Tardieu-Laurent: Hermitage blanc 2013

Hermitage Tardieu 2013 Weingeniesser.ch

Das Weingut Tardieu-Laurent wurde gemäss eigenen Angaben 1996 von Michel Tardieu und Dominique Laurent gegründet. Seinen Sitz hat das Gut in Lourmarin – einer 1142 Seelen Gemeinde in Südfrankreich, in der Provinz Provence-Alpes-Côte d’Azur. In einem der «schönsten Dörfer Frankreichs» (gemäss offizieller Auszeichnung) möchte der jetzt alleinige Besitzer Michel Tardieu mit den ältesten und besten Reben der Gegend Qualitätsweine herstellen. Dafür sammelt er bei lokalen Winzern mit Weinbergen und aus Kleinst-Erträgen sein Traubengut zusammen und keltert daraus seine weissen und roten Weine, die unter die Rhône-Appellation fallen. Seine Weine reifen 18 bis 24 Monate in neuen und alten Eichenfässern. Tardieu verfolgt die Philosophie, möglichst wenig in den Reifeprozess einzugreifen, und verzichtet wenn möglich auf Filtration und weitere mechanische Eingriffe vor dem Abfüllen in Flaschen.

Traubensorte: Marsanne (85%), Rousanne (15%)

Auge: kräftiges Goldgelb

Nase: füllt das Glas dominant mit Kamillennoten, Röstaromen, Vanille, Passionsfrucht, Blumen und Honig – eine grosse Bandbreite an olfaktorischen Eindrücken

Gaumen: crèmig-sanfter erster Eindruck mit viel Röstaromen. Das Holz wirkt erst recht dominant, die Struktur beeindruckend dicht. Die angedeuteten exotischen Früchte (Bananen und Passionsfrucht) halten sich dezent im Hintergrund. Eine feine Zitrusnote trägt leichte Säure in einen langen Abgang. Ein sehr voluminöser Wein, der an einen Chardonnay aus der neuen Welt erinnert und in einer Blinddegustation schwer einzuordnen wäre.

Fazit: Dieser Wein ist auf jeden Fall ein Hauptdarsteller und macht in dieser Rolle auch eine sehr gute Figur. Er muss allerdings noch etwas an sich arbeiten – denn das Holz trägt er etwas arg in den Vordergrund. Wenn er seine versteckten Qualitäten noch entdeckt und seine sensible Seite entwickelt, hat der Hermitage das Potenzial zum Star. Wir werden ihn gerne in drei Jahren nochmals auf der Bühne bewundern und hoffen, dass er seine hervorragenden Basisqualifikationen bis dahin ergänzt hat.

Kredenzen zu…
….Antipasti
….hellem Fleisch, Geflügelgerichten
….einem Lachsgericht (exotisch angehaucht)
….einer dominikanischen Zigarre

Trinkreife: 2020 bis 2030

Preis: CHF 68 bei Mövenpick Weine (Jahrgang 2014)

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.

Etko: Commandaria St. Nicholas 2013

Gemäss diversen Quellen hat der zypriotische Süsswein Commandaria eine bis ins biblische Zeitalter zurückreichende Historie und soll einer der ältesten Markenweine der Welt sein. Die Cuvée aus den autochthonen Traubensorten Xynisteri und Mavro darf unter diesem Namen nur in der Gegend von Limassol produziert werden. Dem Süsswein wurden im Mittelalter auch heilende Eigenschaften zugesprochen. Gemäss dem Weinlexikon Ernesto Pauli durfte der Commandaria in Venedig sogar steuerfrei eingeführt werden, da er als Tonikum klassifiziert wurde. Die Trauben werden erst geernet, sobald sie einen gewissen Zuckergehalt erreicht haben, und trocknen danach auf Strohmatten, um den Zuckergehalt zu verstärken. Nach der Gärung in Holzfässern bzw. Barriques wird die Mischung auf maximal 15 Prozent mit Weingeist aufgespritet und für mindestens acht Jahre gelagert.

Traubensorte: Mavro (40%) und Xynisteri (60%)

Auge: Bernsteingold mit rötlichen Reflexen

Nase: Rosinen, Honig, Süssholz, Panettone, Gebäckaromen, Rumtopfnoten

Gaumen: Überraschend anders! Ein spürbarer Alkoholgehalt trägt die crèmig anmutende Flüssigkeit über die Zunge den Gaumen entlang. Hier spiegeln sich die süssen Aromen aus der Nase. Im Abgang kommt eine prägnant tragende Säure dazu, die den Commandaria auszeichnet.

