Château Rollan de By 2016

Unsere traditionelle Blinddegustationsrunde mit Weinakademiker und NZZ am Sonntag-Redaktor Peter Keller stand ganz im Zeichen des Cru Bourgeois. Diese Klassifikation im Bordeaux folgt nach Grand Cru und Premier Cru. Oft stehen die Cru Bourgeois für hohe (Bordeaux)-Qualität zu einem guten Preis-/Leistungsverhältnis – genauso oft werden aber auch schon diese Weine zu einem mit dem Rest von Europa vergleichbar hohen Preis gehandelt. Wir haben in der Preiskategorie von CHF 15 bis 50 verkostet. Klarer Sieger unserer Runde war einer der bekanntesten Namen – Château Rollan de By. Die Domaine gehört zu den grösseren Weingütern im Médoc und ist dort auch als «Perle des Médoc» bekannt.

Peter Kellers Profi-Urteil zum Rollan de By ist bei NZZ Bellevue nachzulesen.

Traubensorte: 70% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon, 10% Petit Verdot

Auge: dunkles Kirschrot mit einem leichten Magenta-Einschlag

Nase: ausgeprägte Sauerkirschen, Johannisbeeren, Tabaknoten

Gaumen: leichte Röstaromen, Holznoten, dunkle fruchtig-beerige Noten, tanninreicher, weicher, runder und langer Abgang

Fazit: Ein ausgewogenes Trinkerlebnis zum fairen Preis – ein universell einsetzbarer Essensbegleiter. We like.

Kredenzen zu:
– Fleisch- und Wildgerichten mit kräftigen Saucen
– einer leichten Zigarre
– Klassiker der französischen Küche

Preis: CHF 19.39 (für 12 Flaschen) bei Daniel Vins (Jahrgang 2016 – auch Jahrgang 2019 erhältlich)

Bewertung: 92 / 100
Weingeniesser-Bewertungsskala: 17.5 / 20 Punkten – Buy, muss man getrunken haben

Salwey: Oberrotweiler Rosé vom Spätburgunder 2018

Es ist nicht das erste Mal, dass wir an dieser Stelle das Weingut Salwey im malerisch gelegenen, deutschen Weinanbaugebiet Kaiserstuhl vorstellen. Die Weiss- und Grauburgunder mit ihrer klaren, schnörkellosen und wunderbar mineralischen Stilistik zählen zu unseren Favoriten. Anlässlich einer Degustation der aktuellen Jahrgänge vor Ort haben wir – eher überraschend – einen spannenden Rosé entdeckt.
Das Familienweingut (seit 1740) wird von Konrad Salwey geführt. Produziert werden auf ca. 40 Hektar Gutsweine, Ortsweine (“RS”, Reserve Salwey) und Grosse Gewächse. Zu den bekanntesten (ersten) Lagen zählen der Oberrotweiler Henkenberg, Eichberg, Glottertäler Eichberg und der Salwey’sche Hausberg, der Kirchberg. Das Terroir ist oft vulkanischen Ursprungs (mit Tuff und Asche) oder von Lehm und Gneis geprägt.

Traubensorte: 100% Spätburgunder

Auge: für einen Rosé eher dunkles (Wild)lachrosa

Nase: Zitronenzeste, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren

Gaumen: schöne zitronig-frische Säure im Abgang, crèmiger Eindruck, fruchtbetont, reife Kirschen, Erdbeeren, Sommeraromen

Fazit: Der erste Rosé, der es bei uns ins grosse (Bordeaux-)Glas schafft – mit einer beeindruckenden Breite und Dimension, einer schönen Balance zwischen Säure und Frucht.

