Ferghettina: Franciacorta Extra Brut 2012

Wir haben an dieser Stelle im Frühling unseren ersten Franciacorta und dessen Produktionsweise vorgestellt (den Tenuta Montenisa von Marchese Antinori). Da es im Dezember immer viele Gründe für Schaumwein gibt, haben wir dem Thema Franciacorta eine neue Edition unserer Blinddegustationsrunde mit NZZ am Sonntag-Weinexperte Peter Keller gewidmet. Der Sieger ist der Franciacorta Extra Brut vom Weingut Ferghettina in der Provinz Adro, in Norditalien zwischen Gardasee und Bergamo gelegen. Hier werden rund 350’000 Flaschen Wein und Schaumwein pro Jahr produziert, darunter 8’000 Flaschen des Extra Brut. Die Trauben dafür werden von Hand geerntet. Hergestellt wird der Schaumwein nach der klassischen Champagner-Methode und reift in der zweiten Gärung 72 Monate in der Flasche. Das Weingut führt Laura Gatti in zweiter Generation. Ferghettina zählt neben Branchengrössen wie Ca’ del Bosco eher zu den kleineren Gütern – und hat trotzdem den ersten Platz in unserer Degustationsrunde mit insgesamt sechs Franciacortas abgeräumt.

Traubensorten: 80% Chardonnay, 20% Pinot noir

Auge: helles Goldgelb

Nase: Litschi- und Beerennoten, Mandeln, frische Säure, leichte Champagner-Anleihen, Farnaromen

Gaumen: angenehm wolkige, feine Perlage, schöne Champagner-Stilistik, Zitrusaromen, mineralische Noten, knackige Säure, mittellanger Abgang

Fazit: «Es muss nicht immer Champagner sein.» (Peter Keller) – aber trotzdem hat bei unserer Blinddegustation jener Franciacorta gewonnen, der uns am meisten an das faszinierende Getränk aus der Champagne erinnert hat. Der Ferghettina überzeugt unauffällig und elegant, mit einer gelungenen Harmonie von Frucht und Säure.

Trinkreife: jetzt bis 2021

Kredenzen zu…
…einem Festtags-Brunch mit Freunden und Familie
…Austern oder Lachs
…leichten Apéro-Häppchen und Small talk
…als Auftakt zu anstrengenderen Gewächsen

Preis: CHF 45.-, erhältlich bei Vini Sacripanti, Wettingen

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Ampelaia: Empatia 2012

Emozione, maremma, purezza, amicizia, terroir, idea, ampelaia – soviel verraten uns die Macher des Empatia auf ihrem Etikett. Sind das die Kriterien, die hinter der Power in dieser Flasche stecken? Freundschaft können wir schonmal zuordnen: Das Weingut Ampelaia haben wir an dieser Stelle schon mehrfach vorgestellt, als Projekt von Freunden rund um Elisabetta Foradori. Dieser reine Merlot stammt von alten Weinreben aus einer Einzellage (damit hätten wir auch «purezza» und «terroir» gelöst). Sie reifen 20 Monate in Eichen-Barriques und zwei Jahre in der Flasche. Das Weingut Ampelaia, ursprünglich in Schweizer Besitz, hat seit 2016 die Demeter-Zertifizierung und produziert ausschliesslich biodynamisch. «Emozione» löst der Empatia auf jeden Fall aus – wir sind begeistert von seiner ausserordentlichen, geradlinigen Kraft und Eleganz.

Traubensorte: 100% Merlot

Auge: Kirschrot mit hellem Rand

Nase: typische Leder- und Stall-Aromen mit Röstnoten gemischt, mit etwas mehr Luft kommen dunkle Beeren, Zwetschgen und Lakritze mit etwas Süssholz dazu.

Gaumen: vielschichtig und trotzdem extrem weich und rund, treffen vorweg die sortentypischen Leder- und Stallaromen elegant auf erdige Noten. Danach füllen pilzige Aromen mit schwarzen Johannisbeeren, schwarzen Himbeeren und Pflaumen den Gaumen. Langer, ausgewogener und von ganz samtigen Tanninen getragener Abgang. Ein monumentaler Wein, der einem lange in Erinnerung bleibt.