Fazit: Für Freunde von schweren Süssweinen geeignet, die sich für einmal ausserhalb der dafür bekannten Regionen bewegen möchten. Aber auch für Nicht-Freunde von Dessertweinen geeignet, die eine originelle Begleitung zu Käse oder Desserts suchen, die nicht nur bzw. unausstehlich «süss» sind. Sauber, solide und gut gemacht und in der richtigen Essens-Begleitung ein Genuss! Soll auch als Verfeinerung zu Saucen oder als Bestandteil von Fleisch-Marinaden eine interessante Option sein.
Kredenzen zu…
….Süssspeisen mit Caramel
….einer schönen Käseauswahl
….einer würzigen Zigarre
Trinkreife: 2018 bis 2030
Preis: Jahrgang 2013 für CHF 30.- bei www.paphosweine.ch
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 15 / 20 (*Kann man, muss man aber nicht*)
** Disclaimer: diese Probeflasche wurde uns freundlicherweise von der Weinhandlung Paphos Weine zugestellt. Unsere Degustation erfolgte dabei nach den üblichen Kriterien. **

Jacques Deladoey: Yvorne l’Ovaille Grand Cru 2015

Domaine de l'Ovaille Yvorne

Bei unserer diesjährigen Frühlingsdegustation mit Weinexperte Peter Keller stand die Traubensorte Chasselas im Zentrum. Dabei bewerteten wir sechs Schweizer Weissweine nach verschiedenen Kriterien. Keine einfache Aufgabe, ist doch Chasselas eine zwar sehr bekannte Traubensorte, die aber ganz unterschiedlich interpretiert werden kann. Unser Gewinnerwein ist ein Klassiker: Der Yvorne L’Ovaille Grand Cru von Jacques Deladoey. Dieser Premier Cru hat es sogar auf einige renommierte, internationale Weinkarten geschafft. Viel Informationen zum Weingut findet man nicht (auch nicht auf der Webseite) – denn die Winzerfamilie bewirtschaftet gerade einmal fünf Hektar, davon sind drei Hektar in der Toplage «L’Ovaille». Die Etikette gibt einen Hinweis auf die Entstehung des Namens: Am 4. März 1584 wurde das Dorf Yvorne (Bezirk Aigle, Kanton Waadt) von einem Erdbeben erschüttert. Ein gewaltiger Gesteinsrutsch begrub das Dorf unter sich. An diesem Ort entstand der Rebberg «L’Ovaille», abgeleitet vom altfranzösischen Wort «orvaille», was Unglück, Katastrophe oder Verwüstung bedeutet. Die Beschaffenheit des Bodens trägt einen entscheidenden Teil zur Stilistik des Weins bei. Chasselas ist eine alte Traubensorte, die nur in Frankreich und der Schweiz so genannt wird – in den übrigen Ländern kennt man sie unter dem Namen Gutedel. Über ihre Ursprünge wird gerätselt. Man vermutet, dass sie aus Ägypten kommen könnte, wo sie seit 5000 Jahren in der Oase Fayyum bei Luxor angebaut wird. In der Schweiz kennt man die Traubensorte auch unter dem Namen Fendant. Diese geschützte Bezeichnung darf jedoch ausschliesslich für Weine aus dem Wallis verwendet werden.

Auge: Helles Goldgelb, leicht grünliche Reflexe

Nase: Zitrusaromen wie Grapefruit und Limette, gemischt mit leicht exotischen Noten nach Ananas und untermalt von mineralischen Akzenten

Gaumen: weich, elegant und frisch-spritzig, baut auf einer herben Zitrusnote auf, Abgang ist mittellang. Schöne Balance zwischen Frucht und Säure, leichte Honignoten.

Fazit: Das spannende Urteil von Peter Keller zu unserem Degustationssieger lässt sich hier nachlesen.