Kredenzen zu:
– einem sommerlichen Apéro auf der Terrasse
– einer leichten dominikanischen Zigarre
– Vorspeisen mit Meeresfrüchten

Preis: EUR 13.15 direkt ab Gut (derzeit ausverkauft) – Degustation und landschaftlich wunderschöne Anfahrt inklusive – www.salwey.de

Bewertung: 92 / 100
Weingeniesser-Bewertungsskala: 17.5 / 20 Punkten – Buy, muss man getrunken haben


Rainer Sauer: Silvaner L 2016

In der aktuellen «Peter Keller meets Weingeniesser.ch» Blinddegustation haben wir eine weisse Traubensorte zum Thema gemacht – den Silvaner. Die sieben Kandidaten (davon einer aufgrund seiner Erhältlichkeit ausser Konkurrenz) stammen wenig überraschend aus der Schweiz und aus Deutschland. Als Sieger aus vier eng beieinander liegenden Finalisten ging der Silvaner «L» vom Weingut Rainer Sauer hervor (hier im Bild der Jahrgang 2017). Dessen Weine wachsen alle in Steillagen rund um Escherndorf, zwischen zwei Main-Ufern und auf Muschelkalk und Lettenkeuper-Böden – allesamt Teil einer der bekanntesten Lagen in Franken, dem Escherndorfer Lump. Rainer Sauer und seine Frau Maria führen das Gut seit 1979, ihr Sohn Daniel Sauer ist Diplom-Oenologe und arbeitet im Familienbetrieb als Kellermeister. Von der bewirtschafteten Rebfläche entfallen 61% auf die Traubensorte Silvaner. Der «L» wird aufgrund seiner speziellen Steillage als VDP grosse Lage traditionellerweise im Bocksbeutel abgefüllt – der typischen Flaschenform in Franken für wertige bzw. grosse Gewächse, die Weinliebhaber mit traditionellen Weingestellen in den Wahnsinn treibt, sich auf dem Tisch aber sehr gut macht. Uns hat der «L» mit seinen reifen, schönen Fruchtnoten und seiner typisch fruchtig-spritzigen Ausgewogenheit überzeugt.

«Auch ein Silvaner kann ein spannender Weisswein sein» schreibt Weinakademiker und NZZ am Sonntag-Redaktor Peter Keller bei NZZ Bellevue und stellt den Silvaner L als Wein der Woche vor: https://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/der-wein-der-woche-ein-spannender-silvaner-aus-franken-ld.1571965

Traubensorte:  100% Silvaner

Auge: helles Gelbgrün mit Wasserrand

Nase: Birnen, Äpfel, weisse Blüten

Gaumen: schöne zitronige Säure, mineralische Noten, viel Frucht, im Abgang trocken und mit mittellangem, saftigen Abgang

Fazit: …unserer Degustationsrunde: Silvaner ja, aber! Der Weingeniesser möge auf einen «älteren» Jahrgang setzen wie wir hier auf 2016. Nur dann können grosse Gewächse dieser Traubensorte ihr Potenzial entfalten – und können durchaus spannende Essensbegleiter oder Alleinunterhalter sein. Neben Rainer Sauer sind gute Adressen für beeindruckende Silvaner-Gewächse auch das Weingut am Stein, Max Müller oder die Klassiker aus Würzburg: Juliusspital, Bürgerspital und Hofkeller. Auf jeden Fall mal ein Ausprobieren wert – wenn es denn mal etwas anderes als immer nur Chardonnay, Sauvignon oder Pinot Grigio sein darf…

Kredenzen zu…
…unbeschwerten Gesprächen bei sommerlichen Temperaturen
…leichten Vorspeisen und Apéro-Häppchen
…als Zwischengang bzw. frische Weinpause zwischen anstrengenderen Gewächsen

Trinkreife: jetzt bis 2022

Preis: Jahrgang 2016 seit kurzem ausverkauft bzw. nur noch ab Gut für 17 Euro bei Rainer Sauer, Jahrgang 2017 für CHF 26.50 bei Boucherville

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 15 / 20 *kann man, muss man aber nicht*

