The Sadie family: Skurfberg 2013

 

Ein ehemaliger Surfer, ein «enfant terrible» der Weinszene – und ein brillanter Weinproduzent: Der Kopf hinter den Weinen der Sadie Familiy ist Eben Sadie, 44. Den Weinbau lernte er 15 Jahre lang bei europäischen Winzern, bevor er zwei Jahre bei einem Weinpionier in Südafrika – Charles Back – tätig war. Eben Sadies Antrieb ist die Suche nach dem perfekten Wein. Er sieht seine Arbeit als Gedichte aus flüssigen Worten (gemäss einem Interview in der LA Times). Sein Name wird oft im gleichen Atemzug mit dem Columella genannt – sein erster Wein, der im Jahr 2000 auf Anhieb eine der höchsten Auszeichnungen erhielt und die Gegend Swartland, nördlich von Kapstadt, prominent im Radar der Weinkritiker positionierte. Sadie baut seine Weine verstreut über 60 Kilometer und 38 Einzelparzellen an – und ohne künstliche Bewässerung (nur die Besten überleben…). Seine Weinreben sind ausserdem ungewöhnlich alt. Auch die Rebstöcke für den Skurfberg werden nicht künstlich bewässert, was dem Wein ein kraftvolles Profil gibt. «Skurfberg» wird mit «unbiegsamer Berg» übersetzt. Das passt gut zu diesem sehr eigenen Chenin Blanc aus 88-jährigen Trauben, von dem jährlich nur ca. 400 Kisten produziert werden.

Traubensorte: 100% Chenin Blanc

Auge: helles, mineralisches Gelb

Nase: Popcorn, verbranntes Caramel, Steinobst – vor allem Aprikosen, grüne Farnnoten

Gaumen: Schon der erste Schluck ist crèmig-schmelzig, Frucht und Holz sind schön aufeinander abgestimmt, eine knackige Säure und elegante grün-farnige Aromen treffen aufeinander – der Abgang ist lang und stimmig, macht Lust auf mehr

Fazit: Zu früh gefreut? Irgendwie schon! Das gute Stück ist noch viel zu jung, macht aber jetzt schon Spass. Unsere Empfehlung deshalb klar – in den Keller legen und später geniessen!

Kredenzen zu…
…asiatischen Gerichten
…einem anspruchsvollen Apéro unter Weingeniessern
…einer Meeresfrüchte-Platte
Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: Jahrgang 2015 erhältlich für CHF 44.- bei KapWeine in Wädenswil

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 96 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 18 / 20 Punkten (*strong buy, zwingend in den Keller legen*)

Lanson: Extra Age Brut Rosé

Jubiläen und runde Geburtstage sind ja immer so eine Sache. Für die einen sind sie Anlass zu grossen Feiern, für andere nicht der Rede wert. Wenn aus einem Jubiläum wie dem 250. Jahrestag der Gründung des Champagner-Hauses Lanson jedoch so ein gelungenes Produkt entsteht wie die Prestige-Cuvée «Extra Age Brut Rosé», dann können wir sehr gut damit leben. Und wir verstehen nach der Degustation dieser Cuvée auch, warum Lanson seit 1928 offizieller Champagner-Hoflieferant des britischen Königshauses ist. Für die Spezialedition wurden ausschliesslich Trauben aus Premier Cru und Grand Cru Lagen von besonders gelungenen Jahrgängen (2002, 2004, 2005) verwendet. Bis zum Verkauf reift der Champagner mindestens fünf Jahre im Keller. Aufgrund seines Preises über 50 Franken fällt er in unsere besondere Kategorie «Winelovers deluxe» und wird daher nicht nach Punkten, sondern ausschliesslich nach den qualitativen Eindrücken bewertet. Und davon bringt der Lanson so einige mit.

Traubensorte: 65% Pinot Noir, 35% Chardonnay

Auge: pfirsichfarben, helles Lachsrosa

Nase: frisches Steinobst, Grapefruit-Zesten und angenehm frische, mineralische Noten treffen auf einen Anflug von Karamell

Gaumen: feine Perlage, sehr leichtfüssig und doch kraftvoll. Erst crèmig im Gaumen, folgt eine leichte, tragende Säure, die in einen langen Abgang begleitet. Die Komposition wirkt harmonisch, fluffig und ladylike, ohne belanglos zu sein. Schön!

