Vlassides: Opus Arti 2012

Das Weingut Vlassides liegt im Städtchen Kilani, südlich von Troodos. Wer jetzt noch nicht weiss, um welches Land es sich handelt, ist nicht allein. Auf die Empfehlung der Weinhandlung Paphos Weine haben wir uns nämlich an die Degustation diverser zypriotischer Weine gewagt. Eins schon vorweg: Mit eher kritischem Geist ausgerüstet, wurden wir positiv überrascht. Aber jetzt zurück zu Vlassides: Das Weingut produziert 120’000 Flaschen pro Jahr, davon ist ein Grossteil aus roten Traubensorten: Shiraz, Cabernet Sauvignon und Merlot. Aber sie experimentieren auch mit lokalen Traubensorten wie Xynisteri, Maratheftiko und Yiannoudi. Vom Opus Arti werden nur 3’000 Flaschen hergestellt, die Trauben werden von Hand geerntet. Der Wein reift 18 Monate in neuen Eichenfässern und reift zwei Jahre unfiltriert in der Flasche.

Traubensorten: Merlot, Cabernet Sauvignon und Shiraz

Auge: dunkles Violett-Schwarz

Nase: Rosmarin, ätherische und herbe Noten, Maulbeeren, typische Merlot-Aromen wie Stall, Leder, Pneu, dazu Peperoni und Süssholz

Gaumen: kräftig-krautige Noten, dunkle Beere, Würze, Holz- und Lederaromen im Vordergrund, gestützt von schönen feinen Tanninen, eine leicht angetrocknete Süsse und Trockenheit im Abgang, generell ein mittellanger, angenehmer Abgang, der von einer feinen Säure getragen wird

Fazit: Zugegeben, viel Erfahrung mit zypriotischen Weinen bringen wir nicht mit. Dieser aber hat uns mit seiner Kraft und Ausgeglichenheit überzeugt – und passt nicht nur zu den typischen Sommer-Grilladen, sondern ist auch ein Lichtblick im tristen Schweizer Winter. Interessantes Mitbringsel für Weinliebhaber! Noch viel mehr, weil der Opus Artis in einer Degustation der Zeitschrift «Vinum» 18 von 20 Punkten eingeheimst hat.

Trinkreife: jetzt bis 2022

Kredenzen zu…
…Schmorgerichten und Eintöpfen
…deftigen Pasta-Gerichten
…Lammkoteletts vom Grill
…einer Hartkäse-Platte mit Früchtebrot

Preis: Jahrgang 2012 für CHF 32.-, erhältlich bei Paphos Weine 

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Aagne: Pinot Blanc Chardonnay 2016

Aagne – im Schaffhauser Dialekt steht dieses Wort für «eigen» oder «anders». Der Familienbetrieb aus Hallau konzentriert sich auf den Anbau heimischer Sorten und produziert mit ökologischem Leistungsnachweis. Die Trauben, vor allem Pinot Noir und Riesling-Sylvaner, werden von Hand gelesen. Die Familien Saxer / Gysel / Hallauer baut aber auf ihren 10 Hektaren Rebfläche auch speziellere Sorten wie Cabernet Dorsa oder Rheinriesling an. Wer die Weine von aagne durchprobieren möchte, der hat an der Expovina Primavera Ende März in Zürich, am Tag der offenen Weinkeller in Hallau am 1. Mai oder an der Auffahrtsdegustation vom 10. bis 12. Mai auf dem Weingut selbst die Chance dazu. Wir haben die Pinot Blanc Chardonnay Cuvée des aktuellen Jahrgangs 2016 zu einem Apéro und kräftigen Vorspeisen ausprobiert.