Fazit: Bei einer Blinddegustation würde man wohl am ehesten die linke Seite im Bordeaux mit den Premier Grand Cru Gütern geistig absuchen. Ein Wein, der seinesgleichen sucht und dementsprechend aufwendig in der Beschaffung. Möglichkeit 1: Man ist mit befreundet mit den Besitzern des Weinguts bzw. im Club «Amici di Ampelaia» und bezieht direkt ab Hof. Möglichkeit 2: In der Schweiz führt den Empatia nur das Restaurant «Der Sonnenberg» in Zürich. Es lohnt sich, Freunde dazu einzuladen – den Wein gibt es nur als Magnum.

Kredenzen zu…
….einer Käseplatte
….Fleischgerichten jeglicher Art
….Trüffel- und Wildgerichten
….einem Steinpilzrisotto

Trinkreife: 2019 bis 2028

Preis: ***Winelovers deluxe*** – ausserhalb der Bewertungskala aufgrund seines Preises. Wenn er das nicht wäre, dann ein klarer Fall für: «unbedingt in den Keller legen – muss man getrunken haben!»

Eva Fricke: Lorcher Krone 2015

Wir hatten vor nicht allzu langer Zeit die Ehre, Eva Fricke persönlich kennenzulernen. Ursprünglich wollte sie Bierbrauerin werden, hat sich dann aber für das Studium des Weinbaus in Geisenheim entschieden. Sie ist selbst die beste Botschafterin für den Stil ihrer Weine: klar, modern, ehrlich und geradlinig. Seit 12 Jahren als selbständige Winzerin in Eltville (im Rheingau) tätig, hat sie in ihrer kurzen Karriere bereits zahlreiche Preise eingeheimst. Begonnen hat sie mit einem 1’000 Quadratmeter Weinberg in Lorch, der rund 600 Flaschen hergab (die sich übrigens alle der Einkaufsschef im Hotel Adlon sicherte. Mehr zu dieser Geschichte in diesem kurzweiligen Artikel der FAZ). Unterdessen produziert sie rund 65’000 Flaschen, Fokus dabei liegt klar auf der Traubensorte Riesling und auf natürlichem Anbau und Produktion. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst naturbelassene Weine zu produzieren, und gilt als «Öko-Winzerin». Für diesen Riesling einer ihrer Top-Lagen, der Lorcher Krone, hat Eva Fricke 94 Parker-Punkte erhalten.

Traubensorte: Riesling

Auge: klares Mittelgelb

Nase: mineralische Schiefer-Noten, gelbe Steinfrüchte, leichte Säure, krautige Aromen

Gaumen: schön eingebundenes Säure-Frucht-Spiel, frisch, angenehm adstringierend, vollmundig fruchtig, angenehme Länge, sehr sortentypische Aromen von Apfel, Birnen und Quitten.

Fazit: Riesling, wie er sein sollte – klassisch, geradlinig, vollmundig und klar. Wir sind gespannt, wie sich die Lorcher Krone entwickelt. Lagerpotenzial ist auf jeden Fall vorhanden!

Kredenzen zu:
….Austern, Hummern oder einer Meeresfrüchte-Platte
….Fisch oder hellem Fleisch
….einem Apéro unter Freunden
….anregenden Diskussionen mit Weinliebhabern, z.B. über unfiltrierte Weine

Trinkreife: jetzt bis 2025

Preis: CHF 39.50 bei Coop Mondovino

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 92/100
Preis/Leistungsskala: 16/20 *Da kommt Freude auf*

 

Gagliole: Il Bianco 2017

Das Weingut Gagliole liegt in Castellina in Chianti, nördlich von Siena. Die Geschichte von Gagliole lässt sich bis zu 994 n. Chr. zurückverfolgen – als der Sohn des Langobarden Königs Berengario nämlich das Weingut seiner Frau als Hochzeitgeschenk zum Lehen vermacht hat. Seit 1990 gehört das Weingut den Schweizern Monika und Thomas Bär. Zehn Hektar ihrer Reben liegen in Castellina selbst, weitere zehn Hektar in Panzano. Die Lese geschieht von Hand. Je nach Jahrgang produziert das Gut 75’000 bis 90’000 Flaschen – zwei Weissweine, vier Rotweine, dazu Grappa und Olivenöl. Wir haben den «Il Bianco» probiert:

Traubensorten: 60% Procanico, 30% Chardonnay, 10% Malvasia

Auge: helles Goldgelb mit grünen Reflexen

Nase: leichte Vanillenoten mit etwas Honig, weisser Pfirsich und Birnen, Äpfel und weisser Pfeffer, leicht mineralisch mit floralen Anflügen

Gaumen: Trotz seiner Jugend ist der ‘Bianco’ schon sehr ausgewogen. Frisch und mineralisch präsentiert er sich am Gaumen, mit schön eingebundenen Röstaromen. Die Fruchtphase mit Apfel, Birne und Pfirsich findet man auch am Gaumen wieder. Im Abgang trägt der Chardonnay zu einem leicht crèmigen Finale bei, welches in einem mittellangen Abgang mit etwas weissem Pfeffer endet.