Fazit und Degustationsempfehlung: Wir haben den Lanson Extra Age Brut Rosé statt in einem klassischen Flûte in einem Degustations-Glas von Edi the Nose getrunken – ein anderes grösseres Glas funktioniert aber auch. Denn der Rosé macht hier locker mit und zeigt seine Aromenvielfalt. Es lohnt sich, ihm vorab etwas Luft zu gönnen. Wir könnten uns gut vorstellen, dass er auch als Essensbegleiter eine gute Wahl ist. Kurzum: Wir sind begeistert und können diesen Rosé Champagner auch anspruchsvollen Schaumweingeniessern uneingeschränkt weiterempfehlen.

Kredenzen zu…
…einer sommerlichen Apéro-Runde auf der Terrasse
…guten Gesprächen und leichten Snacks, auch vom Grill
…einem Balik-Lachstatar, einem leichten Fischgericht oder nicht zu stark gewürzten Vorspeisen
…zur Feier des Tages

Trinkreife: bis 2025
Preis: CHF 71.-, erhältlich im Diwisa Online Shop, bei Gastro-Grossisten und im ausgewählten Fachhandel
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.
** Disclaimer: diese Probeflasche wurde uns freundlicherweise vom Hause Lanson zugestellt. Unsere Degustation erfolgte dabei nach den üblichen Kriterien. **

Julien Brocard: Chablis «Les Vaudevey» 2013

Aufgrund einer persönlichen Empfehlung haben wir diesen Bio-Chablis von Julien Brocard ausprobiert. Eins gleich vorweg: es hat sich gelohnt – unser Verdikt «kann man, muss man aber nicht» ist einzig dem Preis geschuldet. Für 42 Franken bekommt man aber nicht nur einen biodynamisch angebauten Weisswein, sondern ein authentisches, typisch französisches, ehrliches Geschmackserlebnis. Die Familie Brocard ist die grösste Weinproduzentin im Chablis. Julien Brocard hat nach seinem Ingenieur-Studium den Betrieb komplett auf biologischen Anbau umgestellt (75 Hektar biologisch, 50 Hektar biodynamisch bewirtschaftet). Mehrere tausend Besucher pro Jahr haben die Familie dazu veranlasst, rund 3 Millionen Euro in die Umgestaltung ihrer Räumlichkeiten zu stecken, um in Zukunft auch grössere Gruppen für Weinevents unterbringen zu können. Ihre Chablis werden in über 50 Länder exportiert. Das spiralförmige Symbol, ein Ammonit, ist das Logo des Weinguts und stellt neben der Verbundenheit zur Natur das ständige Streben nach Verbesserung dar.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Auge: helles, reines Goldgelb

Nase: schöne Honignoten, die fast an Met erinnern; Kamille, Stroh bzw. Heu, unreife Quitten, gelbfruchtige Aromen, Äpfel und Birnen

Gaumen: Vom ersten Schluck an vollmundig und rund. Eine deutliche Säure trägt den aromenreichen Geschmack in eine schöne Länge. Mineralische Noten begleiten angenehm. Der Abgang ist buttrig, mit leichten Vanille- und Röstaromen.

Fazit: Ein direkter, ehrlicher Chablis, der im Geschmack voll überzeugt. Mehr davon, bitte!

Kredenzen zu…
…Spaghetti Vongole
…einer Meeresfrüchte-Platte
…einem Apéro mit guten Freunden
Trinkreife: jetzt bis 2021

PreisBaur au Lac Vins für 42.- CHF

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Unterganzner: St. Magdalener klassisch 2014