Bernhard Huber: Müller Thurgau 2018

In dieses Weinanbaugebiet lohnt sich ein längerer Ausflug: Kaiserstuhl ist für Auge wie Gaumen ein Paradies. Sanfte, mit Weinreben terrassierte Hügel, einige der wohl besten Weingüter Deutschlands, wahlweise kombiniert mit Sterneküche oder einfach guter deutscher Hausmannkost – was will das Weingeniesserherz mehr? Das kühlere Malterdingen hat in den letzten Jahren gegenüber dem traditionell stärkeren Vogtsburg zugelegt. Das Weingut Bernhard Huber produziert dort Lagenweine, die auf der ganzen Welt einen ausgezeichneten Ruf geniessen (und nur in eingeschränkten Mengen für Privatpersonen erhältlich sind- Hauptimporteur für die Schweiz ist der Weinhändler Boucherville). Aber auch die Gutsweine können sich sehen lassen. Seit dem Tod von Bernhard Huber vor zwei Jahren wird das Weingut von Barbara und ihrem Sohn Julian Huber geführt. Bei unserer Degustation des Jahrgangs 2018 wurde bereits sichtbar, wie die neue Generation den Weinen auf unvergleichlichem Muschelkalk-Terroir eine frische Charakteristik verleiht.

Traubensorte: 100% Müller Thurgau

Auge: sehr helles Gelb mit Wasserrand

Nase: exotische Noten wie Ananas und Passionsfrucht, Feuerstein-Zältli, trockene Steine, Agrumen, Äpfel, Grasnoten

Gaumen: frische, fruchtige Säure mit lieblichen Steinobst-Noten, crèmiger und langer Abgang, trinkfreudiges Säure-Süsse-Verhältnis, leicht und fluffig am Gaumen

Fazit: Mit 12.5% der perfekte Sommerwein – mit der gewohnten Top-Qualität eines unserer liebsten Weingüter Deutschlands. Sehr beliebt unter Gastronomen.

Kredenzen zu…
…unkomplizierten Sonntagnachmittagen im Sommer
…zur Einstimmung auf weitere Weine von Bernhard Huber
…guten Gesprächen unter Weingeniessern
…Apérohäppchen oder als Zwischengang-Wein

Trinkreife: bis 2024

Erhältlich bei: EUR 9.50 direkt ab Hof – die Reise lohnt sich!

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 92 / 100
Preis/Leistungsskala: 18 / 20 *strong buy, zwingend in den Keller legen*

Isabelle et Denis Pommier: Chablis 1er Cru Troesmes 2016

Das Gebiet Chablis liegt südöstlich von Paris, gleich ausserhalb von Auxerre, und ca. 470 Kilometer von Zürich entfernt. Auf einer Grösse von 15×20 Kilometer liegen Petit Chablis, Chablis, Chablis Premier Cru und Chablis Grand Cru Lagen dicht an dicht. Die Chardonnay-Trauben wachsen auf einem Tonkalkstein aus der Jura-Zeit, welcher oft für den typischen Goût nach Feuerstein oder Stahl verantwortlich gemacht wird. Wir haben einen Premier Cru Chablis vom vergleichsweise jungen Weingut von Isabelle und Denis Pommier ausprobiert. Die beiden haben sich 1990 zwei Hektar ihrer Reben in den Lagen Chablis und Petit Chablis im Familienbesitz angenommen und die bisherigen Reben, die als Traubensaft verkauft wurden, durch neue ersetzt. 2012 kamen weitere Lagen dazu, unter anderem auch das Gebiet Beauroy, wo dieser Chablis herkommt. Unterdessen bewirtschaften sie 20 Hektar und stellen laufend auf einen biodynamischen Anbau um. 2014 wurden ihre Weine erstmals biozertifiziert. Der Troesmes (ehemals Beauroy) Premier Cru stammt aus 30- bis 70-jährigem Traubengut. Der Ausbau findet gemischt im Stahltank (70%) und in Eichenfässern statt.

Traubensorte: 100% Chardonnay

Auge: helles Goldgelb

Nase: Steine, Zitrusaromen, Karambole, unreife Ananas, blumige Noten

Gaumen: eine schöne Säure folgt auf einen crèmig-trockenen Auftakt, gelbfruchtige und florale Noten, wenig und gut ausbalancierte Holz-Aromen begleiten einen langen, angenehmen Abgang

Fazit: easy drinking mit Power – der Troesmes gehört in ein grosses Glas und gefällt mit seiner Typizität und seiner unaufgeregten Kraft. Gutes Preis-/Leistungsverhältnis!