Fazit: Ein sehr ausgewogener Wein, der bereits jetzt grosse Trinkfreude bereitet und sich genauso zum Apéro eignet wie als Begleiter zu leichten Vorspeisen oder Fischgerichten.

Kredenzen zu…
….klassischem Apéro und anregenden Gesprächen
….leichten Vorspeisen
….einem genussvollem Schaumbad

Trinkreife: 2018 bis 2022

Preis: 25.90 CHF bei Riegger Weine

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Decero: The Owl & The Dust Devil 2015

Das Weingut Finca Decero liegt auf 1’050 Metern in Argentinien, am Fuss der Anden. Thomas Schmidheiny, in dessen Familienbesitz sich unter anderem die Weingüter Cuvaison in Napa oder Chapel Hill in Australien befinden, entdeckte das Stück Land bei einer Reise. Und beschloss, hier von Null auf (Decero) ganz neu anzufangen mit dem Weinbau – mit der Aspiration, damit zu den besten Weinproduzenten Argentiniens zu gehören. Gesagt, getan. Von Anfang an wurde viel Wert auf Nachhaltigkeit und eine schonende Verarbeitung der Trauben gelegt. Die Weine von Decero stammen von Trauben der Lage Remolinos. Der Weinberg wurde nach kleinen Wirbelwinden benannt, welche typisch sind für die Region und die Trauben im Sommer kühlen und im Winter gegen Frost schützen. Dieses Naturphänomen steckt auch hinter dem Namen «The Owl & The Dust Devil». Wie Eulen ins Spiel kommen, das erklärt die App zum Wein – mit ihr kann man die Etikette scannen, und die Eule setzt zum Flug an. (Wer die Geschichte ganz ohne Kaufzwang entdecken will, der besuche: http://www.theowlandthedustdevil.com) Die Cuvée ist erst seit 2016 in der Schweiz im Handel erhältlich, wir haben den zweiten Jahrgang 2015 probiert.

Traubensorte: Cabernet Sauvignon (39%), Malbec (32%), Petit Verdot (19%), Tannat (10%)

Auge: dunkelviolett bis fast schwarz, leichter Wasser-Purpurrand

Nase: Aromen nach grüner und roter Peperoni, dunkler Schokolade, ätherische Rosmarin- und Thymiannoten wie bei einer sommerlichen Bergwanderung, leicht alkoholisch mit einem Hauch von Lakritze

Gaumen: mehr Frucht als Kräuternoten, der Alkohol trägt die Aromen in eine crèmige, schöne Länge, wirkt noch nicht ganz ausgewogen

Fazit: Dieser Wein braucht einen Essensbegleiter! Bei uns hat er mit seiner spannenden und eigenen Aromatik definitiv Sympathiepunkte gesammelt. Und mit der App erhält die Flasche als Gastgeschenk eine ganz neue Unterhaltungsdimension. Positv fallen liebevolle Details wie die Gestaltung der Flaschenkappe auf.

Kredenzen zu…
…Wildgerichten
…Kurzbratstücken vom Rind
…klassischem Strogi, Spätzli oder Gulasch

Trinkreife: jetzt bis 2025

Preis: CHF 24.80 bei schmidheiny.com im online Shop oder gleich bei Höcklistein im Laden in Rapperswil-Jona

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:

100er Skala: 91 / 100
Preis/Leistungsskala: 16.5 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Secret Spot Wines: Crooked Vines White 2015

Ein Weingut, das gar keine Weinparzellen besitzt – das spannende Setup der Secret Spot Wines Produzenten haben wir schon kurz in einem Blogpost vorgestellt (hier). Kürzlich hatten wir die Gelegenheit, die Quinta da Faisca in Favaios persönlich zu besuchen. Chefönologe und Berater Rui Walter da Cunha gewährte uns Einblicke in Produktion und Philosophie. Dabei konnten wir auch diesen Weisswein probieren, der unter dem Label «Crooked Vines» verkauft wird. Der Name bezieht sich auf die «schrägen» oder «verwachsenen», über 50-jährigen Rebstöcke, aus deren Traubengut die Cuvée aus diversen autochthonen Sorten produziert wird und die sinnbildlich auf der Etikette zu sehen sind. Die Fermentation erfolgt in französischen Eichenfässern, danach reift der Wein 15 Monate in Holzfässern. Auch bei dieser Cuvée erfolgt die Traubenlese von Hand.