Traubensorten: 50% Pinot Blanc, 50% Chardonnay

Auge: helles Goldgelb

Nase: ohne Schwenken leicht pilzige Noten, dann viel Frucht: Birnen, Grapefruit, gelbe Steinfrüchte, Zitrusaromen, Pfirsiche

Gaumen: ausgeprägte mineralische Noten, schön fett am Gaumen, mit Grannie Smith-Noten, Ananas, Quitten und Pfirsichen zum Schluss. Der Abgang wirkt noch etwas jugendlich und wird von leichter Kohlensäure begleitet, ist aber überraschend lang.

Fazit: Unaufgeregt gut, überzeugt der Pinot Blanc Chardonnay mit Inhalt statt mit vielen Worten.

Trinkreife: jetzt bis 2019

Kredenzen zu…
…kräftigen Suppen, Vorspeisen mit Wild
…Salat-Kreationen, zum Beispiel mit panierten Milken
…asiatischen Gerichten
…guten Gesprächen unter Freunden, die den schlichten Genuss schätzen

Preis: Jahrgang 2016 für CHF 19.-, direkt ab Gut im online Shop: https://aagne.ch/produkt/pinot-blanc/

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 16.5 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Azienda Agricola Negro Angelo & Figli: Prachiosso 2014

Die Traubensorte Nebbiolo ist im Piemont schon seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen – der Name leitet sich vermutlich von «nebbia», Nebel, ab. Die bekanntesten Weine bzw. Anbaugebiete sind Barolo und Barbaresco. Gemäss Jancis Robinson hat Nebbiolo zwar eine qualitativ erstrangige, quantitativ aber mit weniger als drei Prozent Erntemenge im Piemont fast vernachlässigbare Bedeutung. Jüngere Jahrgänge sind oft verschlossen, tanninreich und säurebetont, entwickeln sich aber mit den Jahren zu grossartigen, komplexen Essensbegleitern. Grund genug für uns und Weinexperte Peter Keller, dieser Traubensorte eine Blinddegustation zu widmen. Als Sieger aus den sechs Kandidaten ging der Prachiosso vom Weingut Negro Angelo & Figli hervor. Der Familienbetrieb hat sich seit 1670 dem Weinanbau verschrieben und produziert auf 70 Hektaren rund 350’000 Flaschen Wein, darunter vor allem Nebbiolo, aber auch Barbera, Dolcetto, Arneis (Giovanni Negro soll 1971 als Erster der Gegend einen trockenen Arneis produziert haben), Vermentino und Moscato. Die Trauben für den Prachiosso werden von Hand gepflückt und reifen danach 22 Monate in Eichenfässern (zur Hälfte in gebrauchten Barriques). Der Name «Prachiosso» leitet sich von der geographischen Bezeichnung des Weinbergs ab bzw. seiner Lage in einer «abgeschlossenen Aue», die sich durch viel Sonne und sandigen Boden auszeichnet.

Peter Kellers Urteil zu unserem Sieger der Nebbiolo-Runde ist hier nachzulesen: https://www.nzz.ch/gesellschaft/roero-prachiosso-agricola-negro-angelo-wiichaeller-uznach-ld.1350643

Traubensorte: 100% Nebbiolo

Auge: helles Braunrot mit leichtem Wasserrand

Nase: zuerst noch etwas verschlossen, dominieren würzige Noten und Süssholz, leichte rotbeerige Noten (Erdbeeren, Himbeeren), gefolgt von Brombeernoten.

Gaumen: Saftig und weich zugleich, angenehmes Zusammenspiel von Frucht und Frische, Barrique-Noten sanft eingebunden, im Abgang überraschend vollmundig und lang mit einer schönen Taninstruktur und einer tragenden Säure.

Fazit: Ein Nebbiolo, der jetzt schon Spass macht und sicher Potenzial für spätere Jahre mitbringt. Mit diesem Preis-/Leistungsverhältnis ein spannender Kandidat für den Keller!