Kredenzen zu…
…Spargeln
…Coquilles St. Jacques
…Sushi
…Austern
…Pouletbrüstli vom Grill

Trinkreife: bis 2026

Erhältlich bei: Daniel Vins, CHF 26.93, Jahrgang 2017

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 15 / 20 *kann man, muss man aber nicht*

Domaine des enfants: Tabula rasa 2016

Das Weingut Domaine des enfants liegt in Südfrankreich, nahe der Pyrenäen und der spanischen Grenze, im Dorf St. Paul de Fenouillet. Der Schweizer Besitzer Marcel Bühler hat sich 2006 mit der Gründung einen Traum erfüllt und sich zum Ziel gesetzt, konsequent mit der Natur zu arbeiten. Die Domaine hat 23 Hektar Anbaugebiet, einige der Weinberge datieren auf die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zurück. Der naturnahe Ansatz in der Produktion und der Anspruch, keine Massenweine produzieren zu wollen, zeigen sich im Endprodukt deutlich. Wir haben die weisse Cuvée Tabula rasa probiert, die aus Trauben gekeltert wird, die sich verstreut zwischen Rotweinlagen befinden. Diese werden bei Fruchtreife selektiv gelesen – deshalb ist der Anteil der jeweiligen Sorten nicht genau auszumachen. Die Trauben werden mit einem Minimum an Schwefel nach einem Jahr in die Flaschen abgefüllt. Für die Philosophie- und Kulturgeschichte-Interessierten unter den Weingeniessern: Auf dem Etikett findet sich ein Auszug eines über 300-jährigen Essays von John Locke über den menschlichen Verstand.

Traubensorten: Grenache gris, Grenache blanc, Carignan blanc, Macabeo

Auge: dunkles Goldgelb mit orange-bräunlichem Schimmer

Nase: gelbfruchtig, Noten nach Farn, Kamille und Manuka-Honig, Met-Aromen, Lakritze und Schiefer

Gaumen: reife Birnen, Quitten, farnige Noten treffen auf zitonenzestige Frische mit mittellangem, crèmigem, “französischem” Abgang, Assoziation an Nektar

Fazit: Sehr interessantes Cuvée mit fairem Preis-/Leistungsverhältnis. Zum Apéro alleine eher anstrengend und etwas für Weinfreaks – erinnert beim ersten Schluck an einen orange Wine, jedoch ohne die oft mühsame Säure am Gaumen. Der Tabula rasa hingegen ist sehr kompakt, geht mehr in den Honig-Met-Stil und überzeugt mit seiner Kraft und Crèmigkeit. Wir sind gespannt, wie der Rest der Domaine des enfants Kreationen daherkommt (z.B. die unfiltrierten Rotweine)!

Kredenzen zu…
…Muscheln und Meeresfrüchten
…asiatischen Gerichten
…einer Blinddegustation bei Weinkennern

Trinkreife: bis 2026

Erhältlich bei: Global Wines, CHF 33.-, Jahrgang 2017 bereits ausverkauft

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 *da kommt Freude auf*

Neil Ellis: Bottelary Pinotage 2015

Unsere Degustationsrunde mit Weinakademiker und NZZ am Sonntag-Redaktor Peter Keller fand für einmal unter Social Distancing Auflagen und nicht in einem Restaurant statt. Die Tradition der Blinddegustation und der Preisrahmen von maximal CHF 50 blieb unverändert. Unter den sechs verschiedenen Vertretern der Traubensorte Pinotage lagen zwei Winzer ganz dicht zusammen. Gewinner wurde der Bottelary Pinotage von Neil Ellis. Die Rebsorte ist eine Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsault und wird vorwiegend, aber nicht nur in Südafrika angebaut. Neil Ellis feierte letztes Jahr sein 35-jähriges Bestehen und ist einer der bekannten Namen unter den Winzern in Südafrika. Das Weingut produziert rund 450’000 Flaschen Lagenwein aus zugekauftem Traubengut aus vier Regionen. Der Bottelary Pinotage passt perfekt zum sommerlichen Barbecue.