Trinkreife: jetzt bis 2020

Kredenzen zu…
…einem Themenabend mit Schweizer Weinen
…einem Dinner mit Gästen aus dem Ausland
…einem Käse- oder Aufschnittplättli mit Sicht auf Schweizer Berge

Preis: Jahrgang 2016 für CHF 28.50 bei Baur au Lac Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 88 / 100
Preis/Leistungsskala: 14.5 / 20 (*kann man, muss man aber nicht*)

Bodegas y Viñedos Catena: Catena Viñas Malbec 2015

Die Bodega Catena Zapata wurde 1902 in Argentinien gegründet. Sie zählt zu den renommiertesten Weingütern des Landes. Unterdessen wird sie in vierter Generation von der Tochter des Gründers Nicolas Catena Zapatas, Laura Catena, geführt. Die Etikette dieses Malbecs gibt einen ersten Eindruck der reduzierten Architektur des Weinguts, die an die Maya-Kultur erinnert. Die Trauben dieser  einfacheren Linie des Weinguts stammen aus verschiedenen Lagen, die zu unterschiedlichen Zeiten – für den optimalen Säuregehalt – abgeerntet werden. Der Wein reift 18 Monate in französischen Eichenfässern.

Traubensorte: 100% Malbec

Auge: dunkles, samtiges Bordeauxrot

Nase: intensiver Duft nach dunklen Sauerkirschen, rotbeerige Aromen, leichte Stallnoten, Zwetschgen, leichte Anleihen von edlen Hölzern wie Sandelholz oder Mahagoni

Gaumen: hauptsächlich rotbeerige Aromen, reife Erdbeeren, Kirschennoten, leicht und fruchtig im Gaumen, kurzer Abgang, begleitet von leichten Laktosenoten

Fazit: Leicht, trinkfreudig, fruchtig – ein unkomplizierter Essensbegleiter, der zu vielem passt und an Firmenanlässen oder in grossen Gästerunden sicher ein Hit ist.

Trinkreife: jetzt bis 2022

Kredenzen zu…
…einfachen Pasta-Gerichten
…einem Abendessen mit unkomplizierten Gästen
…zum nächsten Firmenanlass in grosser Runde

Preis: Jahrgang 2015 für CHF 19.80 bei Mövenpick Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 87 / 100
Preis/Leistungsskala: 15.5 / 20 (*kann man, muss man aber nicht*)

Vouni Panayia: Spourtiko 2016

Spourtiko ist eine autochthone, rare Traubensorte aus Zypern, die nur gerade auf 0.2 Prozent der gesamten Rebfläche der Insel angebaut wird. Sie besitzt eine äusserst feine Traubenhaut, die zum Platzen neigt und der Sorte ihren Namen gegeben hat. Ursprünglich wurde sie nur zur besseren Bestäubung der Maratheftiko Trauben gepflanzt, bis man ihre Eignung als frische, alkoholarme (12%) Weissweinsorte erkannte. Auch heute noch wird sie nicht eigenständig angebaut, sondern nur zwischen anderen Trauben – und nur wenige Weingüter bieten Spourtiko als reinsortigen Weisswein an. Das Anbaugebiet beschränkt sich auf die Region Paphos. Das Weingut Vouni Panayia befindet sich im Norden von Paphos und baut neben Spourtiko noch weitere typisch zypriotische Traubensorten an. Mitten im Naturschutzgebiet gelegen, zeichnet sich der Familienbetrieb durch moderne Anbaumethoden, einen ganzjährig geöffneten Degustationsraum und einen zypriotischen Mufflon (ein in der Gegend heimisches, seltenes Wildschaf) auf einem langgezogenen «V» als Markenzeichen auf allen Etiketten aus. Von ihrem handgeernteten Spourtiko produzieren sie im Jahr gerade mal 3’000 Flaschen. Die Reben dazu wachsen auf rund 1’150 Metern über Meer.

Traubensorte: 100% Spourtiko

Auge: sehr helles Gelb mit leicht grünlichen Reflexen

Nase: Zitrusaromen, blumige Noten, saure Gummibärchen

Gaumen: zitrusbetonte Frische im Vordergrund, dahinter farnige Noten, Granny Smith-Äpfel, Litschi- und Gletscherzältli-Aromen, etwas Holunderblüten. Überraschend crèmig und rund, keine unangenehme Säure, erstaunliche Länge.

Fazit: Ein spannender Kandidat für eine sommerliche Apérorunde. Wer die Traubensorte blind errät, muss ein absoluter Kenner sein. Der Spourtiko zeigt sich sauber gemacht, relativ breit am Gaumen und sehr erfrischend. Perfekt für die erste Hitzewelle!

Trinkreife: jetzt bis 2019

Kredenzen zu…
…typischen sommerlichen Apéro-Häppchen
…einer gemütlichen Diskussionsrunde auf der Terrasse
…schweizerischen Grilladen
oder einfach zwei, drei Flaschen als Geschenk an eine Gartenparty mitnehmen (Etikette und Traubensorte werden auffallen).