Kredenzen zu…
…einer Käse-Auswahl
…Pasta-Gerichten
…kräftigen Fischgerichten, z.B. Steinbutt

Trinkreife: jetzt bis 2025
Preis: CHF 24.50 beim Wiichäller Rüesch & Grob in Uznach (www.wiichäller.ch)
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16.5 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Abtei Muri-Gries: Chardonnay 2016

Chardonnay Abtei Muri Gries 2016

Zum Jahresauftakt probieren wir den neuen Jahrgang vom Chardonnay eines unserer Lieblingsweingüter Abtei Muri-Gries (absolut top: ihr bislang ungeschlagener Lagrein). Die Südtiroler mit dem Önologen Christian Werth verfolgen einen geradlinigen, schnörkellosen Stil – und bleiben diesem auch bei diesem Chardonnay treu. Die Weissweine machen nur gerade 15 Prozent der gesamten Produktion des Weinguts (total ca. 650’000 Flaschen) aus. Angebaut werden Weissburgunder, Ruländer bzw. Grauburgunder, Chardonnay und Gewürztraminer. Der Chardonnay der einfacheren Linie Muri-Gries wird in der Lage Eppan, etwas westlich von Bozen und ausserhalb des Kerngebiets der Klosterkellerei gelegen, auf Kalk-Schotterböden an- und im Edelstahltank im modernen Weinkeller der Stiftskirche ausgebaut.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Farbe: helles Strohgelb mit grünen Reflexen

Nase: Zitrusnoten mit etwas Grapefruitzesten, Aromen nach weissem Pfirisich, danach folgen leicht grasige Noten, umrahmt von Feuerstein-Zältli

Gaumen: Weich und leichtfüssig im Fluss, verteilt er sich crèmig und getragen von einer feinen Säure im ganzen Gaumen. Grundsätzlich wirkt er sehr ausgewogen, aber die Frucht hält sich dezent im Hintergrund. Saftige Zitrusfrische und mineralische Noten dominieren. Ein sehr frischer, knackiger, nicht überladener Chardonnay mit einem mittellangen Abgang.

Fazit: Nichts Anstrengendes – aber der Chardonnay macht durchaus Lust auf mehr. Er ist kein Hauptdarsteller, aber macht als Nebendarsteller eine sehr gute Figur. Wir sind gespannt, wie sich der Wein in ein bis zwei Jahren entwickelt, wenn er die jugendlichen Noten ablegt.

Kredenzen zu…
…einem Apéro zu jeder Jahreszeit
…Sushi oder Sashimi
…Austern oder einem Gericht mit Muscheln
…Antipasti

Trinkreife: 2017 bis 2020
Preis: faire CHF 15.50 bei www.weinvogel.ch oder direkt ab Hof
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala

100er Skala: 87 / 100
Preis/Leistungsskala: 15.5 / 20 (*Kann man, muss man aber nicht*) ((knapp!))

Plô Roucarels: Plô Grand Bâtard 2015

Julia und Julien Gil träumen seit Kindheit von ihrem eigenen Weingut – 2006 machen sie den Traum wahr und erwerben 1.5 Hektar zwischen Carcassonne und Limoux. 2011 können sie sieben Hektar der Appellation Limoux dazukaufen. Die beiden diplomierten Weinfachleute legen viel Wert auf Handarbeit und versuchen, so biodynamisch wie möglich zu wirtschaften. Plô Roucarels heisst im Dialekt der Gegend von Südfrankreich, wo das Gut liegt, «kleines, steiniges Plateau» und bezeichnet die Lage des Orts, wo ihre ersten Reben wuchsen. Vom Plô Grand Bâtard Weiss produzieren sie rund 2’800 Flaschen. Den «Bâtard» bzw. Bastard sieht man auf dem Etikett – und ist eine Anspielung auf den nicht ganz sortenrein ausgebauten Chardonnay, einem hybriden Produkt, dem die beiden Winzer eine originelle Frische, Vollmundigkeit und burgundische Klasse attestieren – trotz seiner unkonventionellen Herkunft.