Josephus und Barbara Mayr vom Weingut Mayr-Unterganzner sind bekannt für ihren in der Gegend sogar als «legendär» gehandelten Lagrein Riserva. Das Weingut liegt im Osten von Bozen / Bolzano und erfreut sich dank diverser Flüsse eines konstant kühlen Windes. Seit 30 Jahren verzichtet man bei Mayr-Unterganzner im Anbau auf Kunstdünger und Herbizide. Wir haben bei einem kleinen Abstecher ins Südtirol ihren St. Magdalener probiert, einen leichten Rotwein mit Hauptanteil Vernatsch. Diese Traubensorte ist die häufigste Rotweinsorte im Südtirol. Die Reben wachsen auf Glazialschotter und Porphyr-Verwitterungsboden und sind im Durchschnitt 20 Jahre alt. Der St. Magdalener wird wenig überraschend vor allem in der Gegend um St. Magdelena angebaut. (Wer am 22. Juli zufällig in der Gegend ist: am St. Magdalener Kirchtag wird traditionellerweise und seit 1922 der neue Jahrgang öffentlich verkostet. Der Anlass scheint sich ganz ohne Marketingmassnahmen grosser Beliebtheit zu erfreuen.) Der Magdalener klassisch wird anfang bis Mitte Oktober gelesen und in kleinen und mittelgrossen Holzfässern ausgebaut.

Traubensorte: Vernatsch (90%; Grossvernatsch, Tschaggelevernatsch) & Lagrein (10%)

Auge: dunkles Kirschrot mit lila Rand

Nase: Brombeeren, Blaubeeren, leicht krautige Noten

Gaumen: Kirschjoghurt trifft überkochende Milch – leichte Laktosenoten, saure Kirschen und frische Erdbeeren, ein warmer Abgang

Fazit: Leicht und unbeschwert, sauber und geradlinig, mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis – die Traubensorte muss man mögen, sollte man aber einmal zumindest probiert haben. Wir sind seit dem Vernatsch von Muri-Gries ziemlich begeistert. (Blogpost dazu folgt, sobald wir wieder einmal eine Flasche ergattern können…)

Kredenzen zu…
…nichts Scharfem – eher milden Gerichten
…klassischem Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat
…einer leichten Jausn – einem Aufschnitt-Teller mit Südtiroler Speck oder Rohschinken; perfekt auch zu rauchigen Noten
Trinkreife: jetzt bis 2022

Preis: Jahrgang 2015 für CHF 18.90 bei Weinvogel.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala:  87 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala:  16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

Knipser: Kalkmergel Spätburgunder 2007

Unsere Weinreise führt uns diesmal 10 Jahre zurück – und nach Laumersheim, einer Ortschaft in Rheinland-Pfalz. Einwohner? 883. Webseite? www.laumersheim.de, das letzte Update könnte auch gut 10 Jahre her sein… Das Familienunternehmen und Weingut Knipser ist bereits seit 1876 in Laumersheim ansässig. Auf 75 Hektar werden vorwiegend die einheimischen Rebsorten Riesling und Spätburgunder angebaut. Der Kalkmergel ist eine Cuvée aus diversen Spätburgundern, die vor allem aus der Lage Grosskarlbacher Burgweg stammen (einem «sehr geschützten, relativ steilen Südhang über dem Eckbachtal mit extrem hohem Kalkanteil» – http://www.weingut-knipser.de). Der Ausbau dieser Cuvée erfolgt im Barrique, zu 30-50 Prozent in neuen Fässern. Das Weingut wird zu den Besten in Deutschland gezählt – wir finden: nicht ohne Grund! Was auch der 2007er Kalkmergel Spätburgunder lässig beweist.

Traubensorte: 100% Spätburgunder

Auge: kräftiges Rot mit braunem Rand

Nase: ausgeprägte Erdbeer- und Himbeernoten, erinnert an Glacé im Sommer; Kindheitserinnerungen nach Süssholzstengeln steigen auf; reife Aromen, sehr dicht, dunkle Kirschen

Gaumen: volle Fruchtladung im Vordergrund – ein fetter, reifer Kompottmix aus Erdbeeren, roten Früchten und Sauerkirschen, garniert mit süssen Laktose-Elementen, gleichzeitig umrahmt von einer ausgeglichenen Säure-Holz-Struktur, die dem Wein Länge und Charakter gibt, Abgang lang und harmonisch

Fazit: Ein idealer Essensbegleiter, der in der richtigen Kombination noch mehr Spass macht als alleine. Ideales Trinkalter – die leicht malzige Süsse beweist es. Mit 13.5 Volumenprozent ist er zudem filigran und nicht zu schwer. Wer Pinot mag, wird den Kalkmergel 2007 lieben!