Preis: CHF 18.50, erhältlich bei Paphos Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 87 / 100
Preis/Leistungsskala: 15 / 20 (*kann man, muss man aber nicht*)
** Disclaimer: diese Probeflasche wurde uns freundlicherweise von der Weinhandlung Paphos Weine zugestellt. Unsere Degustation erfolgte dabei nach den üblichen Kriterien. **

Tenuta Montenisa – Marchesi Antinori: Cuvée Royale Marchese Antinori

Franciacorta – hierzulande noch unterschätzt, trauen wir dem Schaumwein aus der Lombardei einiges an Hype-Potential zu. Er ist definitiv mehr als eine Alternative zu Prosecco. Das Anbaugebiet liegt südlich des Iseosees, westlich des Gardasees. Vorreiter des Franciacorta ist ein Wein-Urgestein aus Italien: Maurizio Zanella vom Weingut Ca’ del Bosco holte sich 1976 einen Kellermeister aus der Champagne, um aus den Trauben der Region einen Brut, einen Zéro Dosage und einen Rosé zu keltern. 1995 erhielt die Region das DOCG-Prädikat. Für die Herstellung gelten bestimmte Regeln, wie zum Beispiel die Mindestreifezeit von 18 Monaten. Die Cuvée Royale von Marchese Antinori ist nach der alkoholischen Gärung im Edelstahltank 36 Monate in der Flasche gereift.

Traubensorten: 78% Chardonnay, 10% Pinot bianco, 12% Pinot nero

Auge: helles Zitronengelb mit grünen Reflexen, schöne Perlage

Nase: florale und mineralische Noten, Zitrus- und Gräsernoten

Gaumen: sehr breit, angenehme Hefenoten, weich und crèmig, Frucht am Gaumen ist zurückhaltend eingebunden, auch die Perlage ist nicht vordergründig. Leicht nussige Noten, unterstrichen von einer frischen Säure, mittellanger Abgang

Fazit: Weich, rund, gefällig: Die royale Cuvée hat das Zeug zu «everybodys darling». Kritiker mögen anmerken, dass sie nicht die Gehaltvollste ihrer Art ist. Für uns ist dieser Franciacorta eine gute, unkomplizierte Alternative, wenn es nicht immer Champagner sein soll.

Trinkreife: jetzt bis 2020

Kredenzen zu…
…einem vorsommerlichen Apéro mit guten Freunden
…leichten Apéro-Häppchen
…Austern, Muscheln oder Fischgerichten generell
…als Auftakt zu einem Business-Lunch am Freitagmittag, bevorzugt mit Sicht auf ein Gewässer

Preis: CHF 24.-, erhältlich bei Bindella

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Château de Fieuzal blanc 2011

Das Gut Château Fieuzal liegt im Süden von Bordaux, in der Nähe von Léognan, und gehört zu den Crus Classés. Die Gegend Graves ist für ihre Kieselsteine bekannt, welche die Wärme von der Sonne speichern und sie dann langsam in den Boden abgeben. Von der Produktion des Châteaus entfallen rund 13’000 Flaschen auf die sehr bekannten Rotweine und 4’000 Flaschen auf Weissweine. Wir konnten einige Kleinflaschen des Jahrgangs 2011 des Fieuzal blanc ergattern. Das Gut gehört seit 2001 dem Unternehmer Lochlann Quinn, der viel in die Technologie und Ausstattung investiert hat, um das Château wieder zu alter Grösse zurückzuführen. Chefönologe ist Stephen Carrier, der schon bei Lynch-Bages und im Napa Valley beschäftigt war. Das Gut hat vor kurzem angekündigt, dass keine Weine des Jahrgangs 2017 auf den Markt kommen werden, da die Produktionsmenge und -qualität aufgrund der Wetterturbulenzen nicht den Qualitätsstandards entsprächen. Konsequent!