Traubensorte: Chardonnay (80%), Cheninc blanc (20%)

Auge: Goldgeldb

Nase: farnige, grüne Noten, Mandarinen, Duft nach Regen auf Steinen im Hochsommer, mineralische Noten

Gaumen: sehr fett und dicht, reife Noten von Ananas, Kumquat, Mango, Pfirsichen und Aprikosen, im Abgang Panettone und Rosinen, getragen von einer frischen Säure

Fazit: Ein Wein, der polarisiert. Hat das Potenzial von «everybodys darling», schafft es aufgrund seiner lieblich-umrahmenden Struktur nicht auf unsere Topliste. Redet etwas um den heissen Brei, als direkt klar zum Punkt zu kommen. Aber: mehrheitsfähig! Bio! Und mit einer spannenden Herkunftsgeschichte.

Kredenzen zu:
…einem winterlichen Apéro (die Aromen passen perfekt!)
…weihnachtlichen Vorspeisen-Platten
…einer Käseauswahl zur Vorspeise

Trinkreife: bis mindestens 2020

Preis: Jahrgang 2015 im Schnitt, wo überhaupt noch erhältlich, für EUR 22.50 bei Achetetonvin.com
Vollständige Liste mit Vertriebspartnern auf http://www.plograndbatard.com

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 89 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 15 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)

Château Lafaurie-Peyraguey: Grand vin sec 2014

Der Grand Vin Sec ist einer der Zweitweine von Lafaurie-Peyraguey. Bekannt ist das Weingut vor allem für seinen «Premier Grand Cru Classé» Sauternes. In direkter Nachbarschaft von Château d’Yquem gelegen, werden auf den 36 Hektaren von Lafaurie-Peyraguey vor allem Sémillon (93%), zu einem geringen Prozentsatz Sauvignon Blanc (6%) und Muscadelle (1%) produziert. Vom Sauternes verlassen jährlich 30-40’000 Flaschen das Gut, dazu kommen seit 2014 je circa 10’000 Flaschen der beiden Zweitweine – unseres hier vorgestellten Grand Vin blanc Sec  und vom «Le Lys de Lafaurie-Peyraguey». Besitzer ist seit 2013 der Schweizer Unternehmer Silvio Denz. Der Inhaber der Kristallmanufaktur Lalique hat die beiden Marken gekonnt miteinander verschmolzen: Seit 2014 ziert jede Flasche, die das Gut verlässt, die Gravur «Femme et raisins» von René Lalique (ein Werk aus dem Jahr 1928 – das entspricht auch ungefähr dem Alter der ältesten Rebstöcke des Guts).

Traubensorte: Sémillon (73%), Sauvignon blanc (27%)

Auge: Hellgelb mit leicht hellgrünen Reflexen

Nase: schöne Zitrusnoten und ein Anflug von Eukalyptus-Zältli, Stachelbeeraromen, farnige Noten, etwas Säure, umrahmt von leicht holzigen, warmen Noten und kühlem Schiefer

Gaumen: grüne unreife Oliven, mediterrane Mandarinen- und «grünen» Zestenaromen, sehr langer, sanfter, zitrusaromendominierter Abgang mit ausgeprägten, angenehmen Grapefruit- und Pomelo- Noten, präsentiert sich leichtfüssig-elegant mit einer breiten Aromatik und vielschichtiger Dimension

Fazit: Klar ein Wein der Luxusklasse. Er punktet mit einer vornehmen Zurückhaltung und stellt sich nicht protzig in den Vordergrund, sondern ist im Gegenteil angenehm unanstrengend. Dank seines Abgangs spielt er sich gekonnt ins Langzeitgedächtnis. Top.