Traubensorten: Gouveio, Rabigato, Viosinho und viele mehr

Farbe: Kräftiges Goldgelb

Nase: Röstaromen mit Kamille, Honig und Ananasnoten, gelbe Steinfrüchte mit mediterranen Kräutern.

Gaumen: Crèmige burgundische Noten von Pfirsich, Röstaromen und Vanille, danach eine frische, anregende Säure. Ein vollmundiger Wein, der sich erst mit der Zeit öffnet und dann exotischere Noten zum Vorschein bringt. Im mittellangen Abgang begleiten herbe Kräuter-Noten Aromen von diversen Stein- und anderen Früchten.

Fazit: Definitiv kein Apérowein und nichts für Anfänger. Burgunderliebhaber werden sich mit dieser Cuvée anfreunden können, sollten aber keine direkte Vergleichsmöglichkeit nach Frankreich erwarten. Beeindruckt waren wir von der geradlinigen, trotzdem feingliedrigen Art dieses Weins, der seine Herkunft trotz burgundischer Anleihen deutlich zeigt. Als Essensbegleiter ist er sicherlich eine gute Wahl. Gespannt sind wir auf das Potenzial in Sachen Langlebigkeit. Dem Wein tut ein Burgunderglas gut, genauso empfehlenswert ist es, die Flasche ein paar Stunden vorher zu öffnen und sie nicht direkt aus dem Kühlschrank, sondern etwas wärmer zu trinken.

Kredenzen zu…
….Käse, speziell Ziegenkäse
….Fisch oder hellem Fleisch
….Pilzgerichten
….Risotto mit Safran oder Meeresfrüchten

Trinkreife:
2018 bis 2022

Preis:
Im Moment bei Gerstl Aktion: Jahrgang 2014 für CHF 29.50 statt 35.00
Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala
100er Skala: 90 / 100
Preis/Leistungsskala: 15.5 / 20 *Kann man, muss man aber nicht* (Basis regulärer Preis)

Weinrieder: Riesling Kugler 2014

Fritz “Weinrieder” Rieder ist bekannt für seine ausdrucksstarken, kraftvollen Weissweine – und für seine humorvolle Art, seine Weine bei Degustationen zu kommentieren. In weltbekannte Restaurants wie das “The Fat Duck” haben es schon seine zuhauf ausgezeichneten Süssweine geschafft. Wir hatten schon einige Male das Vergnügen, ihn persönlich zu treffen, und haben hier im Blog seinen Weissburgunder “Birthal” (http://www.weingeniesser.ch/weinrieder-weissburgunder-birthal-2009/) vorgestellt. In einer Blinddegustation mit dem Weinakademiker und NZZ am Sonntag-Journalisten Peter Keller hat sein Lagenwein “Riesling Kugler” (https://weinrieder.at/shop/reserven/riesling-kugler-2/) unter sechs Kandidaten in einem engen Rennen den ersten Platz gemacht. Unter den sechs Weinen, alle trocken ausgebaut, aus dem D/A/CH-Raum stammend und preislich bis CHF 50.- liegend, hat seine Kreation mit Jahrgang 2014 mit einer ausgeprägten Länge und einer schönen Reife überzeugt. Weinrieder produziert auf rund 20 Hektar Anbaufläche ausschliesslich weisse Rebsorten: Chardonnay, Grüner Veltliner, Riesling und Weissburgunder. Zu seinen Lagen gehören Birthal, Bockgärten, Hohenleiten, Schneiderberg und Kugler.