Peter Kellers Urteil lässt sich bei NZZ Bellevue nachlesen: https://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/der-wein-der-woche-ein-perfekter-pinotage-fuer-den-grillabend-ld.1556377

Traubensorte:  100% Pinotage

Auge: Kirschrot mit schwarzem Kern, schmaler Wasserrand

Nase: dunkle Beeren mit einer leichten Rauchnote, erinnert an Braten- oder Sojasauce, würzige Noten

Gaumen: vollmundiger Eindruck, schöne Struktur mit feinen Tanninen, tragende Säure und rauchige Noten im mittellangen Abgang

Fazit: Unser Tipp für ein «Braai» der Extraklasse – der perfekte Begleiter für den nächsten Grillabend! Als Alleinunterhalter passt er eher weniger.

Kredenzen zu…
…Spare Ribs oder Ribeye vom Grill
…einfachen Cervelats oder Bratwürsten

Trinkreife: jetzt bis 2030

Preis: Jahrgang 2016 bei Kapweine.ch derzeit für CHF 29.-. Kapweine veranstaltet in normalen Zeiten regelmässig Degustationen mit Aktionspreisen in ihrem Lager in Wädenswil – ein Besuch lohnt sich.

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 *da kommt Freude auf*

Ikon: Tulipán 2012

Wer von Graz aus 2,5 Stunden Richtung Osten fährt, erreicht das ungarische Meer – den Balaton oder Plattensee, einer der grössten Binnenseen Europas. Der Weinbau an dessen Ufern hat eine lange Tradition, die bis ins 3. Jahrhundert zurückreicht. Am südlichen Ufer liegen die 35 Hektaren des Weinguts Ikon, früher im Besitz des bekannten Klosters Tihany. Der Önologe Janos Konyari und seine Familie bauen hauptsächlich rote Weinsorten an. Wir haben seinen mehrfach ausgezeichneten Tulipán probiert, der 16 Monate in Barrique-Fässern reift.

Traubensorte:  50% Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc

Auge: dunkles Kirschrot mit leicht violettem Rand

Nase: Süssholz, Stall, Minze, leichte Pneu-Anleihen, vermischt mit kräutriger Würze, Brombeeren, schwarzen Kirschen, wirkt voll und elegant

Gaumen: Kräuter, dunkle Beeren und Pflaumenaromatik, leicht alkoholisch (15%)

Fazit: Der Tulipán füllt den Gaumen mit ausdrucksstarken Aromen, ist im Abgang aber eher schlank. Die versprochene Fülle in der Nase kann er nicht ganz halten. Dafür empfiehlt er sich als interessanter Essensbegleiter und passt hervorragend zu Schmorgerichten.

Kredenzen zu…
…klassischen Schmorgerichten
…sommerlichen Kreationen mit Lamm und Spargeln
…einer leichteren Zigarre

Trinkreife: jetzt bis 2024

Preis: CHF 32.- bei Le Bouchon

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 15 / 20 *kann man, muss man aber nicht*

***Disclaimer: dieser Wein wurde uns freundlicherweise von der Vinothek Le Bouchon zur Verfügung gestellt.***

Erich Meier: Chardonnay 2017

Erich Meier ist einer unserer Schweizer Lieblingswinzer – und deshalb kaum zu glauben, dass wir ihn bei weingeniesser.ch noch nie vorgestellt haben. Sein Weingut liegt malerisch und etwas versteckt in Uetikon am See, 20 Minuten von Zürich City entfernt. Meiers Weine zeichnen sich durch Geradlinigkeit, Eleganz und Understatement aus. Er produziert neben roten Rebsorten wie Pinot Noir und Merlot eine breite Auswahl an weissen Traubensorten. Eine Degustation und frühes Bestellen lohnen sich – Meiers Weine sind schnell ausverkauft. Wir haben, zugegebenermassen viel zu früh, den Chardonnay 2017 probiert. Ein spezieller Jahrgang, der für viele Winzer mit unangenehmen Erinnerungen verbunden ist. Auch Erich Meiers Trauben traf der Kälteeinbruch im April hart, nämlich mitten in der Wachstumsphase. Die Ausfallrate von 80 bis 90 Prozent zwang den Winzer dazu, für diesen Chardonnay biologisch produzierte Trauben aus dem Südtirol zuzukaufen (nur einzelne Räuschling und Pinot Noir Lagen hatten den Frost unbeschadet überstanden). Ergebnis: absolut gelungen.