Kredenzen zu:
…Moules et frites oder Pastagerichten mit Meeresfrüchten
…frischem Hummer oder Austern
…einem entspannten Wochenendglas auf der Terrasse oder vor dem Cheminée

Trinkreife: bis mindestens 2024

Preis: Jahrgang 2014 für CHF 45.- bei Denz Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 91 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 16.5 / 20 Punkten (*da kommt Freude auf*)

 

Larmandier-Bernier: Terre de Vertus 2010

«Ce vin, né d’une Terre de Vertus, a été élevé dans un esprit de liberté. Son caractère est entier. Il se présente à vous, singulier, pur, nature.» Sehr viel mehr steht nicht auf dem Etikett des Premier Cru Champagners vom Gut Larmandier-Bernier. Und sagt damit schon alles: Die Trauben für diesen Champagner kommen von einer Parzelle und von einem Jahrgang, verwendet wird ausschliesslich eine Traubensorte, nämlich Chardonnay. Ausserdem ist der Terre de Vertus ein «non dosé» Champagner, er wurde also nicht zusätzlich aufgezuckert. Das schmeckt nicht jedem Schaumwein-Geniesser gleich gut: Ein durchschnittlicher Brut hat 12 Gramm Zucker pro Liter, davon ist ein Gramm natürlich. Auch bei ihren anderen Champagnern setzt die Familie Larmandier nicht mehr als 4 Gramm Zucker pro Liter dazu. Beim Terre de Vertus gar keinen. Diese Philosophie steht aber einmal mehr für das Motto dieses Produkts: den reinen Geschmack aus der Traube natürlich zu transportieren. Das Weingut Larmandier bewirtschaftet im Dorf Vertus, 50 Minuten südlich von Reims, rund 15 Hektaren Rebgut, davon 85% Chardonnay und 15% Pinot Noir.

Traubensorten: 100% Chardonnay

Auge: kräftiges Goldgelb

Nase: leicht nussige, buttrige Aromen vermischen sich mit Zitrus- und Pfirsichnoten. Wuchtig voller Eindruck in der Nase, leichte Panettone-Noten im Abschluss.

Gaumen: weiche Perlage, fast schon crèmig – trotzdem aber leicht, beschwinglich und elegant. Frische Zitrusaromen werden von nussigen Noten begleitet. Im Abgang eine leicht herbe Note und eine schöne Würze. Langanhaltender Abgang, der harmonisch alle Aromen verbindet und Lust auf einen nächsten Schluck macht.

Fazit: Obwohl dieser Jahrgangschampagner eine beeindruckende Länge mitbringt, ist er nicht anstrengend und macht deshalb sehr viel Spass. Als langjährige Champagnertrinker sind wir sehr positiv überrascht von dieser Kreation und werden uns sicherlich einige Flaschen in den Keller legen. Insbesondere sind wir gespannt, wie er sich mit der Zeit machen wird.

Kredenzen zu…
…einem (vorweihnachtlichen) Apéro mit wirklich guten Freunden
…Seafood oder Balik-Lachs
…Austern oder einem Muschelgericht
…einem entspannenden Vollbad im Winter

Trinkreife: 2017 bis 2027
Preis: CHF 60.-, erhältlich online bei www.the-champagne.ch
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.

Lanson: Green Label

Biologischen Weinanbau einen Trend zu nennen, wäre weit untertrieben. Immer mehr Betriebe lassen sich zertifizieren und setzen auf biologische oder biodynamische Anbau- und Verarbeitungsmethoden. In punkto Champagner besteht aber definitiv noch Aufholbedarf (weniger als ein Prozent der gesamten Anbaufläche sind gemäss dieser Quelle bio-zertifiziert) – vor allem, was grössere Anbieter anbelangt. Diese Lücke schliesst nun das Haus Lanson mit der Lancierung des ersten Bio-Champagners, dem «Green Label». Äusserlich zeigen sich die Bio-Qualitäten daran, dass die Etikette aus Recycling-Papier hergestellt und bei der Produktion der Flasche dünnwandigeres Glas als üblich verwendet wurde. Auf den ersten Blick fällt auch das untypisch grüne Lanson-Logo auf – alles in allem aber keineswegs eine Flasche im Bio-Öko-Look, sondern wertig und mit viel Stil gemacht. Die inneren Qualitäten sind vom französischen Bio-Siegel «Agriculture Biologique» zertifiziert. Die Trauben stammen aus einem über 16 Hektar grossen biodynamischen Anbaugebiet im Marne-Tal. Dabei wird auf ausreichend Platz zwischen den Rebstöcken geachtet, damit andere Organismen zu einem gesunden Ökosystem beitragen können. Ausserdem wird möglichst wenig maschinell gearbeitet, als Kompost kommen nur organische Substanzen zum Einsatz. Wie auch bei allen anderen Produkten aus dem Hause Lanson verzichtet man auch beim Green Label bewusst auf die malolaktische Gärung, die zu einem Säureabbau und bei Schaumwein oft zu einer weicheren, buttrigen Note führt. Eine gute Entscheidung!