Kredenzen zu…
…Züri mit hausgemachter Rösti
…Pastagerichten, z.B. Spaghetti mit Ragu oder Lasagne mit einem rezenten Käse
…einem spannenden Krimi bei Regenwetter, z.B. von Ian Rankin
Trinkreife: jetzt bis 2022

Preis: CHF 25.- für Jahrgang 2013, erhältlich bei Riesling & Co.

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala:  89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala:  16 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

Aleksic: Zuti Cvet 2015

«Gelbe Blüte» – so heisst diese Kreation des Weinguts Aleksic. Wer noch nie von der Traubensorte Tamjanika oder vom Weingut gehört hat, ist nicht allein. Auch wir haben erstmals einen autochthonen Weisswein aus Serbien probiert. Der Name der Traubensorte Tamjanika kommt gemäss Wikipedia vom Wort «Tamjan» – Weihrauch, was an den Geruch der reifen Trauben erinnern soll, den man schon in einiger Entfernung wahrnimmt. Der Zuti Cvet wird von Aleksic produziert, ein Weingut im Süden von Serbien, das von drei Schwestern der Familie Aleksic und einer Önologin geführt wird. Ihre Weine haben an internationalen Weinmessen schon mehrere Preise abgeräumt. Auch in den Weinführer von Johnson haben es die Schwestern geschafft. Der Tamjanika ist dank einem Tipp des Weinimporteurs Daniel Momcilovic bei uns ins Glas gelandet. Und dem unbeschwerten Weissen gelingt eines auf Knopfdruck: Feriengefühle auszulösen.

Traubensorte: 100% Tamjanika

Auge: Sehr helles Gelb, nah bei Weiss

Nase: Zitronennoten, Rosen- und Blumendüfte, Grapefruit und mineralische Noten – vielversprechend!

Gaumen: Wie die Nase schon verspricht, kommt er vollmundig, dann zitrusbetont und mit einer knackigen Säure daher. Herbe Noten folgen, die an Bittermandeln erinnern. Der Abgang ist frisch, kurz und die Aromen schön ausgeglichen.

Fazit: Eine spannende Sache, die an eine Mischung aus Sauvignon Blanc und Viognier erinnert. Für Weinkenner sicher ein Mitbringsel mit Überraschungseffekt – für Heimweh-Serben oder Ferienfans des Mittelmeers eine schöne Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen!

Kredenzen zu…
…asiatischen Gerichten
…einem unkomplizierten Apéro
…Fischgerichten
Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: CHF 13.90 bei mojeVINO

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 85 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

**Disclaimer: Dieser Wein wurde uns freundlicherweise von mojeVINO zur Verfügung gestellt.**

Polz: Therese 2015

In der Südsteiermark, unmittelbar an der Grenze zu Slowenien, liegt das Weingut von Erich und Walter Polz. Wer noch nicht dort war, sollte das unbedingt nachholen – vor allem Verkostungen im «Kellerstöckl» (die Polz’sche Variante des Tasting Rooms) machen Architektur- und Weinliebhabern gleichermassen Spass. Die Familie Polz produziert fast ausschliesslich Weissweine mit den ortstypischen Sorten Welschriesling, Sauvignon Blanc, gelber Muskateller, Weissburgunder und Morillon. Das südsteirische Label «Steirische Klassik» vertreten sie zusammen mit neun anderen Weingütern. Daneben werden Lagenweine produziert. Die bekanntesten Lagen sind die Theresienhöhe, der Grassnitzberg, Hochgrassnitzberg und Obegg. Wir kennen vor allem die älteren Jahrgänge und wollten die bekannte «Therese» in einer jüngeren Ausgabe wieder einmal probieren.

