-typischen) Kräutern; der Abgang ist trocken, lang, komplex und voll auf der Frucht

Fazit: kein Wein für Anfänger. Es lohnt sich, ihm eine Viertelstunde Luft zu geben. Der Col de Réy kann polarisieren – scheint er erst ein typischer Blender, entfalten sich seine Aromen vor allem zum passenden Abendessen so richtig gut. Alleine getrunken, braucht er Stehvermögen! Uns überzeugt er mit einem kompakten, langen Abgang und einer überraschend tragenden Säure.

Kredenzen zu…
…deftigen, schweren Schmorgerichten
…Lamm
…Pasta mit hausgemachtem Ragu
…einer Käseauswahl, zum Beispiel aus dem Südtirol – kann auch deftig sein
…allen scharfen Gerichten

Preis: CHF 34.90 für Jahrgang 2012 bei Weinvogel.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala:  90 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala:  16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

The Sadie family: Skurfberg 2013

 

Ein ehemaliger Surfer, ein «enfant terrible» der Weinszene – und ein brillanter Weinproduzent: Der Kopf hinter den Weinen der Sadie Familiy ist Eben Sadie, 44. Den Weinbau lernte er 15 Jahre lang bei europäischen Winzern, bevor er zwei Jahre bei einem Weinpionier in Südafrika – Charles Back – tätig war. Eben Sadies Antrieb ist die Suche nach dem perfekten Wein. Er sieht seine Arbeit als Gedichte aus flüssigen Worten (gemäss einem Interview in der LA Times). Sein Name wird oft im gleichen Atemzug mit dem Columella genannt – sein erster Wein, der im Jahr 2000 auf Anhieb eine der höchsten Auszeichnungen erhielt und die Gegend Swartland, nördlich von Kapstadt, prominent im Radar der Weinkritiker positionierte. Sadie baut seine Weine verstreut über 60 Kilometer und 38 Einzelparzellen an – und ohne künstliche Bewässerung (nur die Besten überleben…). Seine Weinreben sind ausserdem ungewöhnlich alt. Auch die Rebstöcke für den Skurfberg werden nicht künstlich bewässert, was dem Wein ein kraftvolles Profil gibt. «Skurfberg» wird mit «unbiegsamer Berg» übersetzt. Das passt gut zu diesem sehr eigenen Chenin Blanc aus 88-jährigen Trauben, von dem jährlich nur ca. 400 Kisten produziert werden.

Traubensorte: 100% Chenin Blanc

Auge: helles, mineralisches Gelb

Nase: Popcorn, verbranntes Caramel, Steinobst – vor allem Aprikosen, grüne Farnnoten

Gaumen: Schon der erste Schluck ist crèmig-schmelzig, Frucht und Holz sind schön aufeinander abgestimmt, eine knackige Säure und elegante grün-farnige Aromen treffen aufeinander – der Abgang ist lang und stimmig, macht Lust auf mehr

Fazit: Zu früh gefreut? Irgendwie schon! Das gute Stück ist noch viel zu jung, macht aber jetzt schon Spass. Unsere Empfehlung deshalb klar – in den Keller legen und später geniessen!

Kredenzen zu…
…asiatischen Gerichten
…einem anspruchsvollen Apéro unter Weingeniessern
…einer Meeresfrüchte-Platte
Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: Jahrgang 2015 erhältlich für CHF 44.- bei KapWeine in Wädenswil

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 96 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 18 / 20 Punkten (*strong buy, zwingend in den Keller legen*)

Lanson: Extra Age Brut Rosé

Jubiläen und runde Geburtstage sind ja immer so eine Sache. Für die einen sind sie Anlass zu grossen Feiern, für andere nicht der Rede wert. Wenn aus einem Jubiläum wie dem 250. Jahrestag der Gründung des Champagner-Hauses Lanson jedoch so ein gelungenes Produkt entsteht wie die Prestige-Cuvée «Extra Age Brut Rosé», dann können wir sehr gut damit leben. Und wir verstehen nach der Degustation dieser Cuvée auch, warum Lanson seit 1928 offizieller Champagner-Hoflieferant des britischen Königshauses ist. Für die Spezialedition wurden ausschliesslich Trauben aus Premier Cru und Grand Cru Lagen von besonders gelungenen Jahrgängen (2002, 2004, 2005) verwendet. Bis zum Verkauf reift der Champagner mindestens fünf Jahre im Keller. Aufgrund seines Preises über 50 Franken fällt er in unsere besondere Kategorie «Winelovers deluxe» und wird daher nicht nach Punkten, sondern ausschliesslich nach den qualitativen Eindrücken bewertet. Und davon bringt der Lanson so einige mit.