Traubensorte:  100% Chardonnay

Auge: helles Zitronengelb

Nase: Zitrone, Steinfrüchte, Litschi, Pfirsch, leichte, gut eingebundene Holz-/Röstaromatik

Gaumen: exotische Ananas-Noten treffen auf eine Mischung aus Granny Smith Äpfeln und Zitronengras, crèmig-frisch, harmonisch, mittellanger Abgang

Fazit: weich und burgundisch in der Stilistik, elegant und nicht zu fett, überzeugt der Chardonnay mit seiner knackigen Frische. Wir haben ihn im grossen (Burgunder)-Glas probiert und sind sicher, dass er mit der Zeit noch massiv zulegen wird. Wir freuen uns jetzt schon, die nächste Flasche in einem Jahr zu probieren!

Kredenzen zu…
…bzw. als Alleinunterhalter zu gehaltvolleren Sommer-Apéros im Schatten
…leichten Vorspeisen oder Fischgerichten
…Diskussionen über die klimatische Zukunft des Schweizer Weinbaus

Trinkreife: jetzt bis 2025

Preis: direkt ab Gut, derzeit Jahrgang 2018, für CHF 28.- / dieser Jahrgang stammt von Baur au lac Vins, CHF 29.80

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 94.5 / 100
Preis/Leistungsskala: 18 / 20 *strong buy, zwingend in den Keller legen*

El Escocés Volante: Manda Huevos Blanco Doble Yema 2015 / 2016

El Escocés volante bzw. der Flying Scotsman Norrel Robertson ist in Schottland aufgewachsen und hat in Aberdeen Politikwissenschaften und internationale Beziehungen studiert. Danach hat er über 25 Jahre Wein verkauft, bevor er sich in den 1990ern dazu entschieden hat, selbst Wein zu produzieren. Bei Winzern in Italien, Portugal, Frankreich und Australien hat er die Kunst der Weinherstellung von der Pike auf gelernt und mit einem «Master of Wine» Abschluss gekrönt. Sein Herz schlägt für die Weinregion Spanien (und im Speziellen für einige Garnacha Parzellen in Calatayud, Aragón), wo er seit 2003 mit seiner Familie lebt und arbeitet. Neben vielen Beratungsprojekten produziert er auch seine eigenen Weine – unter anderem diesen Manda Huevos. Er wurde in 900-Liter-Betoneiern ausgebaut und vergoren. «Manda Huevos» ist übrigen ein Ausruf der Frustration, den einige auf das Lateinische «mandat opus» zurückführen (auf Englisch meist mit dem Ausdruck «needs must» übersetzt). Das Resultat dieser absoluten Notwendigkeit, diesen Wein ausserhalb seiner «Denominación de Origen» zu produzieren, finden wir bemerkenswert.

Traubensorte:  Macabeo, Garnacha blanca, Viognier

Auge: sehr helles Zitronengelb

Nase: zitronig, farnig, frisch, Aromen nach gelben Steinfrüchten, Steine

Gaumen: Quitten, Kaki, crèmige Noten, leicht bittere Aromen nach Bergamotte und Kamille im Abgang

Fazit: Der Manda Huevos punktet mit einem eleganten, crèmigen Eindruck, der von einer schönen Säurestruktur in einen langen Abgang getragen wird. Die mineralische Frische bleibt. Sehr gut!

Kredenzen zu…
…Gesprächen mit anspruchsvolleren Weingeniessern beim Apéro
…leichten Fischgerichten
…einem guten Buch

Trinkreife: jetzt bis 2033

Preis: derzeit Aktion: CHF 29.- statt CHF 36.- bei Gerstl Weinselektionen

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: 
100er Skala: 92 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 *da kommt Freude auf*