Wie Peter Keller den Riesling Kugler bewertet, ist in seinem “Wein der Woche”-Beitrag hier nachzulesen: https://bellevue.nzz.ch/kochen-geniessen/der-wein-der-woche-ein-reifer-riesling-als-essensbegleiter-ld.1425281

Traubensorte: 100% Riesling

Auge: klares Grüngelb mit silbernen Reflexen

Nase: Apfel und Birne gepaart mit feinem Blütenhonig, unterlegt mit gelbem Steinobst und etwas Orangenzesten

Gaumen: saftig, mit einer lebendigen Säurestruktur, die dem Wein einen schönen Trinkfluss verleiht. Sehr volle Aromen von Apfel, Birnen und etwas Pfirsichfrucht im Abgang, eine leichte Fruchtsüsse im Abgang. Beim mittellangen Abgang bleibt eine schöne Zitrusnote und bereits leichte exotische Noten.

Fazit: Der Riesling Kugler ist nicht nur für fortgeschrittene Riesling-Liebhaber ein Genuss, sondern kann auch durchaus Riesling-Novizen überzeugen. Ein sauber und sortentypisch produzierter, überzeugender Essensbegleiter.

Kredenzen zu:
….asiatischen Gerichten
….Fisch oder hellem Fleisch
….Austern oder Muschelgericht
….Antipasti

Trinkreife: 2018 bis 2024

Preis: Jahrgang 2014 für CHF 29.50 bei www.invinovita.ch

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala:
100er Skala: 91/100
Preis/Leistungsskala: 16.5/20 *Da kommt Freude auf*

Kleine Zalze: Family Reserve Sauvignon 2016

Das Weingut Kleine Zalze kann auf eine über 300-jährige Geschichte zurückblicken. Es liegt rund eine Stunde von Kapstadt und drei Kilometer vom südafrikanischen Weinbaugebiet Stellenbosch entfernt. Das Weingut umfasst ein Restaurant (das regelmässig unter die Top 10 Restaurants in Südafrika gewählt wird), eine Lodge und einen Golfplatz – Weintourismus in Reinkultur also. Die Köpfe hinter den Weinen sind Alastair Rimmer, Henning Retief und RJ Botha. Sie produzieren auf rund 100 Hektaren rund 950’000 Flaschen Wein.

Traubensorte: 100% Sauvignon Blanc

Auge: helles Gelb mit grünlichen Reflexen

Nase: die klassische Sauvignon Nase: Stachelbeeren, Cassis, knackige Frische, Agaven, Gurke

Gaumen: breit im Gaumen mit viel Frucht und Säure, deutliche Granny Smith-Apfelnoten,  adstringierend, Honigmelonen und Met-ähnliche Aromen, unreife Peperoni und bittere Grapefruit-Zesten im Abgang

Fazit: eine überraschend Frische! Der Sauvignon ist sauber gemacht, aber nichts für zarte Seelen oder  feinfühlige Weinliebhaber. Man muss Sauvignon in all seiner Typizität schon mögen, um hier Spass zu haben.

Kredenzen zu:
…Spargelgerichten in allen Variationen
…mediterranen Fisch- und Meeresfrüchtegerichten
…asiatischen, scharfen Gerichten
…einem Remember-Southafrica-Abend mit Freunden

Preis: CHF 24.- bei Kapweine für Jahrgang 2016

Trinkreife: jetzt bis 2022

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala
100er Skala: 89 / 100
Preis/Leistungsskala: 15.5 / 20 (*Kann man, muss man aber nicht*)

Stellenrust: Spumante Chenin blanc

Etwas ausserhalb der Stadt Stellenbosch in Südafrika liegt das Weingut Stellenrust. Auch beliebt als Hochzeitslocation, erinnert die Architektur der Empfangs- und Degustationsräumlichkeiten an eine eklektische Mischung aus griechischem Tempel, Bauhaus und Szenen aus dem Film «out of Africa». Das Weingut wurde 1928 gegründet und gehört nach eigenen Angaben zu den grössten Gütern im Familienbesitz. Geführt wird es von den Brüdern Tertius Boshoff und Kobie van der Westhuizen. Sie legen nicht nur Wert auf Nachhaltigkeit, sondern auch auf faire Arbeitsbedingungen, was ihre Fair-Trade-Zertifizierung unterstreicht, und spenden regelmässig einen Teil ihrer Einnahmen an Wildlifeprojekte. Seit kurzem produzieren sie aus einer ihrer top Traubensorten, dem Chenin Blanc, einen Spumante. Das Besondere daran ist die Herstellungsart wie bei einem Prosecco, was in Südafrika sonst eher selten ist. Für die Dosage wird Muscat de Alexandrie von 34 Jahre alten Buschreben verwendet. Das Resultat: eine super Alternative zu leichten Apéro-Weinen und traditionellem Prosecco.