Traubensorte: 100% Sauvignon Blanc

Farbe: Helles, zitroniges Gelb mit grünen Reflexen

Nase: Cassis, Stachelbeeren, Zitrusfrüchte, Steinobst, dazu grasig-grüne und mineralische Noten

Gaumen: Kompakte Frucht mit einer spitzen Säure, verspricht in der Nase etwas mehr, als der Gaumen halten kann. Sehr typische Aromen nach Stachelbeeren und Cassis. Wirkt noch etwas «grün» – die Aromen erinnern an grüne Peperoni und Farn. Der Abgang ist knackig und kurz, mit frischen mineralischen Zitrusnoten.

Fazit: Als langjährige Polz-Trinker kennen wir Therese-Jahrgänge, die uns schlicht umgehauen haben. Bei dieser eher jüngeren Variante ist das noch nicht der Fall. Kann man zum Apéro trinken, muss man aber nicht. Wir würden ihn eher in den Keller legen und abwarten. Oder etwas Älteres von Polz trinken…

Kredenzen zu…
…asiatischen Gerichten
…einem unkomplizierten Apéro
…Fischgerichten
Trinkreife: jetzt bis 2020

PreisBaur au Lac Vins für 26.50 CHF

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 88 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Georges Descombes: Morgon Vieilles Vignes 2014

Weingeniesser.ch: Georges Descombes

Bei unserem traditionellen Wein-Tasting mit NZZ am Sonntag Autor Peter Keller (hier gehts zu seinem Beitrag auf NZZ Bellevue) spielte die Traubensorte Gamay die Hauptrolle. Beim Einkauf stellten wir fest, dass kaum Schweizer Gamay zu bekommen war – und wenn doch, ernteten wir erstaunte Blicke (wer kauft denn sowas?). In Frankreich, genauer im Beaujolais, liegt denn auch die Hauptanbaufläche für den Gamay. Zu den besten Lagen zählen jene zehn, die als «Grand Cru» klassifiziert sind (Brouilly, Côte de Brouilly, Saint-Amour, Juliénas, Chénas, Chiroubles, Fleurie, Moulin à Vent, Morgon, Régnié). Unser Sieger der Blinddegustation hat deutlich gewonnen: Der Morgon Vieilles Vignes 2014 von Georges Descombes überzeugte uns mit Eleganz, Länge und Frische. Descombes Weingut liegt in Villié-Morgon und bewirtschaftet ca. 16 Hektaren in unterschiedlichen Grand Cru Lagen. Der Winzer zählt zu den Pionieren im Bio-Weinbau. Seine Gamays baut er auf die klassische «Maceration carbonique» Methode aus, bei welcher die Trauben im Ganzen unter einer Kohlensäureschicht vergoren werden.

Traubensorte: 100% Gamay

Auge: dunkles Braunrot, ausgeprägter Wasserrand

Nase: reife Kirschen und generell rotbeerige Noten wien Himbeeren, begleitet von einer gewissen Würze und leicht muffige Noten wie in einer Bibliothek mit alten Büchern

Gaumen: angenehme, ausgeprägte Säure, umrahmt von mineralischen Noten, leicht holzige Noten, mittellanger, ausgeglichener Abgang

Fazit: Es lohnt sich, den Morgon Vieilles Vignes etwas atmen zu lassen und ihm die Chance zu geben, auch ein toller Essensbegleiter zu sein – so können die alten Reben beweisen, welches Potential in ihnen steckt! Kein Wein für jeden – aber wer den Abstecher ins Beaujolais wagt, der wird belohnt.

Kredenzen zu…
…frühlingshaften Spargel-Kreationen
…leichten Fischgrilladen und hellen Fleischgerichten
…Salaten mit Bärlauch

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 26.50 bei www.cultivino.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15.5 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Veronica Ortega: La Roc Mencia 2014

La Roc 2014_weingeniesserCH

Für unsere traditionelle Degustationsrunde mit Weinkenner und NZZ Autor Peter Keller haben wir diesmal die Traubensorte Mencia zum Thema erklärt. Men-was? Genau, die Traubensorte und auch unser Siegerwein sind nicht besonders bekannt – ein echter Geheimtipp also. (Peter Keller hat Veronica Ortega schon im 2015 entdeckt – mehr zur spanischen Senkrechtstarterin in seinem Post vom 12.7.2015). Mencia ist eine autochthone Sorte aus Nordwestspanien, die besonders in der Region Villafranca del Bierzo verbreitet ist. Die Winzerin Ortega hat ihr Handwerk bei so renommierten Weingütern wie Romanée Conti und bei Alvaro Palacios gelernt. Und das merkt man.