Traubensorte: 65% Pinot Noir, 35% Chardonnay

Auge: pfirsichfarben, helles Lachsrosa

Nase: frisches Steinobst, Grapefruit-Zesten und angenehm frische, mineralische Noten treffen auf einen Anflug von Karamell

Gaumen: feine Perlage, sehr leichtfüssig und doch kraftvoll. Erst crèmig im Gaumen, folgt eine leichte, tragende Säure, die in einen langen Abgang begleitet. Die Komposition wirkt harmonisch, fluffig und ladylike, ohne belanglos zu sein. Schön!

Fazit und Degustationsempfehlung: Wir haben den Lanson Extra Age Brut Rosé statt in einem klassischen Flûte in einem Degustations-Glas von Edi the Nose getrunken – ein anderes grösseres Glas funktioniert aber auch. Denn der Rosé macht hier locker mit und zeigt seine Aromenvielfalt. Es lohnt sich, ihm vorab etwas Luft zu gönnen. Wir könnten uns gut vorstellen, dass er auch als Essensbegleiter eine gute Wahl ist. Kurzum: Wir sind begeistert und können diesen Rosé Champagner auch anspruchsvollen Schaumweingeniessern uneingeschränkt weiterempfehlen.

Kredenzen zu…
…einer sommerlichen Apéro-Runde auf der Terrasse
…guten Gesprächen und leichten Snacks, auch vom Grill
…einem Balik-Lachstatar, einem leichten Fischgericht oder nicht zu stark gewürzten Vorspeisen
…zur Feier des Tages

Trinkreife: bis 2025
Preis: CHF 71.-, erhältlich im Diwisa Online Shop, bei Gastro-Grossisten und im ausgewählten Fachhandel
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.
** Disclaimer: diese Probeflasche wurde uns freundlicherweise vom Hause Lanson zugestellt. Unsere Degustation erfolgte dabei nach den üblichen Kriterien. **

Julien Brocard: Chablis «Les Vaudevey» 2013

Aufgrund einer persönlichen Empfehlung haben wir diesen Bio-Chablis von Julien Brocard ausprobiert. Eins gleich vorweg: es hat sich gelohnt – unser Verdikt «kann man, muss man aber nicht» ist einzig dem Preis geschuldet. Für 42 Franken bekommt man aber nicht nur einen biodynamisch angebauten Weisswein, sondern ein authentisches, typisch französisches, ehrliches Geschmackserlebnis. Die Familie Brocard ist die grösste Weinproduzentin im Chablis. Julien Brocard hat nach seinem Ingenieur-Studium den Betrieb komplett auf biologischen Anbau umgestellt (75 Hektar biologisch, 50 Hektar biodynamisch bewirtschaftet). Mehrere tausend Besucher pro Jahr haben die Familie dazu veranlasst, rund 3 Millionen Euro in die Umgestaltung ihrer Räumlichkeiten zu stecken, um in Zukunft auch grössere Gruppen für Weinevents unterbringen zu können. Ihre Chablis werden in über 50 Länder exportiert. Das spiralförmige Symbol, ein Ammonit, ist das Logo des Weinguts und stellt neben der Verbundenheit zur Natur das ständige Streben nach Verbesserung dar.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Auge: helles, reines Goldgelb

Nase: schöne Honignoten, die fast an Met erinnern; Kamille, Stroh bzw. Heu, unreife Quitten, gelbfruchtige Aromen, Äpfel und Birnen

Gaumen: Vom ersten Schluck an vollmundig und rund. Eine deutliche Säure trägt den aromenreichen Geschmack in eine schöne Länge. Mineralische Noten begleiten angenehm. Der Abgang ist buttrig, mit leichten Vanille- und Röstaromen.

Fazit: Ein direkter, ehrlicher Chablis, der im Geschmack voll überzeugt. Mehr davon, bitte!

Kredenzen zu…
…Spaghetti Vongole
…einer Meeresfrüchte-Platte
…einem Apéro mit guten Freunden
Trinkreife: jetzt bis 2021

PreisBaur au Lac Vins für 42.- CHF

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)