Traubensorten: Sauvignon blanc, Sémillon (unterschiedliche Angaben zur prozentualen Zusammensetzung)

Auge: Goldgelb, leicht dunklere Bronze-Reflexe

Nase: Aromen nach Marsala, Holz, Nagellack, Rosinen, Cassis und mineralische Noten nach Steinen

Gaumen: vordergründig ein sehr klassischer weisser Bordeaux, im Abgang bereits sehr reife Noten, crèmig im Gaumen, Aromen nach Rosinenkompott, Caramel-Popcorn, Kamille und Honig

Fazit: Wer Kleinflaschen im Keller hat (37.5 cl): Jetzt trinken und geniessen – oder für immer schweigen… Aufgrund des langsameren Reifungsprozesses könnte eine reguläre Flasche dieses Jahrgangs noch frischer daherkommen. So oder so: Wir empfehlen ihn als Essensbegleiter, der eher nicht auf die leichte Apéro-Schulter genommen werden sollte.

Kredenzen zu…
…einem Salat mit Milken
…Spaghetti mit Cozze oder Vongole
…kräftigen Vorspeisen, Suppen z.B. auf Wildfond-Basis

Trinkreife: 2017 bis 2027
Preis: zwischen CHF 50 und CHF 60, z.B. CHF 57 bei Chiodi Ascona
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises

Vlassides: Opus Arti 2012

Das Weingut Vlassides liegt im Städtchen Kilani, südlich von Troodos. Wer jetzt noch nicht weiss, um welches Land es sich handelt, ist nicht allein. Auf die Empfehlung der Weinhandlung Paphos Weine haben wir uns nämlich an die Degustation diverser zypriotischer Weine gewagt. Eins schon vorweg: Mit eher kritischem Geist ausgerüstet, wurden wir positiv überrascht. Aber jetzt zurück zu Vlassides: Das Weingut produziert 120’000 Flaschen pro Jahr, davon ist ein Grossteil aus roten Traubensorten: Shiraz, Cabernet Sauvignon und Merlot. Aber sie experimentieren auch mit lokalen Traubensorten wie Xynisteri, Maratheftiko und Yiannoudi. Vom Opus Arti werden nur 3’000 Flaschen hergestellt, die Trauben werden von Hand geerntet. Der Wein reift 18 Monate in neuen Eichenfässern und reift zwei Jahre unfiltriert in der Flasche.

Traubensorten: Merlot, Cabernet Sauvignon und Shiraz

Auge: dunkles Violett-Schwarz

Nase: Rosmarin, ätherische und herbe Noten, Maulbeeren, typische Merlot-Aromen wie Stall, Leder, Pneu, dazu Peperoni und Süssholz

Gaumen: kräftig-krautige Noten, dunkle Beere, Würze, Holz- und Lederaromen im Vordergrund, gestützt von schönen feinen Tanninen, eine leicht angetrocknete Süsse und Trockenheit im Abgang, generell ein mittellanger, angenehmer Abgang, der von einer feinen Säure getragen wird

Fazit: Zugegeben, viel Erfahrung mit zypriotischen Weinen bringen wir nicht mit. Dieser aber hat uns mit seiner Kraft und Ausgeglichenheit überzeugt – und passt nicht nur zu den typischen Sommer-Grilladen, sondern ist auch ein Lichtblick im tristen Schweizer Winter. Interessantes Mitbringsel für Weinliebhaber! Noch viel mehr, weil der Opus Artis in einer Degustation der Zeitschrift «Vinum» 18 von 20 Punkten eingeheimst hat.

Trinkreife: jetzt bis 2022

Kredenzen zu…
…Schmorgerichten und Eintöpfen
…deftigen Pasta-Gerichten
…Lammkoteletts vom Grill
…einer Hartkäse-Platte mit Früchtebrot

Preis: Jahrgang 2012 für CHF 32.-, erhältlich bei Paphos Weine 

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Aagne: Pinot Blanc Chardonnay 2016

Aagne – im Schaffhauser Dialekt steht dieses Wort für «eigen» oder «anders». Der Familienbetrieb aus Hallau konzentriert sich auf den Anbau heimischer Sorten und produziert mit ökologischem Leistungsnachweis. Die Trauben, vor allem Pinot Noir und Riesling-Sylvaner, werden von Hand gelesen. Die Familien Saxer / Gysel / Hallauer baut aber auf ihren 10 Hektaren Rebfläche auch speziellere Sorten wie Cabernet Dorsa oder Rheinriesling an. Wer die Weine von aagne durchprobieren möchte, der hat an der Expovina Primavera Ende März in Zürich, am Tag der offenen Weinkeller in Hallau am 1. Mai oder an der Auffahrtsdegustation vom 10. bis 12. Mai auf dem Weingut selbst die Chance dazu. Wir haben die Pinot Blanc Chardonnay Cuvée des aktuellen Jahrgangs 2016 zu einem Apéro und kräftigen Vorspeisen ausprobiert.