Gespannt auf das Urteil von Peter Keller zum Mencia von Veronica Ortega? So bewertet er ihn in seinem Beitrag vom 2.2.2017 auf der Lifestyle Plattform “Bellevue” der NZZ.

Übrigens: In unserer Blinddegustation hat sich wieder einmal bewahrheitet, dass Wein ein Naturprodukt und als solches von vielen Faktoren abhängig ist. Wir hatten zwei Flaschen des La Roc, identischer Jahrgang, identische Bezugsquelle – die wir zwar ähnlich bewertet, aber unterschiedlich empfunden haben. Beiden zu eigen war jedoch, dass sie sich mit der Zeit und mit einem passenden Essensbegleiter sehr schnell entwickelt haben. Am Schluss waren sie so stark, dass sie sämtliche anderen Bewerber – auch solche, die 10 Franken teurer waren – weit hinter sich gelassen haben.

Auge: Kirschrot, deutlicher Wasserrand

Nase: rotbeerig und rauchig, man wähnt sich in einer Bibliothek mit alten Büchern und einem offenen Whiskeyfass, orientalisch-schwere Noten nach Moschus und Weihrauch, Würze

Gaumen: zuerst angenehm leicht und nicht allzu lang, mit Luft dann würzig und rund, mit einer ausgeglichenen Säure und einer eigenwilligen Frucht, feinen Tanninen und einer überzeugenden, eleganten Länge

Fazit: kein Alltagswein, wird der Mencia La Roc Weinkennern und Weinnovizen gleichermassen gefallen. Wir sind gespannt, wie er sich im Alter entwickelt – und freuen uns auf den Sommer, um ihn zu Grilladen zu geniessen.

Kredenzen zu…
…einem Fischgericht mit kräftiger Würze
…leichten Grill- und Fleischgerichten
…einer Aufschnitt- oder Käseplatte

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 39.- bei www.smithandsmith.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 92 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 17 / 20 Punkten (*buy, muss man getrunken haben*)

Tahbilk Estate: Tahbilk Museum Release 2010

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Der bekannte australische Weinkritiker James Halliday findet, dass jeder Australier, der in Sachen Wein etwas auf sich hält, die Weingüter von Tahbilk Estate besucht haben sollte. Wir finden: das könnte durchaus seine Berechtigung haben. 120 Kilometer – Australier würden sagen: in der unmittelbaren Nachbarschaft – von Melbourne gelegen, wurde das Weingut 1860 gegründet und heute noch als Familienbetrieb geführt. Aus dieser Zeit stammen auch die Marsanne Reben – gemäss Tahbilk gehören sie zu den ältesten der Welt und seien sogar nirgends so zahlreich vertreten wie hier. Wir sind vom Marsanne 2010 in der “Museum Release” Version begeistert – und auch vom Preis-/Leistungsverhältnis.

Auge: kräftiges Goldgelb mit grünen Reflexen

Nase: eine leichte Würze mit einer nussigen Note, die an Haselnuss erinnert, liegen oben auf. Danach folgen florale Aromen und Zitrusnoten

Gaumen: eine wunderbare Mischung aus Grapefruit, Ananas und floralen Noten, gepaart mit einer frischen knackigen Säure. Sehr vollmundig und trotzdem mild und geschmeidig. Der Abgang überzeugt mit Harmonie und einer mittleren Länge. Getragen wird er hauptsächlich von einer frischen Säure mit Zitrusnoten.

Fazit: ein Wein, der überzeugt!

Kredenzen zu…
…einem Feierabendglas vor dem Cheminée oder nach dem Schneeschaufeln
…einer mittelschweren Vorspeise
…Smalltalk auf der Sommerterrasse
…Kreationen mit Fisch oder hellem Fleisch

Trinkreife: sofort bis 2020

Preis: CHF 25.- bei www.realwines.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 92 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 17 / 20 Punkten (*buy, muss man getrunken haben*)

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