Traubensorten: 50% Pinot Noir, 20% Chardonnay, 30% Pinot Meunier

Auge: sehr helles Goldgelb

Nase: sehr frisch mit schöner Hefe, Aromen nach Lime-Zesten und Steinobst, feine Ananas- und grüne Farn-Noten, obenauf leichte Kreide-Noten

Gaumen: weicher und harmonischer Eindruck, erst frisch und knackig mit einer schönen Perlage, dann vollmundig und breit im Gaumen – Aromen nach orientalischen Hölzern umrahmen fein abgefächerte Zitrusnoten und gelbe Steinfrüchte. Der Abgang wird getragen von einer angenehmen Hefenote und einer frischen Säure.

Fazit: Wiederum sind wir begeistert von der Handwerkskunst im Hause Lanson. Wenn dies erst der Anfang ist von weiteren biodynamischen Produkten, dann ist der Start schon sehr gelungen! Was in der Aufmachung vielleicht an Exklusivität fehlt (uns nicht), macht der Green Label dort wett, wo es zählt – im Gaumen. Wir legen uns auf jeden Fall ein paar Flaschen in den Keller.
Übrigens haben wir wie beim Lanson Extra Age Brut Rosé auch den Green Label in einem Degustations-Glas von Edi the Nose getrunken – wir empfehlen jedes Weinglas, das grösser ist als ein typisches Flûte.

Kredenzen zu…
…Gesprächen über den Trend zu biologischen Anbaumethoden unter Champagner-Liebhabern
…einer gehaltvollen Lektüre vor dem Cheminée
…leichten Vorspeisen mit Fisch oder Meeresfrüchten

Trinkreife: sicher bis 2030
Preis: CHF 52.50.-, erhältlich im Diwisa Online Shop (www.drink-direct.ch), bei Gastro-Grossisten und im ausgewählten Fachhandel
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.
** Disclaimer: diese Probeflasche wurde uns freundlicherweise vom Hause Lanson zugestellt. Unsere Degustation erfolgte dabei nach den üblichen Kriterien. **

Château Petit Gravet Aîné 2014

In einer Degustationsrunde mit NZZ-Weinexperte und Buchautor Peter Keller hat dieser Bordeaux den ersten Platz gemacht – die Selektionskriterien waren
1. Bordeaux
2. Jahrgang 2014
3. Preis: zwischen CHF 30 und 50.
Überraschenderweise setzt der Sieger, das Weingut Château Petit Gravet Aîné aus dem Saint-Émilion, auf Bio-Anbau und verwendet weder Herbizide noch Insektizide, um seine Trauben zu schützen. Die Önologin Catherine Papon-Nouvel hat ihren Teil dieses Weinguts, genauso wie ihre anderen beiden (Clos St. Julien und Château Gaillard), für biologischen bzw. biodynamischen Anbau zertifizieren lassen. Das Château hält den Cabernet Franc Rekord – mit einem untypisch hohen Anteil von 80 Prozent. Überzeugt hat uns der Wein mit seinem klassischen Stil, seinem klar erkennbaren Potential und seinem hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnis. Strong buy! Peter Kellers Verdikt lässt sich hier nachlesen.