Traubensorten: 50% Pinot Blanc, 50% Chardonnay

Auge: helles Goldgelb

Nase: ohne Schwenken leicht pilzige Noten, dann viel Frucht: Birnen, Grapefruit, gelbe Steinfrüchte, Zitrusaromen, Pfirsiche

Gaumen: ausgeprägte mineralische Noten, schön fett am Gaumen, mit Grannie Smith-Noten, Ananas, Quitten und Pfirsichen zum Schluss. Der Abgang wirkt noch etwas jugendlich und wird von leichter Kohlensäure begleitet, ist aber überraschend lang.

Fazit: Unaufgeregt gut, überzeugt der Pinot Blanc Chardonnay mit Inhalt statt mit vielen Worten.

Trinkreife: jetzt bis 2019

Kredenzen zu…
…kräftigen Suppen, Vorspeisen mit Wild
…Salat-Kreationen, zum Beispiel mit panierten Milken
…asiatischen Gerichten
…guten Gesprächen unter Freunden, die den schlichten Genuss schätzen

Preis: Jahrgang 2016 für CHF 19.-, direkt ab Gut im online Shop: https://aagne.ch/produkt/pinot-blanc/

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 16.5 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Azienda Agricola Negro Angelo & Figli: Prachiosso 2014

Die Traubensorte Nebbiolo ist im Piemont schon seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen – der Name leitet sich vermutlich von «nebbia», Nebel, ab. Die bekanntesten Weine bzw. Anbaugebiete sind Barolo und Barbaresco. Gemäss Jancis Robinson hat Nebbiolo zwar eine qualitativ erstrangige, quantitativ aber mit weniger als drei Prozent Erntemenge im Piemont fast vernachlässigbare Bedeutung. Jüngere Jahrgänge sind oft verschlossen, tanninreich und säurebetont, entwickeln sich aber mit den Jahren zu grossartigen, komplexen Essensbegleitern. Grund genug für uns und Weinexperte Peter Keller, dieser Traubensorte eine Blinddegustation zu widmen. Als Sieger aus den sechs Kandidaten ging der Prachiosso vom Weingut Negro Angelo & Figli hervor. Der Familienbetrieb hat sich seit 1670 dem Weinanbau verschrieben und produziert auf 70 Hektaren rund 350’000 Flaschen Wein, darunter vor allem Nebbiolo, aber auch Barbera, Dolcetto, Arneis (Giovanni Negro soll 1971 als Erster der Gegend einen trockenen Arneis produziert haben), Vermentino und Moscato. Die Trauben für den Prachiosso werden von Hand gepflückt und reifen danach 22 Monate in Eichenfässern (zur Hälfte in gebrauchten Barriques). Der Name «Prachiosso» leitet sich von der geographischen Bezeichnung des Weinbergs ab bzw. seiner Lage in einer «abgeschlossenen Aue», die sich durch viel Sonne und sandigen Boden auszeichnet.

Peter Kellers Urteil zu unserem Sieger der Nebbiolo-Runde ist hier nachzulesen: https://www.nzz.ch/gesellschaft/roero-prachiosso-agricola-negro-angelo-wiichaeller-uznach-ld.1350643

Traubensorte: 100% Nebbiolo

Auge: helles Braunrot mit leichtem Wasserrand

Nase: zuerst noch etwas verschlossen, dominieren würzige Noten und Süssholz, leichte rotbeerige Noten (Erdbeeren, Himbeeren), gefolgt von Brombeernoten.

Gaumen: Saftig und weich zugleich, angenehmes Zusammenspiel von Frucht und Frische, Barrique-Noten sanft eingebunden, im Abgang überraschend vollmundig und lang mit einer schönen Taninstruktur und einer tragenden Säure.

Fazit: Ein Nebbiolo, der jetzt schon Spass macht und sicher Potenzial für spätere Jahre mitbringt. Mit diesem Preis-/Leistungsverhältnis ein spannender Kandidat für den Keller!

Kredenzen zu…
…einer Käse-Auswahl
…Pasta-Gerichten
…kräftigen Fischgerichten, z.B. Steinbutt

Trinkreife: jetzt bis 2025
Preis: CHF 24.50 beim Wiichäller Rüesch & Grob in Uznach (www.wiichäller.ch)
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16.5 / 20 (*da kommt Freude auf*)