Traubensorte: Chenin blanc (100%) und Muscat de Alexandrie (Dosage)

Auge: sehr hell und klar mit goldenem Schimmer

Nase: Zitrusaromen, Passionsfrucht, Äpfel

Gaumen: feiner und leichter Eindruck, Noten von Granny Smith-Äpfeln im Vordergrund, danach exotische Früchte wie Lime, Passionsfrucht und leichte Litschi-Aromen, eine schöne Frische trägt einen kurzen Abgang

Fazit: Ein schöner, sauber gemachter, leichter Sommergenuss. Ist auch bei wirklich heissen Temperaturen eine perfekte Abwechslung zu gängigen Schaumweinen und leichten Weissen – mit 11.5 Alkoholvolumen unbeschwert und unangestrengt zu geniessen.

Kredenzen zu…
…einem Apéro auf der Terrasse
…leicht gewürzten Meeresfrüchte-Gerichten
…einem entspannenden Schaumbad
…zur Inspiration für die nächste Ferienplanung

Trinkreife: jetzt trinken…

Preis: zur Zeit Aktion bei Kapweine: CHF 12.50 statt 13.90

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala
100er Skala: 88 / 100
Preis/Leistungsskala: 16 / 20 (*da kommt Freude auf*)

Tardieu-Laurent: Hermitage blanc 2013

Hermitage Tardieu 2013 Weingeniesser.ch

Das Weingut Tardieu-Laurent wurde gemäss eigenen Angaben 1996 von Michel Tardieu und Dominique Laurent gegründet. Seinen Sitz hat das Gut in Lourmarin – einer 1142 Seelen Gemeinde in Südfrankreich, in der Provinz Provence-Alpes-Côte d’Azur. In einem der «schönsten Dörfer Frankreichs» (gemäss offizieller Auszeichnung) möchte der jetzt alleinige Besitzer Michel Tardieu mit den ältesten und besten Reben der Gegend Qualitätsweine herstellen. Dafür sammelt er bei lokalen Winzern mit Weinbergen und aus Kleinst-Erträgen sein Traubengut zusammen und keltert daraus seine weissen und roten Weine, die unter die Rhône-Appellation fallen. Seine Weine reifen 18 bis 24 Monate in neuen und alten Eichenfässern. Tardieu verfolgt die Philosophie, möglichst wenig in den Reifeprozess einzugreifen, und verzichtet wenn möglich auf Filtration und weitere mechanische Eingriffe vor dem Abfüllen in Flaschen.

Traubensorte: Marsanne (85%), Rousanne (15%)

Auge: kräftiges Goldgelb

Nase: füllt das Glas dominant mit Kamillennoten, Röstaromen, Vanille, Passionsfrucht, Blumen und Honig – eine grosse Bandbreite an olfaktorischen Eindrücken

Gaumen: crèmig-sanfter erster Eindruck mit viel Röstaromen. Das Holz wirkt erst recht dominant, die Struktur beeindruckend dicht. Die angedeuteten exotischen Früchte (Bananen und Passionsfrucht) halten sich dezent im Hintergrund. Eine feine Zitrusnote trägt leichte Säure in einen langen Abgang. Ein sehr voluminöser Wein, der an einen Chardonnay aus der neuen Welt erinnert und in einer Blinddegustation schwer einzuordnen wäre.

Fazit: Dieser Wein ist auf jeden Fall ein Hauptdarsteller und macht in dieser Rolle auch eine sehr gute Figur. Er muss allerdings noch etwas an sich arbeiten – denn das Holz trägt er etwas arg in den Vordergrund. Wenn er seine versteckten Qualitäten noch entdeckt und seine sensible Seite entwickelt, hat der Hermitage das Potenzial zum Star. Wir werden ihn gerne in drei Jahren nochmals auf der Bühne bewundern und hoffen, dass er seine hervorragenden Basisqualifikationen bis dahin ergänzt hat.

Kredenzen zu…
….Antipasti
….hellem Fleisch, Geflügelgerichten
….einem Lachsgericht (exotisch angehaucht)
….einer dominikanischen Zigarre

Trinkreife: 2020 bis 2030

Preis: CHF 68 bei Mövenpick Weine (Jahrgang 2014)

Bewertung nach Weingeniesser-Bewertungsskala: ausserhalb der Bewertungsskala aufgrund seines Preises.