Traubensorten: 80% Cabernet Franc,  20% Merlot

Auge: dunkles Violett mit schwarzem Kern

Nase: sehr dicht, dunkle Beeren – vor allem schwarze Kirschen und Pflaumen, Süssholz, etwas Schokolade

Gaumen: vollmundiges Aroma mit kräftiger, weicher Tanninstruktur. Sehr klassischer Bordeaux-Eindruck mit einem schönen Mix aus Beerenaromen, Schwarztee, Schokolade und einer würzigen Ledernote. Im Abgang sind leichte Holznoten auszumachen, die sich mit den Jahren sicher gut in die Gesamtkomposition einbinden werden, ansonsten aber ist er getragen von einer frischen Säure und bleibt filigran und lange am Gaumen.

Fazit: Ein Bordeaux, der zu diesem Preis nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft viel Freude machen wird.

Kredenzen zu:
…Gerichten mit dunklem Fleisch
…Grilladen
…einer Auswahl an Hartkäse
…einer kubanischen Zigarre

Trinkreife: 2020 bis 2034

Preis: CHF 37.50 bei Mövenpick Wein

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 94 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 18 / 20 Punkten (*strong buy, zwingend in den Keller legen*)

Kir-Yianni: Dyo Elies 2013

«Dyo Elies» bedeutet im Griechischen «zwei Oliven» oder auch Olivenbäume – und bezieht sich auf zwei Olivenbäume, die inmitten des Weinguts Kir-Yianni in Imathia, einer Provinz in Nordgriechenland, wachsen. Das Weingut wurde 1997 gegründet. Wer schon einmal am internationalen Flughafen von Athen war, kann sich vielleicht an eine der zwei Kir-Yianni Weinbars erinnern, die dort 2014 bzw. 2015 eröffnet wurden. Aufgrund seiner unterschiedlichen Böden und mikroklimatischen Verhältnisse werden die Reben in 33 verschiedene Bereiche unterteilt, die alle – teils mehrfach – separat geerntet und im Weingut je nach Eignung sortiert werden. Der Dyo Elies ist aus drei Weinsorten komponiert – Syrah soll für die Würze sorgen, Merlot für einen gehaltvollen Körper und die griechische Sorte Xinomavro (übersetzt mit «sauer» und «schwarz») liefert die spezielle Note für ein komplexes Bouquet. Der Wein reift 16 Monate in französischen und amerikanischen Eichenfässern, danach sechs Monate in der Flasche.

Traubensorten: Syrah (60%), Merlot (30%), Xinomavro (10%)

Auge: dunkles Kirschrot, fast Schwarz

Nase: animalische Noten, Eukalyptus, Stall-, Leder- und Bibliotheksnoten, umrahmt von dunkelbeerigen Aromen, vor allem auch nach Brombeeren – die volle Ladung Aromen bereits in der Nase, aber auch schon leicht alkoholisch (15% Alkoholgehalt)

Gaumen: hier liegt der Fokus mehr auf der Frucht als in der Nase – schwarze Johannisbeeren, Brombeeren und Himbeeren, ganz leichte Bibliotheksnoten, sehr weiche Tannine, mittlerer Abgang, der jedoch nicht ganz lupenrein ist

Fazit: Schöner Sommerwein, aber Alkohol und Frucht sind nicht ideal austariert. Gut für den unkomplizierten Genuss, aber weniger empfehlenswert als komplexer Essensbegleiter.

Kredenzen zu:
…einfachen Pasta-Gerichten
…leichten Vorspeisen oder zum Apéro an sehr warmen Sommerabenden
…mild gewürzten Hauptgängen

Trinkreife: jetzt bis 2020

Preis: Jahrgang 2013 ist ausverkauft –  bei kantos.ch ist Jahrgang 2015 für CHF 25.- erhältlich

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 86 / 100 Punkten
Preis-/Leistungsskala: 14 / 20 Punkten (*kann man, muss man aber nicht*)